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Day Of The Outlaw: Black Mountain Majesty

Von wegen verstaubt: So frisch kann Country klingen.
Wertung: 9/10
Genre: Southern Rock/Country/Hardrock
Spielzeit: 61:10
Release: 06.03.2009
Label: Highly Evolved

Versucht man, Country-Musik irgendwo in den USA verorten, kommt wohl als erstes ein Bundesstaat wie Tennessee oder Kentucky in den Sinn. Kalifornien nimmt dagegen wohl eher einen der hinteren Ränge ein. Country-Kenner (und/oder Wikipedia-Leser) wissen dagegen, dass der Sonnenstaat im Westen sehr wohl eine Verbindung zum amerikanischsten aller Folkstile aufzuweisen hat: Immerhin entstand hier Ende der 1960er der Country-Rock. In dessen Tradition stehen heute, gut 40 Jahre später, die vier Jungs von Day Of The Outlaw aus Los Angeles, die sich mit ihrem Debüt „Black Mountain Majesty“ daran machen, die Verbindung von Grillsoße, Cowboystiefeln und riffenden E-Gitarren ins nächste Jahrzehnt zu tragen - oder so ähnlich. Wie das klingt? Hören wir mal rein.

Der Opener fährt als Einstimmung schon einmal alles auf, was man für einen ordentlichen Country-Rocker braucht: Mundharmonika, Fiddle, Banjo, stampfende Grooves und natürlich den Songtitel „Truckin' Country“ - herrlich! Dazu lässt Sänger Stewart Eastham sein Organ brummen wie einen alten, aber gut geölten Traktor und Lead-Gitarrist Spurgeon Dunbar streut ein paar 70s-Licks ein. Eigentlich wäre der Soundtrack für dass nächste Trucker-Grillfest damit fertig, aber die letzte, veredelnde Zutat fehlt noch: Backgroundsängerin Leiana Miller verpasst dem Track mit wundervollen Harmonien erst den richtigen Schliff. Es ist also ein starker Einstieg, mit dem Day Of The Outlaw den Reigen eröffnen, für den gemeinen Rockhörer aber vielleicht schon eine Portion zuviel Country-Flair. Keine Sorge: Der Gitarrenanteil wird im weiteren Verlauf der Scheibe deutlich nach oben geschraubt.

So kann „Lost And Broken“ schon einmal eine lässig im Hintergrund wabernde Wand aus crunchig-verzerrten Sechssaitern vorweisen, vor der sich die Slidegitarre wie eine psychedelische Spielerei ausnimmt. Auch Stewarts Stimme schlägt deutlich rockigere Töne an als im Opener – und trotzdem ist der besondere Country-Spirit immer noch spürbar. Ohnehin schafft es die Band meist, irgendwo stilistische Anlehnungen an die folkloristische Seite ihrer Musik zu finden und nur wenige Songs kommen völlig ohne den Americana-Einschlag aus. Das punkige „Can You Feel It“ gehört wohl dazu und „Peckerwood Slim“ ist deutlich im poppigeren Alternative beheimatet. „Pickup“ hingegen verlässt sich, wie schon der Opener, ganz auf die volle Country-Dröhnung – wenn auch dieses Mal ohne traditionelle Instrumente. Zum Glück wieder dabei ist aber Leiana Miller, die auch in „Drivin' Down“ und „Confessor“ für den letzten Kick sorgt.

Neben den vornehmlich rockigen Songs dürfen auf einer ordentlichen Southern-Rock-Platte natürlich auch ein paar schmachtende Balladen nicht fehlen. „Crooked Tooth Smile“ erfüllt dieses Klischee mit Bravour und bringt mit jaulenden Slidegitarren sicher auch noch den härtesten texanischen Rinderfarmer zum Schluchzen. „Lovely Demise“ funktioniert nach demselben Schema; hier sorgen allerdings eine Fiddle und ein Klavier für melancholische Sperrstundenstimmung im örtlichen Saloon.

Mit 15 Tracks und über einer Stunde Spielzeit bieten Day Of The Outlaw dem Hörer ordentlich Mehrwert und haben durch die lange, im Booklet abgedruckte, Liste von Gastmusikern an den unterschiedlichsten Instrumenten ein breites Arsenal zur Hand, um ihren Sound abwechslungsreich aufzupeppen. Dass man sich hin und wieder selbst zitiert und kopiert bleibt trotzdem nicht aus – schließlich ist das harmonische Grundgerüst durch den Rückgriff auf traditionelle Muster naturgemäß etwas eingeschränkt. Angesichts des fast durchweg starken Songmaterials kann darüber aber getrost hinweggesehen werden.

Fazit: Um „Black Mountain Majesty“ mögen zu können, sollte man eine gewisse Affinität zu gefälligen Melodien, Banjos und jodelnden Gitarren haben. Wer schon immer der Meinung war, dass die einzige adäquate Antwort auf die Frage nach dem eigenen Musikgeschmack der Satz „Oh, I like both kinds of music: country and western!“ ist, sollte damit kein Problem haben. Aber auch, wer mit Country bisher nicht viel anfangen konnte, sich aber im härteren Rocksektor heimisch fühlt und musikalischen Experimenten nicht abgeneigt ist, sollte hier unbedingt ein Ohr riskieren.

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