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Dawn Of Destiny: Praying To The World

Toller Neustart
Wertung: 8/10
Genre: Power Metal
Spielzeit: 75:21
Release: 04.05.2012
Label: Phonotraxx Publishing

Der Pott ist immer wieder gut für hervorragende Bands jeglicher Couleur, da machen auch die Bochumer Dawn Of Destiny keine Ausnahme. In der Vergangenheit haben sie sich schon einen Platz in den oberen Rängen bei The-Pit.de ergattern können, doch in der jüngeren Vergangenheit vor dem Release der vierten Langrille „Praying To The World“ machten sie ja eher und leider mehr mit Personalwechsel denn mit konstruktiver Songschreibarbeit auf sich aufmerksam. Nun ist ja eine hervorragende Sängerin wie Tanja Maul nur schwer zu ersetzen, woraus wohl auch das Experiment geboren wurde, es gleich mit zwei Frontfrauen auszuprobieren, doch Mokina Wesely war gerade erst angekommen, da war sie auch schon wieder weg. Geblieben aber ist Jeanette Scherff (ex-Temple Of Your Soul aus Köln), und welch glückliches Händchen die Truppe da hatte, konnte man bei den ersten Liveshows feststellen, ist sie doch kein Klon, sondern weiß durchaus eigene Akzente zu setzen.

Nun, schnell sind dann auch wieder drei Jahre vorbeigezogen, doch zwischendurch schienen sie sich nicht nur auf die Suche gemacht zu haben, sondern auch nicht wenig Freizeit ins Komponieren gesteckt zu haben, denn so sind etwas mehr als 75 Minuten auf dem Silberling gelandet – randvoll sozusagen, aber auch leider ein bisschen zu lang, denn es wird nicht nur zeittechnisch, sondern auch musikalisch einiges abverlangt. Die Power Metaller haben an ihrem Sound gearbeitet, verlangen von ihren und den zukünftigen Fans neben der Vollbedienung aber auch eine große Menge Toleranz ab, was den Blick über den eng gesteckten Power-Metal-Tellerrand betrifft.

Wie ein Befreiungsschlag wirkt da auch gleich der extrem starke Opener „My Life Lies In Ruins“, denn äußerst brachial starten sie gleich mit Doublebass-Gewummer und einem derben Shout von Bassist Jens Faber, die Gitarrenarbeit aggressiv wie lange nicht mehr und vor allem mit einer angenehmen Stimme von Jeanette, die immer wieder durch einige derbe Growls kontrastiert wird, dazu eine schon fast orchestral anmutende Keyboardarbeit. „Place Of Mercy“ startet zwar ein wenig ruhiger, doch auch hier akzentuieren einige wenige Growls den klaren Gesang, Jens steuert dazu aber auch einige raue Textzeilen bei, was der Abwechslung des Songs nur gut tut. Zwar wird hier nicht durchgängig die Bassdrum getreten, doch ein entsprechendes Härtepotenzial verlieren die Bochumer dabei nicht aus den Augen.

Deutlich ruhiger, sprich balladesk, geht es dann mit „Misunderstood“ in weitere sieben Minuten, wobei Jeanette so manches Mal in den ruhigen Gesangselementen auch an Anneke Van Giersbergen (ex-The Gathering) erinnert, doch die Ruhe hält nicht wirklich lange, denn dann hieven Dawn of Destiny ihren Hintern schnell aus dem Balladensumpf und brezeln in schön symphonischer Power-Metal-Arbeit. Positiv ziehen sich die Gesangsexperimente durch das ganze Album, ein gutes Bespiel hierfür ist auch das schnelle und knallige „Another Pain“, ein Wechselspiel zwischen zerbrechlichen Keyboardeinsprengseln, knallhart schreddernden Gitarren, dem süßlichen Jeanette-Gesang und den derben Jens-Beiträgen. Als kleines Highlight kristallisiert sich auch „Beast Human“ heraus (wenn hier The Gathering nicht wirklich Pate gestanden haben), Jeanette setzt hier mit ihrer Stimme einfach herrliche Akzente, der Song dröhnt ein wenig bedrohlich symphonisch, Jens bekommt noch mehr Gesangparts – das passt.

Bei „One Last Word“ muss dann aber oben beschriebene Toleranz her, denn bei dem Techno-Start schießen die Finger äußerst schnell zur Skiptaste, auch wenn nach kurzer Zeit doch wieder die Gitarren dominieren – der elektronische Grundrhythmus schleicht sich aber immer wieder, wenn auch dezent in den Vordergrund und erinnert an die unsäglichen ersten Sekunden. Schon bei „Miracles“ musste man ein wenig stutzen, schlich sich doch eine leicht poppige Atmosphäre zwischen die speedigen Gitarren.

Unterm Strich aber muss man den Bochumern Dawn Of Destiny attestieren, dass sie ein feines Näschen für hamonische Gesangsarrangements haben und dass die Truppe mit Jeanette überhaupt ein passendes Goldkelchen integrieren konnte. Gut, die Spielzeit hätte um drei, vier Songs reduziert werden, denn dann hätten sie ein klassisches „nur Killer, keine Filler“-Album abgeliefert, aber auch so gehört „Praying To The World“ zu den positiven Erscheinungen im Power-Metal-Genre – hoffentlich nicht nur als Randerscheinung. Ein toller Neustart, wenn man so will.

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