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Das Präparat: Unschuldsblicke

Kindesmissbrauch als Albumthema - eine schockierende CD
Wertung: 9/10
Genre: Psychedelic-Goth
Spielzeit: 55:34
Release: 02.07.2010
Label: Dark Dimensions (Soulfood)

Kindesmissbrauch ist leider ein allgegenwärtiges Thema, über welches man nur sehr ungern spricht, und vor welchem man nur allzu gerne die Augen verschließen möchte. Es ist eine Erfahrung, welche die Betroffenen auf immer schädigt und die keine sichtbaren, aber dennoch stets vorhandene Narben hinterlässt. Die deutsche Darkwave-Formation Das Präparat, bestehend aus Dr. Hyde und Nachtschwester K., widmet diesem brisanten Thema ein ganzes Album, welches passenderweise „Unschuldsblicke“ getauft wurde.

Fiel es dem 2001 ins Leben gerufenen Projekt anfangs noch schwer, sich aus dem übergroßen Schatten von Welle:Erdball zu lösen, so belegt spätestens dieses Album, dass es nun den Kinderschuhen entwachsen ist und auf eigenen Beinen gehen und stehen kann.

Und die Musiker beginnen auch unvermittelt mit großen Laufschritten: Nach dem kurzen aber erschütterndem Intro „Komm spiel mit uns“ ertönt das verstörend-drängende „Fetus in Fetu“, welches, wie der Titel bereits andeutet, nichts für schwache Gemüter ist. Mag der Text auch im EBM-Gewand verpackt sein, so ändert dies nichts an dem psychotischen Inhalt, welcher trotz seiner besonderen Beklommenheit wirklich sehr gut verfasst ist. Auch der folgende Titel, „Mondscheinkind“, ist trotz vieler Industrialelemente ebenso verstörend wie sein Vorgänger, denn hier wird die Flucht eines Kindes bei Nacht geschildert. Wer den Texten aufmerksam lauscht, kann nun feststellen, dass Das Präparat eine Art Geschichte aufbauen; eine traurige, schockierende und zugleich ergreifende Geschichte, die uns auf schreckliche Weise vor Augen führt, wie schlimm Kindesmissbrauch ist. Besonders eindringlich fallen dabei die Stücke „Onkel“ (ein Pädophiler im Familienkreis) und „Unschuldsblicke“ aus, die wirklich packend sind.

Man hört schon die ersten Rufe wie „Provokation pur!“, aber lässt sich - trotz der Unannehmlichkeit dieses Themas - nicht verleugnen, dass Das Präoarat hier die rosa Brille abgenommen und uns gesellschaftskritisch auf Missstände wie diese hingewiesen haben.

Doch kann das Album nicht nur mit den Texten überzeugen, auch musikalisch bietet das Zweitwerk der von der NDW geprägten Band eine große Vielfalt: Die Formation trumpft mit einer überzeugenden Mischung aus EBM, Darkwave, Electro, Balladen und sogar Jazz („Du störst“) auf, womit sie einen hervorragenden Musikfluss erreichen, welcher dafür sorgt, dass dem Hörer stets Neues geboten wird.

Jedoch lässt sich nicht leugnen, dass, trotz großer Aktualität und Intensivität des Themas, die Texte in ihrer Grundform alle gleich sind. Sie alle behandeln das gleiche traurige Thema, sind dabei nur in verschiedene Musikgewänder gehüllt und lassen die Stimmung des Hörers beträchtlich sinken. Und ob diese Wirkung für ein Album wünschenswert ist, ist durchaus fraglich.

Alles in allem jedoch ist die Platte wirklich hörenswert, denn die musikalische Mischung ist grandios gelungen und wirkt dabei nicht überladen. Die gesellschaftskritischen und neurotischen Texte lassen die richtige (teils vielleicht zu intensive) Atmosphäre entstehen und laden den Hörer auf eine Reise durch die dunkelbrutale Welt von Das Präparat ein. Für Fans von Psycheldic-Goth ein absolutes Muss!

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