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Das Ich: Cabaret

Wird dem guten Ruf gerecht
Wertung: 8.5/10
Genre: Dark Wave
Spielzeit: 54:42
Release: 31.03.2006
Label: Massacre Records

„Kommen Sie, sehen Sie, staunen Sie! Halbwahrheiten, Ammenmärchen und gespieltes Leid und Elend der Menschlichkeit wird ihnen hier ganz offen gezeigt. Es lacht Sie an, es lacht Sie aus und des Lebens Sinn löscht Sie einfach aus...“

Mit diesen unheilvollen und zugleich dennoch einladenden Worten im Opener “Moritat“, begrüßt uns niemand geringeres als Stefan Ackermann, seines Zeichens Frontmann und Sänger einer der erfolgreichsten und legendärsten Dark Wave Formationen Deutschlands. Die Rede ist hier natürlich von Das Ich, welche nun zwei Jahre nach dem erfolgreichen Output “Lava (Glut)“ mit “Cabaret“ ihre neue Ausgeburt auf die Menschheit loslassen.

Wie das Coverartwork und der einleitende Textauszug schon erfolgreich suggeriert, spielt die Handlung von “Cabaret“ in einem eben solchen, das im Rahmen eines Jahrmarktes seine dunklen Zelte aufgeschlagen hat. Hierbei übernimmt Ackermann die Rolle des diabolischen Harlekins und Animateurs, der mit „Engelszungen“ auf seine Zuhörer einredet. Sie mögen ihm doch bitte folgen und eine Show im Inneren des Cabarets erleben, wie sie das anwesende Publikum auch nie wieder vergessen wird... Keine Frage: Wir lauschen hier nicht nur des „Teufels wahre Worte“, sondern folgen ihm auch zugleich in sein dunkles Reich – Sein Cabaret der menschlichen Abgründe und Scheinheiligkeit.

Nachdem beim Vorgänger “Lava (Glut)“ die Liebe als ein zentrales Thema im Vordergrund stand, bewegt sich “Cabaret“ wie schon vermerkt eher wieder in altbekannten und morbid-nihilistischen Gewässern. Zwar ist “Cabaret“ auch bei weitem nicht so blasphemisch wie seinerzeit “Antichrist“ (2002), aber dafür kehrt Das Ich thematisch wieder mehr zu ihren düsteren Ursprüngen Anfang der 90er Jahre zurück, als narzisstische Club Hits wie “Gott ist tot“ und “Destillat“ fast schon an der Tagesordnung waren. Ebenso ist das Universum von “Cabaret“ eher als ein greifbarer und nachvollziehbarer Mikrokosmos zu betrachten. Welcher von Anfang bis Ende wie ein brillant inszeniertes „Bühnenstück der schwarzen Todeskunst“ daherkommt. Ein Bühnen- und Theaterstück, das seine Zuschauer erst in Sicherheit wiegt (ihnen gar Lust und Neugierde einimpft) um ihnen dann im Laufe der fortschreitenden Handlung einen Spiegel vorzuhalten. Und das sichtbares Antlitz übersteigt das dargebotene Grauen auf der Bühne noch um ein Vielfaches...

“Cabaret“ ist konzeptionell betrachtet eigentlich weniger für die hiesigen Clubs gedacht, da man im Grunde eine in sich geschlossene Erzählung (bzw. Aufführung) vorfindet. Aber dennoch schaffte man es auch hier wieder gekonnt (zumindest für kurze, vereinzelte Momente) aus dem selbst auferlegten Klangkonstrukt auszubrechen und so (trotz allem) auch dem ständig nach Frischfleisch lechzenden Publikum in den Clubs mit neuen Häppchen einzuheizen. Beispiele dieser Art sind das brodelnde “Paradigma“ (in welchem sich Stefan Ackermann und Bruno Kramm im Refrain fast schon ein kleines Gesangsduell liefern) und das mit subtilen Industrial-Anleihen versehene “Opferzeit“ (welches durchaus – auch in der hier dargebotenen Originalversion – das Zeug hätte, ein zweiter Smasher im Stil von “Destillat“ zu werden). Soviel also erst mal zur Abteilung der Tanzfraktion, welche trotz allem einen textlichen Anspruch nicht scheuen sollte.

Hingegen sind Titel à la “Atemlos“ (welches ebenfalls ein sehr starkes Gesangsduett Ackermann/Kramm im Refrain bietet), “Macht“ und “Fluch“ eher typische Das Ich Stücke. Die sowohl in sich (musikalisch) verschachtelt sind, aber auch deutlich weniger schwerfällige Klangebenen für sich verbuchen als man es noch von den Frühwerken her kannte. Inhaltlich sind sie gewohntermaßen eher endzeitlich gehalten und sprechen eine bekannte (sowie deutliche) Sprache. Wobei hier insbesondere der kalte und gänsehautfördernde Abgesang auf die Menschheitsgeschichte in “Fluch“ deutlich hervorzuheben ist.

Während “Schwarzes Gift“ wie eine Art Fortsetzung des 93er Klassikers “Von der Armut“ anmutet, geht man auf “Nahe“ ganz neue Wege: Hier ist Stefan Ackermann erstmals im Gesangsduett mit einer Frau zu hören! Marianne Iser heißt die gute und für Das Ich Verhältnisse geht es hier auch ungemein deutlich zur Sache, was die sexuelle (und zwischenmenschliche) Sprache anbelangt. Gesanglich ist Isers Gesang allerdings sicherlich Geschmacksache (im Grunde genommen eine Mischung aus Operndiva und Nina Hagen, wenn man es mal grob umschreiben möchte).

Nachdem es dann aber wieder mit “Zuckerbrot und Peitsche“ hinab in die Niederungen der menschlichen Dekadenz geht, fällt letzten Endes mit dem 8 Minuten langen Titel “Cabaret“ der finale Vorhang... Dessen zurückbleibende Erkenntnis bleibt für alle Anwesenden aber eher ernüchternd und traumatisch: Unser aller Leben war nur ein Trugbild voller makaberer Ironie, Pein und Selbstlüge. Ein Leben – geführt und gelenkt an Fäden wie eine stupide Marionette – das niemals sein ersehntes Heil finden kann und wird.

Fazit: “Cabaret“ ist musikalisch und inhaltlich wie gewohnt eine ausgeklügelte und tiefsinnige Platte geworden, die den bisherigen, guten Ruf der Dark Wave Formation vollends gerecht wird.

Neben dieser regulären Albumversion gibt es noch ein “Limited Boxset“ (von gerade einmal 1000 Einheiten) zu erstehen, das zusätzlich noch eine prall gefüllte Remix CD namens “Varieté“ enthält und eine eigens produzierte DVD mit dem Titel “Panopticum“, auf welcher sich neben der Live-Show vom “Zillo Festival 2004“ noch ein exklusiver Das Ich Kurzfilm mit dem Titel “Kaleidoskop“ befindet. Des Weiteren beinhaltet die Box noch als Extras ein aktuelles Poster, eine signierte Autogrammkarte und einen Button.

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