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Das Ich: Addendum

Ein sehr empfehlenswertes Gesampaket
Wertung: 99/10
Genre: Dark Wave, Gothic Industrial
Spielzeit: 155:17
Release: 27.04.2007
Label: Danse Macabre

Ein Schelm, wer böses denkt: Nachdem Bruno Kramm und Stefan Ackermann bereits vor vier Jahren mit “Relikt“ ein Best of- Album auf den Markt brachten, steht nun mit “Addendum“ eine weitere Compilation der beiden Erfinder der „Neuen Deutschen Todeskunst“ in den Startlöchern.

Zur allgemeinen Verteidigung des Kultduos sei nun allerdings gesagt, dass es sich bei vorliegendem “Addendum“ mitnichten um eine weitere Best of- Zusammenstellung handelt! Vielmehr dient “Addendum“ einer genaueren Beleuchtung der vergangenen Das Ich - Dekade von 1988 bis 1999, welche insbesondere einen Wert auf die Wiederveröffentlichung rarer und vergriffener Singles und EP´s dieser Zeit legt. Entsprechend gibt es - mit Ausnahme der beiden Extended Versionen von “Kindgott“ und “Von der Armut“ - keinerlei Übereinstimmungen mit “Relikt“ aus dem Jahre 2003.

Wen nun zusätzlich das schlichte schwarze Cover mit der weissen Schnörkelschrift an vergangene “Satanische Verse“ - Zeiten erinnert, liegt indes richtig: Bewusst wurde auf “Addendum“ ein detaillierter Querschnitt aus jener Epoche gezogen, die als die am meisten prägende in das Schaffen von Das Ich einging. Entsprechend dominiert wird der Doppel-CD Sampler von morbid-vertrackten Lyriks aus dem Munde Ackermanns, die ihre Zuflucht in Kramms markanten Klängen aus klassischem Dark Wave und derbem Gothic Industrial finden...

“Addendum“ erzählt insgesamt von einem musikalischen Phänomen, welches nicht nur in der deutschen Gothic-Szene bis heute große Anerkennung und Respekt geniesst.

Dass der Dichterfürst Gottfried Benn seit je her mit seinen bisweilen skurril-bizarren und alptraumhaften Gedichtszyklen einen großen Einfluß auf Das Ich hatte, ist kein Geheimnis. Veröffentlichte Kramm und Ackermann doch einst im Jahre 1998 mit “Morgue“ eine beeindruckende musikalische Aufarbeitung von Benn´´s “Die kleine Morgue“. Entsprechend wundert es nicht, dass der mittlerweile etwas rar gewordene Sampler nun fast zu 100% auf “Addendum“ seine Wiederauferstehung feiert (= gleich die ersten 9 Songs auf CD Nr. 1).

Anschließend geben sich die Herrschaften von Laboratory X, And One, Funker Vogt und VNV Nation ein Stelldichein im Das Ich - Kosmos, erschien doch seinerzeit im Jahre 1999 mit “Relaborat“ ein reines Remixalbum, auf dem etliche Szene-Künstler dem Duo Tribut zollten. Hiervon haben es die besten vier Fremdversionen bekannter Das Ich - Tracks auf “Addendum“ geschafft. Neben der wohl genialsten Remixversion aller Zeiten von VNV Nation (deren “Destillat“ - Mix ist bis heute ein Dauerbrenner in den Clubs) begeistert aber auch besonders der von And One - Mastermind Steve Naghavi intonierte Song “Das Ich im Ich“.

Nach diesem eher tanzflächenorientierten Ausflug kehrt “Addendum“ mit den letzten 5 Tracks der ersten CD wieder in unheilschwangere Gefilde zurück: So befindet sich auch hier die fast komplette Soundtrack-EP zu “Das innere Ich“ auf dieser Compilation und zeigt Das Ich größtenteils von ihrer rein instrumentalen Seite.

Als eine richtige Schatztruhe entpuppt sich allerdings die zweite CD auf “Addendum“: Sind hier doch wirklich alle essenziellen Remixe und B-Seiten der drei vergriffenen Singles “Stigmata“ (1994), “Kindgott“ (1997) und “Destillat“ (1998) zu finden! Hier ist beispielsweise auf der Extended Version von “Kindgott“ auch erstmals ein Duett zwischen Stefan Ackermann und Bettina Hirschberger zu hören, welches es ansonsten auf keiner weiteren Version dieses Titels gibt... Oder auch der ruppig-stampfende Nietzsche-Edit des legendären Klassikers “Gott ist tot“ erscheint in dieser Fassung ungewohnt Bass-lastig und marschiert energiegeladen nach vorn.

Dass Bruno Kramm und Stefan Ackermann aber auch hervorragende Live-Musiker sind, dokumentieren sie mit den Gänsehaut fördernden Präsentationen ihrer Frühwerke “Jericho“, “Dein Leben“ und “Des Satans neue Kleider“ aus dem ´95er Live-Album “Feuer“.

Mit den beiden Titeln “Irrlicht“ und “Ein Tag vergeht“ sind zwei Songs aus der Debüt-EP “Satanische Verse“ (1990) zu vernehmen, die für die damaligen Das Ich - Verhältnisse schon ungewohnt sozialkritisch ausfielen.

Eine wahre Weltpremiere stellen letztendlich aber die beiden bisher unveröffentlichten Demo-Tracks “Gefallener Engel“ und “Exorzist“ aus dem Jahre 1988 dar:

Erstgenannter ist nicht nur ein ungewohntes Synthesizerfestival der alten Discoschule a lá Dr. Mabuse und Soft Cell, sondern zugleich auch der bisher einzige Das Ich - Song in englischer Sprache! Lasst Euch also von dem deutschen Titel nicht beirren: Der Song ist ein Novum und wird genauso einzigartig bleiben wie der Versuch, völlig zugekifft(!) einen Exorzismus(!!) zu zelebrieren (O-Ton Bruno Kramm zu “Exorzist“, welcher im Grunde eine Frühversion zu “Des Satans neue Kleider“ darstellt: „Zwei zugekiffte Gothickids im Halbdunkel der Probekellerkerzen, die versuchen, einen Exorzismus zu illustrieren, kann man nur mit einem gehörigen Augenzwinkern konsumieren, hat aber stilprägenden Charakter für viele unserer Songs im Demostadium...“).

Fazit: Das Ich haben mit “Addendum“ eine wirklich spannende und in sich harmonische „Raritäten-Compilation“ zusammengestellt. Auf den gut 155 Minuten Spielzeit kommt sowohl der „alte Hase“ wie aber auch der Neu- und Quereinsteiger voll auf seine Kosten.

Als kleines Extra sind im Booklet der Doppel-CD auch zu jedem enthaltenen Song persönliche Anekdoten von Bruno Kramm und Stefan Ackermann nachzulesen. Jene reichen von individuellen Erinnerungen und Empfindungen der beiden, bis hin zu amüsanten Erzählungen und Hintergrundgeschichten der damaligen Das Ich - Ära. Sprich: Insgesamt ein sehr empfehlenswertes Gesamtpakt an dunkler Musikkunst von einer der innovativsten Szene-Bands Deutschlands!

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