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Darkthrone: Circle The Wagons

Erneut ein Mittelfinger in Richtung seelenloser Fließbandproduktionen
Wertung: 4.5/10
Genre: Crustpunk / Heavy Metal
Spielzeit: 40:48
Release: 09.04.2010
Label: Peaceville

Dass Darkthrone eine Institution sind, dürfte wohl niemand ernsthaft in Frage stellen, der sich auch nur ein bisschen in der Metalszene auskennt. Alben wie „Under A Funeral Moon“ oder „Transilvanian Hunger“ hatten eine erhebliche Auswirkung auf die Entwicklung der norwegischen Black-Metal-Szene Anfang der Neunziger, und dass die Band stets das tat, was sie wollte und alles mögliche ausprobiert hat, kann sicherlich ebenfalls keiner bestreiten. Auch die Geschichte mit dem Schriftzug „Norsk Arisk Black Metal“ auf dem Backcover von „Transilvanian Hunger“, die seinerzeit in Verbindung mit fragwürdigen Aussagen nicht zu Unrecht zum Boykott mehrerer Hartwurst-Magazine führte, ist längst vom Tisch, da sich das Ganze letzten Endes als bloße, wenn auch sehr plumpe Provokation erwies; eine Riesendummheit, die man nach klärenden Gesprächen zum Glück aus der Welt schaffen konnte.

Das alles ist Schnee von gestern, genauso wie allerdings die Tatsache, dass Fenriz und Nocturno Culto einstmals Black Metal spielten; spätestens seit dem 2006er-Album „The Cult Is Alive“ wendete man sich zumindest in musikalischer Hinsicht eher ab von der Schwarzwurzelszene und integrierte Crustpunk-Elemente in seinen Sound, was vielen sogenannten True-Black-Metallern sauer aufstieß – aber ich erwähnte ja bereits, dass es die beiden Norweger noch nie wirklich interessierte, was andere über sie dachten.

Das ehrt sie und das zeigt sich auch auf der neuen Scheibe, deren Titel „Circle The Wagons“ laut Fenriz eine Message an „die Invasoren unserer Metaldomäne“ sein soll, auf dass sie ihre Wagen in Stellung brächten – eine klare Kampfansage an die zahlreichen seelenlosen, sterilen Retortenproduktionen heutzutage, an die „modern overground metal traitors“.

Reden dieser Manier mögen für viele albern und Worte eines Ewiggestrigen sein, aber es ist nun mal nicht von der Hand zu weisen, dass der Markt in den letzten Jahren von unzähligen künstlichen, von Triggern verseuchten Plastikproduktionen überschwemmt wurde und immer noch wird – da gebe ich dem Darkthrone-Drummer absolut recht. Natürlich ist dies auch der Grund dafür, dass die beiden Kultfiguren nach wie vor ganz bewusst mit einem äußerst rumpeligen Sound aufwarten, um so primitiv wie möglich zu klingen und zu beweisen, dass man sich im Underground heimisch fühlt.

Auf der anderen Seite dürfte letzteres wohl eh jedem klar sein, und bei aller Liebe zu erdigen, ehrlichen Sounds kann ich mit den jüngsten Darkthrone-Veröffentlichungen nicht wirklich viel anfangen – ob man klinischen, gleichklingenden Sounds in der Form entgegenwirken muss, indem man mit – seien wir ehrlich – ziemlich grauenhaftem Gesang aufwartet und jeden Song mehr oder weniger anders „produziert“ (man beachte nur mal den Unterschied zwischen den ersten beiden Tracks), halte ich doch für eher fragwürdig. Das mag für viele Kultcharakter haben, ich hingegen finde es nicht besonders doll, zumal man bei unbekannteren Bands, wenn sie heutzutage mit solchem Kellersound an den Start gingen, garantiert sagen würde, dass das ziemlicher Mist ist (eine ähnliche Diskussion gab’s damals ja auch bei Metallicas „St. Anger“). Es gibt sicherlich auch einen Mittelweg. Aber zugegeben, ich konnte auch dem unbeholfenen Geschrammel von Venom – ja, ich weiß, dafür würden mich die meisten sicherlich gerne kreuzigen, ich warte auf Hass-Mails – noch nie so richtig was abgewinnen, so wichtig die Engländer für die Szene auch gewesen sein mögen. Aber bei Venom muss man damals sicherlich auch dabei gewesen sein, um die Auswirkung zu spüren, touché.

Was die neue Darkthrone betrifft, so stimmt zumindest das Songwriting teilweise: Der Opener „Those Treasures Will Never Befall You“ bietet schön dreckiges, Motörhead-mäßiges Riffing und setzt sich gut in den Gehörgängen fest, genauso wie „I Am The Graves Of The 80s“; das über sieben Minuten lange, in schleppendem Tempo beginnende „Stylized Corpse“ weiß mit einigen gelungenen Riffs zu gefallen, während das Mainriff bei „I Am The Working Class“ zwar auch nicht schlecht ist, aber viel zu oft wiederholt wird.

Im Gesamtbild betrachtet kann das Ganze jedoch nicht wirklich vom Hocker reißen und in Verbindung mit dem nervtötend gegrölten, schiefen Gesang und einer Produktion (falls man überhaupt davon sprechen kann), die kein Stück ausgewogen ist und schrammelige Gitarren, sowie Pappkarton-Drums bietet, erstaunlicherweise aber trotzdem immer noch besser ist als die des letzten Albums, ist hier keine hohe Punktzahl drin – Legende hin, Legende her.

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