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Darkseed: Poison Awaits

Nicht unbedingt empfehlenswert
Wertung: 3.5/10
Genre: Gothic Metal
Spielzeit: 56:18
Release: 23.07.2010
Label: Massacre Records

Gothic Metal ist eines der wenigen Genres, bei denen man eigentlich von vornerein weiß, was man bekommt – eine möglichst tiefe männliche Stimme, ein oder zwei Keyboards, vielleicht auch eine holde Dame, die dazu trällert, schon hat man eine halbwegs gute Gothic Metal-Platte beisammen.

Denkste. Die Herren Stefan Hertrich (Vocals, Electronics), Thomas Herrmann (Gitarre), Tom Gilcher (ebenfalls Gitarre), Bassist Martin Motnik, Drummer Maurizio Guolo und Keyboarder Armin Dörfler treiben bereits seit 1992 ihr Unwesen, zwischenzeitlich hat sich aber zumindest im Line-Up einiges geändert: am Tieftöner hat sich ex-Eisbrecher-Bassist Michael Behnke eingeschlichen und Sänger Stefan wurde bereits 2006 durch Harald Winkler ersetzt – ob das allerdings ein so brillianter Schachzug war, lässt sich nicht hundertprozentig sagen, denn die stimmliche Leistung schwankt auf dem mittlerweile zehnten Release „Poison Awaits“ teilweise doch sehr stark.

Dabei sollte man meinen, dass Darkseed nach so langer Zeit wissen, wie’s richtig geht, aber irgendwie zündet ihr neues Album so gar nicht. Da hilft auch die Aussage nicht, dass sie sich von der „modern-klingen-wollenden Konkurrenz“ abheben wollen. Nicht nur der Gesang ist teilweise ein wenig zu sehr poppig ausgerichtet, um die eben angeführte Aussage untermauern zu können, was zusätzlich auf die Synapsen schlägt, ist der geradezu fahrlässig zu nennende Gebrauch des Keyboards. Das Tasteninstrument und ich werden wohl wahrscheinlich sowieso nie beste Freunde, aber man sollte doch zumindest einen Sinn dafür haben, wo das Geklimper hinpasst und wo nicht.

Ein paar wache Momente haben die Jungs dann aber doch. „Roads“ leitet die Platte eigentlich gar nicht mal schlecht rockig-spacig ein, die Stimme des Herrn Winkler klingt überraschend tief, der rock’n’rollige Einschlag im Refrain weckt Erinnerungen an die gute alte Zeit, als The 69 Eyes noch wussten, was sie taten und dabei gut klangen. Leider setzt der Song sich nicht sonderlich erfolgreich im Gedächtnis fest und so geht es mir mit nahezu allen Stücken auf „Poison Awaits“ – man horcht zwischendurch mal auf, kann sich aber schon beim zweiten Durchlauf entweder nicht an das betreffende Stück erinnern oder es nicht von den anderen unterscheiden. Sauer stößt dem Hörer vor allem die schon nicht mehr Ohrwürmer zu nennenden Refrains auf, die wie im Falle von „Incinerate“ eher klebrig-süß als einprägsam daherkommen und wie gemacht scheinen für minderjährige Twilight-Fans. Man könnte das Stück fast als progressiv bezeichnen, wenn das verdammte Keyboard nicht wäre, was wirklich schade ist, weil ich unter der elektronischen Tarnkappe noch ein halbwegs gutes Stück Musik vermute.

Das erste Aufhorchen geschieht bei „Seeds Of Sorrow“, das mit ruhigem, tiefem Gesang eingeleitet wird – sobald sich die Tonlage etwas ändert, hält zwar der Kitsch Einzug, aber dafür klingt der Refrain richtig gut und setzt sich einigermaßen fest, ohne gleich penetrant zu wirken. „A Dual Pact“ beginnt hingegen mit einem eher klassischen Heavy Metal-Intro mit sinplem Riffing und ebenso einfallsreichen Drums. Das Stück entpuppt sich zwar als solide, aber man wird das Gefühl nicht los, dass die Herren sich nicht so recht zwischen Gothic Rock und Classic Metal entscheiden können.

Obwohl „No Promise In The Heavens“ den mit Abstand chaotischsten Song der Platte darstellt, gehört er definitiv zu den wenigen Highlights. Dezent im Hintergrund wird eine Frauenstimme hörbar, außerdem darf man sich über recht interessante Gitarrenspuren und eine sehr gute stimmliche Leistung freuen. Zum guten Schluss darf man mit „King In The Sun“ den einzigen Track genießen, bei dem die Keyboards nicht völlig fehl am Platz sind. Mit einer schönen Melodie, gutem Gesang, der etwas Richtung Blutengel tendiert, und einem einprägsamen Refrain beschließen die Münchner eine Platte, die leider mehr Tiefen als Höhen aufzuweisen hat. Wahrscheinlich ist das eine starke Geschmackssache, aber ich kann nur jeweils einen Punkt pro gutem Song vergeben – den halben Sympathiepunkt gibt’s oben drauf, weil Harald Winkler zu den wenigen Gothic-Sängern gehört, die die englische Sprache beherrschen.

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