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Dark Tranquillity: Atoma

Dunkle Wolken über Göteborg
Wertung: 9/10
Genre: Melodic Death Metal
Spielzeit: 53:14
Release: 04.11.2016
Label: Century Media

Die Mitbegründer des Göteborg-Sounds haben den Ausstieg von Gründungsmitglied Martin Henriksson scheinbar gut verkraftet und beweisen nun mit "Atoma", dass sie nach 27 Jahren Bandgeschichte immer noch Meister ihres Handwerks wie kaum eine andere Band dieses Genres sind.

Dass Dark Tranquillity in den letzten sechs Jahren nicht nur düsterer geworden sind, sondern auch die Füße wieder etwas vom Gas genommen haben, ist kein Geheimnis. Diese Tendenz setzen sie auch aktuell auf "Atoma" fort. Der Opener ist noch recht treibend und im Vergleich zum Rest brachial mit Melodien im "We Are The Void"-Stil, bevor es dann mit dem Titeltrack schon ein gutes Stück sanfter und nochmal melodischer wird. Was direkt auffällt, ist Mikeal Stannes tiefer, sanfter Klargesang, welcher auf dieser Scheibe wieder häufiger und sehr gezielt zum Einsatz kommt. Auch sind erstmals seit "Projector" wieder vereinzelt Songs (wenn auch nur als Bonustrack) enthalten, auf denen ausschließlich klar gesungen wird.

Noch dunkler wird es anschließend im traurigen "Forward Momentum", dem wohl emotionalsten Song des Albums. Besonders hier ist der klare Gesang in den Strophen entscheidend für die Stimmung. In Kombination mit den bekannten, finsteren Growls, den melodischen Riffs und einem Gänsehaut erzeugenden Gitarrensolo ein mehr als gelungenes Stück. Dazu wurde über Century Media ein Musikvideo veröffentlicht, in dem sich der sonst so fröhlich wirkende Frontmann mal von einer ganz anderen Seite zeigt, mehr wird aber nicht verraten.

Soundtechnisch orientiert sich "Atoma" an den letzten beiden Alben, Keyboards und Synthesizer rücken gelegentlich in den Vordergrund. Aufgenommen wurde wieder im Rogue Studio, das seit einigen Jahren von Keyboarder Martin Brandström in Göteborg betrieben wird, gemischt hat diesmal allerdings David Castillo (Katatonia, Opeth, Draconian). Und in der Tat kommt der Bonustrack "The Absolute" (ausschließlich clean Vocals) dem Katatonia-Sound erstaunlich nahe. Zufall? Kein schlechter jedenfalls. Die Drums sind größtenteils gemäßigter als gewohnt, Doublebass-Passagen werden nur rar eingesetzt, Blastbeats und donnernde Breaks wurden aus dem Programm gestrichen.

Eine dramatische Grundstimmung zieht sich weiter durch das gesamte Album. In Songs wie "Clearing Skies" und "Force Of Hand" zeigen sich die Schweden experimentierfreudig und scheuen sich nicht, ihrem Hang zum Progressive Rock in Form vertrackter und atmosphärischer Clean-Parts Ausdruck zu verleihen und dabei trotzdem am Draht zum gewohnten Dark Tranquillity-Charakter fest zu halten. Mit "The Pitiless" bleibt es zwar düster, wird aber wieder schneller und hektisch mit fast schon schwarzmetallisch-bedrohlichen Melodien. Nach den wieder etwas langsameren und teils doomigen "Merciless Fate" und "Cave Of Embers" ist die eigentliche Platte mit einem instrumentalen, Ambient-artigen Cleanpart und ein paar letzten dramatischen Gitarrenriffs durchgelaufen.

Die Bonustracks sind dann nochmal eine ganz eigene Hausnummer: Klagender Klargesang trifft auf dunkle Keyboards und traurige Atmospherics. Es wird also richtig düster und betrübt, die beiden Songs gehen direkt unter die Haut. Während "The Absolute" noch mit Gitarreneffekten und relativ klaren Drumbeats einhergeht, kommt "Time Out Of Place" fast ausschließlich vom Synthesizer und minimalistisch gezupften Gitarren. Hier holt Stanne dann auch mal die höheren Lagen aus seiner Stimme und bereitet der Bonus-CD einen sanften und gekonnten Abschluss.

Das gesamte Werk hinterlässt besonders beim langjährigen Fan sicherlich gemischte Gefühle. Gewiss haben sich Dark Tranquillity auf "Atoma" nicht neu erfunden, sich aber spürbar in neue Bereiche gewagt und manch alter Gewohnheit abgeschworen. Ein Hit sticht bei den ersten Durchläufen nicht heraus, dafür ist das gesamte Album auf einem konstant hohen Niveau, so dass die Songs in jeder Minute fesseln und Spannung erzeugen.

"Atoma" ist durchweg dramatisch, finster und emotional, wie kein Dark Tranquillity-Album zuvor. Hier wurde richtig gute und persönliche Arbeit von Musikern geleistet, die diese Band seit ihrer Jugend zum Hauptbestandteil ihres Lebens gemacht haben. Gerne weiter so. 

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Absolut fantastischer Konzertabend, der kaum überboten werden kann