Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

Dark Suns: Grave Human Genuine

Ein intensives Manifest progressiver Düsterkunst
Wertung: 9/10
Genre: Progressive Death Metal
Spielzeit: 58:6
Release: 22.02.2008
Label: Prophecy Productions

Infolge ihrer ausgedehnten Touraktivitäten als Support-Act für Pain Of Salvation galten Dark Suns als die hoffnungsvollste, nationale Prog-Metal-Band überhaupt, und eigentlich war es nur eine Frage der Zeit, bis die großen Labels eben jenen Umstand ebenfalls zur Kenntnis nehmen und die band verpflichten würden. Doch leider geschah erst einmal gar nichts; das Trio nahm sich zwar keine richtige Auszeit, beugte aber auch jeglichem Schnellschuss vor, was andererseits aber wieder zur Folge hat, dass die einstige Euphorie nicht mehr ganz so immens ist.

Dennoch, man durfte sich freuen auf den neuen Longplayer, immerhin den ersten in vier Jahren, vielleicht aber auch dem schwersten in der Laufbahn der Deutschen. Und entsprechend schwerfällig gestaltet sich „Grave Human Genuine“ zunächst auch. Die Musik ist noch viel sperriger als zuletzt auf „Existence“, der Gesamtklang nahezu ausnahmslos beklemmend und auch die melancholischen Melodien erfahren nicht mehr ganz diese süßliche Ausprägung, die man einst als die ersten griffigen Elemente parat hatte. Nanu, ein Rückschritt etwas?

Mitnichten, lautet hier die treffende Antwort! Die Band hat lediglich den Level ihres persönlichen Anspruchs noch einmal heraufgeschraubt, die Detaildichte in erheblich komplexere Arrangements gepackt und das ganze in eine Art düster-bedrückte Symphonie gepackt, durch deren wenige freizügige Lücken das Einschreiten ungleich schwerer ist. Bereits im „Stampede“, dem getragenen Intro, deutet sich an, was den Hörer in der nächsten Stunde erwarten wird, und was sich auch schon im anschließenden „Flies In Amber“ bestätigt: Die Band setzt auf Dramaturgie, verschachtelte Rhythmen, klingt aber dennoch nicht künstlich proggy, sondern aufgrund der Intensität der Keyboard/Gitarren-Melange immerzu zerbrechlich. Die Songs werden auf ganz zarten Harmonien getragen, mitunter von der steten Finsternis umfangen, und warten geradezu auf den emotionalen Ausbruch. Dieser folgt schließlich in „The Chameleon Defect“, einem ruhig starteten Epos, welches sich mit einem Mal lawinenartig in Gang setzt und mit hämmernden technoiden Beats für eine unverhoffte Überraschung sorgt.

Derlei aggressive Nuancen sind abgesehen von manchen Growl-Parts jedoch eher die Ausnahme. Der hauchdünne Rahmen, ja das spannungsgetriebene Korsett, in welches die drei Mannen ihre Songs eingepfercht haben, mag zwar phasenweise depressiv anmuten, ist aber in Sachen Atmosphäre ein mehrfacher Gänsehaut-Garant. Wenn Sänger Nico Knappe beispielsweise in „Papillon“ bei ganz dezenter Begleitung ins Mikro haucht, ist dies Kunst in Vollendung, geschweige denn von so manchem Gitarrenpart zu Anfang des Albums. Womöglich mag auch die Einbeziehung des schwedischen Bass-Gottes Kristoffer Gildenlöw hier einen großen Anteil gehabt haben, wenngleich sich seine Rhythmusarbeit hier doch recht scharf unterordnen muss. Eine Bereicherung ist der geschiedene Pain Of Salvation-Musiker aber allemal.

Eine Bereicherung – dies sind Dark Suns für die Szene bereits eine ganze Weile. Eine eben solche ist aber nun auch das vielleicht sogar intensivste Bandalbum, in dem man es zwar nicht schafft, die ewigen Opeth-Vergleiche abzuschütteln, indes aber auf anspruchsvollstem Niveau progressive, düstere Musik zelebriert. Aber davon abgesehen: Wer hat überhaupt schon die Ehre, mit Opeth in die Waagschale geworfen zu werden. Dies gebührt mitunter nur den kunstfertigsten Vertretern dieser Zunft – und dementsprechend natürlich auch Dark Suns!

comments powered by Disqus

Werkschau einer der größten und einflussreichsten Rockbands aller Zeiten

Wie mit einer Ex-Freundin

Willkommen in der Husumer Sauna