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Dark Fortress: Venereal Dawn

Kriechende Bedrohung
Wertung: 9/10
Genre: Progressive Black Metal
Spielzeit: 68:41
Release: 29.08.2014
Label: Century Media

Nach vier Jahren Schaffenspause legen die Black Metaller von Dark Fortress nun ihr insgesamt siebtes Album „Venereal Dawn“ vor. Bei diesem handelt es sich, nicht ganz unerwartet, erneut um ein Konzeptalbum. Die Geschichte des Albums spielt in einer postapokalyptischen Welt, in der der Niedergang der Menschheit bereits eingeläutet ist. Dabei konzentrieren sich Dark Fortress nicht nur auf den Untergang an sich, sondern geben auch einen tiefen Einblick in die Gefühlswelt des Protagonisten angesichts dieser aussichtslosen Situation.

Die ausgefeilte Hintergrundgeschichte wurde musikalisch sehr überzeugend umgesetzt. Die melodieträchtigen Songs werden von weitreichenden Klängen beherrscht, die dem Album nicht nur eine enorme Tiefe geben, sondern auch nachdenklich stimmen. Die Lieder sind auffallend gut durchdacht und entsprechend konzipiert. Wilde Instrumentenverstümmelung oder katzengleiches Gejammer sucht man hier – zum Glück – vergebens. Darüber hinaus bietet das Album viel Abwechslung, da kein Song dem anderen gleicht.

Der Grundton der Platte wird durch eine Bedrohung gebildet, die gerade durch ihre Ruhe eine enorme Bösartigkeit ausstrahlt. So setzen die Black Metaller bei Liedern wie „Venereal Dawn“ oder „Lloigor“ vor allem auf ruhige Sequenzen, die so bedrohlich und grausam wirken, dass sie dem Hörer dadurch regelrecht unter die Haut kriechen. Die unsauber zelebrierten Melodien und die kratzigen Vocals, die auf Schreien und Kreischen gänzlich verzichten, sind stimmig und verstärken diesen Effekt noch. Ein zweiter, wichtiger Punkt bei diesem Album ist Raffinesse. Progressive Melodien, Stilwechsel sowie der Gegensatz aus teils choralem oder orientalischem Sound und Black-Metal-Gitarren machen diese Scheibe unglaublich vielschichtig und interessant. Dass sich Dark Fortress dabei auch von den progressiven Death-Alben von Opeth haben beeinflussen lassen, lässt sich vor allem bei „Lloigor“ kaum abstreiten.

Nur bei den Songs „Betrayal And Vengeance“ und „Luciform“ lassen Dark Fortress qualitativ etwas nach. Beide Songs wirken vergleichsweise „nur“ solide. Aber auch die harten Klänge des Black Metals gehen auf „Venereal Dawn“ nicht verloren. „I Am The Jigsaw Of A Man God“ und „Odem“ zeigen sich in klassischer Black-Metal-Manier mit klirrenden Gitarren, Doublebass, krächzenden Vocals und schnellem Tempo. Und auch hier verfallen sie nicht in maschinengewehrartiges, hirnloses Geschmetter, sondern halten bis zum Schluss an ihrer abwechslungsreichen und wohl überlegten Liedstruktur fest. Eine Kunst, die man bei vielen Black-Metal-Bands vergeblich sucht.

Fazit: „Venereal Dawn“ ist ein vielversprechendes Album, was keine andere Genre-Bezeichnung als „Progressive Black Metal“ verdient, da dieses Genre hier voll und ganz ausgefüllt wird. Gleichzeitig beweisen Dark Fortess, dass Black Metal weder schnell noch knüppelhart sein muss, um Niedertracht, Weltuntergang und Verderbnis hörbar zu machen. Gerade ihre Fähigkeit, abwechslungsreiche Songs mit Sinn und Verstand zu konzipieren, hebt Dark Fortress von den meisten Bands ab, die sich zwar „Black Metal“ nennen, aber doch nur „Maschinengewehr“ können. Ein musikalisches Aufatmen, das seinesgleichen sucht.

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