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Dark Fortress: Spectres From The Old World

Pflichtkauf für jeden, der auf progressiv angehauchten Black Metal steht
Wertung: 9/10
Genre: Black Metal
Spielzeit: 58:12
Release: 28.02.2020
Label: Century Media

Sechs Jahre ist das letzte Studioalbum „Venereal Dawn“ schon wieder alt – ganz so schnell wie früher, als Dark Fortress noch alle zwei Jahre ein Album nach dem anderen raushauten, sind die Landshuter inzwischen nicht mehr, aber die Mitglieder haben mittlerweile eben auch noch andere Projekte am Laufen, die Zeit erfordern. Vor allem V. Santura, der neben seiner Tätigkeit als Gitarrist bei den Bayern auch als Produzent und Engineer fungiert, ist natürlich bekannt für sein Engagement bei Tom G. Warriors Triptykon, bei denen man ja auch schon mit Spannung auf ein neues Album wartet.

Spannend wird es in jedem Fall auch stets, wenn Dark Fortress eine neue Platte herausbringen, nach solch langer Wartezeit umso mehr. Es dürfte unbestritten sein, dass die Truppe längst zur Speerspitze des deutschen Black Metal gehört und eine der interessantesten heimischen Bands der Szene darstellt. Und das achte Werk „Spectres From The Old World“ reiht sich nahtlos in die Riege starker Alben der Süddeutschen ein; etwas kürzer als der 2014er Brocken „Venereal Dawn“, wird diesmal auf überlange Epen von elf Minuten Länge, die damals die Tracklist einrahmten, verzichtet, und insgesamt etwas kompakter vorgegangen.

Auffällig zeigt sich hierbei, dass die Formation in der ersten Hälfte der Scheibe alles in allem eher klassisch agiert und in der zweiten etwas experimenteller, stilistisch offener zu Werke geht. Songs wie „Coalescence“ (eingeleitet vom Intro „Nascence“; beide Stücke sieht V. Santura im Übrigen eigentlich als einen ganzen Song), das Titelstück oder das grandiose „Pazuzu“ brechen wie ein Inferno über den Hörer herein – schnell und aggressiv ist hier die Devise. Dabei gelingt es der Band trotzdem, das Gemetzel mit unterschwelligen Melodien zu garnieren und nebenbei beinahe unverschämt eingängig zu tönen, was insbesondere für „Coalescence“ gilt, das schon nach dem ersten Durchgang reinläuft; der wuchtige Sound und die Blastbeats sorgen jedoch dafür, dass trotzdem kein Jota an Härte eingebüßt wird.

Dazwischen gebettet findet sich mit „Pali Aike“ eine schleppende, aber äußerst hymnische Nummer, die mit saftigem Groove daherkommt und mit ihren schneidenden, einprägsamen Gitarren im Refrain den wohl eindeutigsten Ohrwurm des Albums markiert. Sehr geil und auf kommenden Konzerten sicherlich der Fistraiser schlechthin. Auch bei „The Spider In The Web“ wird das Gaspedal nicht bis zum Anschlag durchgetreten, vielmehr liegt hier eine sich im majestätischen Midtempo befindliche Komposition vor, die im Chorus sogar rockige Anleihen aufweist, und auch für auflockernde, ebenso überraschend wie clever platzierte ruhige Passagen mit cleanen Gitarren ist Platz.

Die zweite Hälfte der Platte wird mit dem garstigen, düsteren, durchaus Triptykon-Einflüsse aufweisenden Stampfer „Isa“ eingeleitet, bei dem es sich nicht etwa um ein Enslaved-Cover handelt, sondern ein Stück mit tiefgelegten Klampfen und äußerst bedrohlicher Grundstimmung, das sich zwar mit fiesen Riffs sehr finster durch die Botanik fräst, gleichzeitig jedoch schöne harmonische Wendungen und zwei großartige Gitarrensoli zu bieten hat. Hier ist bereits mehr Cleangesang als im ersten Teil von „Spectres From The Old World“ zu hören, dies wird in der Folge fortgesetzt: Beim recht kurzen „Pulling At Threads“ wird zwar zunächst wieder mit ordentlich Speed losgebrettert, das Ganze zwischendurch dennoch mit melodischen, clean intonierten Passagen kontrastiert.

Sehr eingängig gibt sich die Band erneut im zwischen Unruhe und marschierendem Groove pendelnden „In Deepest Time“ – der klar gesungene Refrain hebt sich von der galligen Strophe deutlich ab und funktioniert doch erstaunlich gut, während die Bayern im letzten „richtigen“ Lied „Swan Song“ meisterlich so ziemlich alle Eigenschaften vereinen, die sie auszeichnen: Groove, Geschwindigkeit, Melodik, Bösartigkeit, Atmosphäre. Hervorheben muss man hier vor allem die schaurig-schönen Chöre im Refrain. Beschlossen wird das Album dann mit „Nox Irae“ („Nächte des Zorns“), einem hypnotischen Instrumental mit walzendem Riffing, dissonanten Chören und glockenartigen Sounds – klingt fast nach einem vertonten Ritual oder wenigstens einer düsteren Zeremonie, in jedem Fall ein verstörender, aber doch passender Abschluss einer beeindruckenden Scheibe.

Denn nichts anderes ist dieser Langspieler: Beeindruckend von vorne bis hinten. Derart kompromisslos und aggressiv, dabei jedoch gleichsam eingängig und melodisch vorzugehen, schaffen im Schwarzwurzelbereich in dieser Form und auf diesem Niveau wohl nur noch die Schweden von Naglfar, die, nebenbei bemerkt, ja in diesem Jahr ebenfalls endlich eine neue Platte veröffentlichen wollen. Ein ebenso intelligentes wie spannendes Album voller toller Einfälle, klasse produziert, handwerklich natürlich eh stark und bei allem Facettenreichtum in sich stimmig. Pflichtkauf für jeden, der auf progressiv angehauchten Black Metal steht.

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