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Danzig: Deth Red Sabaoth

Die Selbstinszenierung geht weiter
Wertung: 7.5/10
Genre: Heavy Metal, Dark Metal
Spielzeit: 52:07
Release: 25.06.2010
Label: AFM Records

Es gibt durchaus einige Musiker, die weniger durch ihre musikalischen Aktivitäten, als vielmehr durch eine Serie an lächerlichen bis bizarren Exzessen auf sich aufmerksam machen. Axl Rose ist beispielsweise so einer – der Guns’N’Roses-Schreihals schaffte es seinerzeit, sich ein Sofa auf die Bühne bringen zu lassen und dort streikenderweise die Zeit abzusitzen, bis seine bestellte Pizza auftauchte – vor all seinen wartenden Fans, versteht sich. Glenn Danzig eilt ein ebensolcher Ruf voraus. Als Sänger von Danzig, Samhain und den Horrorpunks Misfits macht der Mann sich seit Ende der Siebziger Jahre zumindest in musikalischer Hinsicht einen Namen, doch auch abseits der Bühne blieb er in den Schlagzeilen, nicht zuletzt durch diverse Schlägereien (man erinnere sich nur an die eher komische Begegnung mit North Side Kings-Fronter Danny Marianinho, bei der Danzig ordentlich Prügel bezog und schlussendlich k.o. ging) oder aber durch die Diskussionen über seinen angeblichen satanistischen Glauben, den er bis heute bestreitet.

Unfreiwillige Lacher dürfte Danzig die letzten Jahrzehnte einige geerntet haben, spielt er doch mit den Klischees des langhaarigen, muskelbepackten Düstermannes wie kein anderer und übertreibt dabei teilweise dermaßen, dass man sich tatsächlich fragen muss, ob er sich selbst überhaupt noch ernst nehmen kann. Immerhin hat der Amerikaner sich zwischenzeitlich von seiner recht merkwürdigen Art, seine Alben zu betiteln verabschiedet, erschienen die Danzig-Platten doch unter den Namen „Danzig I“ bis „III“, „Danzig 4p“, Danzig 5“, Danzig 6:66“ und „Danzig 7:77“ – dass einem da vor lauter Begeisterung nicht gerade die Haare zu Berge stehen, dürfte selbst dem selbsternannten Satan’s Child klar sein. Andererseits kann man das vielleicht als eine Reihe von Konzeptalben bezeichnen, wenn man so will.

Mit „Deth Red Sabaoth“ steht nun jedenfalls das mittlerweise neunte Studioalbum in den Startlöchern und wie man hätte erwarten können, lässt es sich relativ schwer in eine Schublade stecken – kein Wunder, experimentierte Danzig doch in der Vergangenheit fröhlich mit einer ganzen Palette an Stilen von Horrorpunk über Classic Metal bis hin zu Industrial Metal; selbst vor Blues machte er nicht Halt. Ebenso kurios wie seine musikalische Vergangenheit startet auch das neue Album: „Hammer Of The Gods“ erinnert vom Titel her an die Power Metaller Manowar, das bleibt aber glücklicherweise die einzige Gemeinsamkeit mit den lederbeschürzten Muskelprotzen, denn das Stück geht mit treibenden Gitarren ganz gut voran, und auch der Refrain ist, trotz der sehr merkwürdigen Tonlage, recht einprägsam.

Relativ klassisch und mit erdigen Gitarren kommt „The Revengeful“ daher, im Gegensatz dazu lässt sich „Black Candy“ wie eine Mischung aus Düsterromantik und dem südländischen Einschlag von Tito & Tarantula an – ein Song wie geschaffen für einen Tarantino-Film. Mit einer gelegentlich eingestreuten Doublebass wirkt der Song noch düsterer, noch dramatischer und setzt damit ganz klar einen Akzent auf der bisher eher soliden Platte. Die Vorabsingle „On A Wicked Night“ dürfte hinlänglich bekannt sein, gab sie doch bereits einen Vorgeschmack auf die Platte – eine tanzbare Akustikgitarre und ruhiger Gesang zeichnen ein recht ungewohntes Bild von Danzig, doch schon im Refrain erkennt man den Ami eindeutig wieder.

Das mittelalterlich anmutende „Pyre Of Souls Pt. I: Incanticle“ bildet den Auftakt für „Pt. II: Season Of Pain“, das mit über sieben Minuten den längsten Track der ganzen Platte darstellt und neben dem gewohnt pathetischen Gesang Danzigs auch mit einem ausuferndem Gitarrensolo aufwartet, in dem bestimmt zwanzigmal die Tonart und achtmal das Tempo gewechselt wird, bevor der Meister wieder zu Wort kommt.

Nach dem Genuss von „Deth Red Sabaoth“ muss man sich erstmal den Schweiß von der Stirn wischen, einen Schnaps kippen und dann in Ruhe über das Gehörte nachdenken. Glenn Danzig kann definitiv einiges, und das zeigt er auch ganz unverfroren – vermutlich kommt daher sein Ruf, ein wenig großkotzig aufzutreten. Die neue Platte des Meisters ist jedenfalls ein gutes Stück Danzig’sche Geschichte, der ein oder andere Knaller sticht ebenfalls heraus, alles in allem also ein Album, das man sich gerne öfter anhören darf, obwohl Herr Danzig und ich wohl nie hundertprozentig Freunde werden.

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