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Dante: When We Were Beautiful

Dem richtigen Weg fehlt noch der letzte Pfiff
Wertung: 7/10
Genre: Progressive Rock / Progressive Metal
Spielzeit: 63:55
Release: 18.03.2016
Label: Gentle Of Art Music

Eigentlich war man Anfang 2013 wohl fast schon so weit, Dante zu Grabe zu tragen, da mit dem Tod von Gitarrist und Bassist Markus Berger gleich auch der kreative Kopf, der ja schon bei den Liveshows nicht mehr mitmachen konnte, den Weg alles Irdischen ging. Doch anstatt den Kopf in den Sand zu stecken und sich vom ohnmächtigen Gefühl des eh nicht zu ersetzenden Verlustes abschrecken zu lassen, wird lieber die ganze innere Energie in das Schreiben neuer Songs gesetzt – und wo man nun Melancholie, gar Schwermut erwartet, da schlagen die Augsburger auch hier allen Erwartungen ein Schnippchen und progrocken konzentriert zum vierten Full-Length-Output.

„When We Were Beautiful“ lenkt in erster Linie nicht gerade auf den ersten Blick auf die Verarbeitung des Verlustes, zumal gerade im Zusammenhang mit dem Coverartwork – Frauenmaurerritze und wallende Mähne – der lyrische Erguss sich vielmehr auf Schmusekurs zu befinden scheint. Doch weit gefehlt, Dante haben ganz sicher auch den einen oder anderen fein ziseliert ruhigen Part im Gepäck, aber oftmals braten die Gitarren auch unerwartet heftig, wobei man immer wieder an Savatage über Dream Theater bis David Bowie erinnert wird.

Allein schon bei der Spiellänge der Songs weiß man sofort, dass hier nicht easy listening mal so eben nebenbei angesagt ist, da muss man seine Konzentrationskappe schon zwischen neun und 14 Minuten einstellen. Das zählt auch für den Anspieltipp „Ambitious“, wo schwere Riffattacken auf leichte 70er inspirierte Keyboard-Passagen prallen, Frontmann Alexander einen Oliva-Gedächtnis-Gesang kredenzt und auch wenn dies alles auf das erste Hören des mehr als neun Minuten langen Stücks zerfasert wirkt, gewinnt man doch immer wieder den Eindruck, dass hier doch alles am richtigen Platz ist. Ein bisschen mehr Industrial und schon würden sie in The Young Gods-Gewässern fischen, dafür sorgt die schräge Gitarren- und Basskombination im Mittelpart, welche von den spacigen Keyboards untermauert wird; am Ende stiften mäandernde Gitarrenwände Verwirrung, ein kurzer Pianopart aber sorgt wieder für eine vordergründige Auflockerung, bis einmal mehr die schweren Gitarren für den notwendigen Gegendruck verantwortlich sind.

Abwechslung wird hier wirklich richtig groß geschrieben, nur das vergangenheitsbewältigende „Sad Today“ schnarcht klavierbetont mit zweistimmigem Gesang seinem Ende entgegen und geht wohl auch kompositorisch am ehesten hörbar als trauerbewältigende Nummer durch. Während der ruhige Start in „Until The Last Light Breakes In“ für Savatage-Assoziationen sorgt, so nehmen Dante nach gut der Hälfte der fast elf Minuten mehr Fahrt auf, setzen mit erneut abgedrehten Keyboard-Einsprengseln und einem herrlichen Gitarrensolo Akzente, geben mit dem Piano das Leitthema vor, was locker von der Klampfe aufgegriffen wird, nehmen noch immer weiter an Härte zu, wirken immer mehr ein bisschen abgedrehter und spielen sich förmlich in einen solistischen Rausch, bis sie unvermittelt wieder zu den ruhigen Sequenzen zurückfinden.

Während in „Beautiful Again“ Dante anscheinend ihre poppige Ader ausleben und im nächsten Moment mit breitbeinig bratenden Gitarren und wabernden Eletrosamples aufwarten, so sorgt Alexander in „Let Me Down“ zwar vordergründig durch aggressiveren Gesang für ein erstauntes Oha, allerdings kommen sie im Refrain über die Melodic-Rock-Seichtheit nicht hinaus. Da sorgt doch lieber der gelungene Opener „Rearrangement Of The Gods“ mit seinen schweren Prog-Riffs, die sich in Kokurrenz zur melodischen Leadklampfe befinden, für einen deutlich nachhaltigeren Eindruck, auch wenn Sänger Alexander mit eher gesanglicher Ernüchterung die Bilanz trübt.

Prog-Fans haben mit „When We Were Beautiful“ sicherlich ein wertiges Gegenstück für die hart verdiente Kohle, nicht so ganz ausbalancierte Feingeister werden sich an den teilweise etwas abgedrehten Sounds schnell verschlucken. Insgesamt drängt sich aber auch der Eindruck auf, dass da noch mehr drin gewesen wäre, da fehlt der wirklich letzte Pfiff, vielleicht der proggige Ohrwurm, den man trotz aller Vertrackheit nicht mehr aus der Birne bekommt – da haben eben Fates Warning, Dream Theater & Co. dann doch noch die Nase vorn.

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