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Daniel Lioneye: Vol. II

Durchgeknallter Psychedelic-Krach
Wertung: 3.5/10
Genre: Psychedelic/Black Metal/Metalcore
Spielzeit: 34:18
Release: 18.06.2010
Label: The End Records

„Klingen die wie HIM?“ Diese Frage wird wohl vielen spontan als erstes in den Kopf schießen, wenn sie vom ersten Mal von Daniel Lioneye hören. Diese Frage hat auch durchaus ihre Berechtigung, wenn man sich das Line-Up betrachtet. Zwei der drei Mitglieder von Daniel Lioneye sind Linde und Burton, die bei HIM an Gitarre und Bass zu finden sind. Im Gegensatz zum letzten Album „The King Of Rock ’n’ Roll“ wird Ville Valo dieses Mal aber nicht wieder an den Drums zu hören sein. Diese Aufgabe übernahm diesmal Bolton von Enochian Cresent.

Aber wie berechtigt diese Frage nach ihrem Klang auch ist, so schwierig ist sie auch zu beantworten. HIM? Eigentlich klingen sie nicht wie HIM, aber einige Passagen lassen an die Band erinnern. Daniel Lioneye selber klingen auf „Vol. II“ aber eher wie alles und nichts. So fällt es auch zunehmend schwer, sie in ein Genre einzuordnen. Jedes Lied klingt anders und streift zusätzlich immer gleich mehrere Genres auf einmal. Das ist auch der Grund, warum man dieses Album auch als so unstet empfindet.

Linde, Bandleader von Daniel Lioneye, gab zu diesem Thema an, mit dieser Band Grenzen brechen zu wollen und das hat er auch geschafft, denn diese CD sprengt jede bekannte Genregrenze, aber ob diese absolute „Freiheit“ dann auch noch gut klingt ist eine andere Frage.

Gleich mit dem ersten Song räumen Daniel Lioneye richtig auf und erfreuen mit einem heftigen, wenn auch maßlos überzogenem Metalcore-Song, der erst einmal jede Erwartung in Sachen Geschwindigkeit übertrifft. Durchzogen wird das alles von einem eigentümlichen Gitarren-Solo, bevor das Lied abrupt abbricht. Danach wird es allerdings sehr chaotisch. Während die Geschwindigkeit weiterhin den Speed Metal suggeriert, klingen die derben Vocals eher nach Kreischen aus der Black Metal-Sparte. Darüber hinaus binden Daniel Lioneye auch immer wieder cleane Vocals mit ein, die sehr dumpf klingen. Als besonderen Bonus wird man mit einer Fülle an Synthesizer-Geräuschen zugeschüttet, die von Autohupen bis zum nervigen Piepen eines Herzfrequenz-Messgerätes reichen.

Hat man dies erst einmal überstanden kommen Death Metal-Songs mit dem typischen Kreischen und den cleanen Vocals, die bereits aus dem zweiten Track „Flatlined“ bekannt sind. Zusätzlich enthält aber das Lied „Neolithic Way” noch orientalisch angehauchte Melodien und typisch melancholischen aber auch verzerrten cleanen Gesang á la HIM.

„I Saw Myself” ist wiederum irgendwas zwischen Dark Metal, Störgeräuschen und HIM. Das Lied „The Mentat” klingt da schon viel solider – jedenfalls für die ersten drei Sekunden. Neben der wirklich schön durchgreifenden Dark-Death-Metal-Basis ist auch hier mal wieder irgendwas Eigentümliches eingebaut worden, bevor es in einem heillos nervtötenden, immer lauter werdenden Störrauschen sein Ende findet. War das wirklich eine Triangel am Anfang?

Hat man das Album bis hierin überstanden, ist man auch schon beim einzigen vernünftigen Lied angelangt: „I Have Never Wanted To Be Number One“. Obwohl dieser Dark Metal nicht jedermanns Geschmack treffen wird, ist er in sich durchaus stimmig. Zum ersten Mal beweist „Vol. II“ Konzept und man freut sich geradezu wie ein kleines Kind, dass man während dieses Albums auch noch mal Musik zu hören bekommt. Auch wenn dieses Album nur rund 34 Minuten lang ist, eine halbe Stunde wildes Geballer mit Störgeräuschen verlangt schon ziemliches Durchhaltevermögen und geht bei diesem Album mit Ohrenschmerzen einher, die ihren absoluten Höhepunkt bei „Who Turned The Lights Out“ finden. Dieser Song bietet so viel Krach, dass man herzlich gerne skippt. Dank an die Hersteller meines CD-Players für diese Taste!

Alles in allem ist dieses Album sehr eigen und das darf Daniel Lioneye auch zugesprochen werden, nur springt diese Band auf „Vol.II“ viel zu oft zwischen den Stilen hin und her, die einfach nicht zusammen passen wollen. Zudem bedienen sich geradezu inflationär in der Kiste für unsinnige „Instrumente“ mit möglichst nervigem Sound. Passend dazu werden diese auch noch so unrhythmisch eingestreut, dass fast jeder Song von einem konsequenten roten Faden aus Krach durchzogen wird. Wenigstens da haben sie wohl ein Konzept.

Eines darf man aber nicht falsch verstehen: Die Jungs beherrschen durchaus ihre Instrumente und legen auch beeindruckende Passagen hin, die einiges an Fertigkeiten abverlangen; was allerdings dieser Drang soll, auf Teufel komm raus „Grenzen zu brechen“ bleibt schleierhaft.

Wer weiß, vielleicht werden einige Fans von abstrusen Neuschöpfungen daran sogar gefallen finden, für meinen CD-Player war das allerdings das erste und letzte Mal. 

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