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Daniel Cavanagh: Monochrome

Viele Emotionen, aber auch einiges an Leerlauf
Wertung: 6/10
Genre: Art Rock / Acoustic
Spielzeit: 48:10
Release: 13.10.2017
Label: Kscope

Vor wenigen Monaten erst veröffentlichten Anathema ihr neues Album „The Optimist“, das zumindest beim Rezensenten wenig Begeisterung hervorrief. Die ewig gleichen Kompositionsschemata haben sich inzwischen derart abgenutzt, dass der Großteil des Materials ohne wirklich Emotionen anzusprechen nichtssagend vor sich hinplätscherte. Wenn dann rund ein Vierteljahr später Hauptsongwriter Daniel Cavanagh sein neues Soloalbum „Monochrome“ ankündigt, so gibt dies angesichts des höchstens durchwachsenen letzten Anathema-Outputs nicht unbedingt großen Anlass zur Hoffnung auf eine starke Platte.

Andererseits sollte man sich von solchen Eindrücken ja nicht blenden lassen, viele Musiker machen schließlich gerade deswegen Soloalben, da sie dort ganz andere kreative Freiheiten genießen können als bei ihrer Hauptband, der stets eine gewisse Erwartungshaltung zugrunde liegt. Ein Soloalbum sollte eigentlich ja den Zweck erfüllen, Wege zu gehen und sich in einer Weise auszudrücken, wie es im Bandkontext unter Umständen nicht möglich ist. Wer allerdings glaubt, Danny Cavanagh würde mit „Monochrome“ diesen Weg verfolgen, sieht sich getäuscht. Der Brite hat sogar selbst eingeräumt, dass so mancher Song problemlos auf der letzten Anathema-Platte hätte landen können oder auf einer in der Zukunft. Jene Songs seien jedoch zu persönlich, um sie nicht solo zu veröffentlichen.

Diese Einschätzung untermauert gleich der Opener „The Exorcist“, der sich als intensiver erweist als sämtliche Stücke auf „The Optimist“. Auch glänzt Daniel hier mit einer überraschend starken Gesangsleistung – die recht hohen Töne im Refrain stellen ihn jedenfalls offenbar nicht vor große Schwierigkeiten. Anscheinend hat er hier noch mal nachhaltig an sich gearbeitet, auch wenn sein jüngerer Bruder Vincent diesbezüglich für meine Begriffe immer noch die Nase vorn hat.

Ein gelungener Beginn also, blöd nur, dass der beste Track somit schon am Anfang verwurstet wird. Im Folgenden tischt der Gitarrist und Sänger Material auf, das zwar sehr ehrlich anmutet und dank seiner Melancholie und Instrumentierung viele berührende Momente bereithält, auf der anderen Seite jedoch hier und da auch durch Leerlauf krankt – monoton statt monochrom, heißt das Credo da eher.

Dass das Dargebotene streckenweise stark an Anathema erinnert, ist ohnehin mitunter problematisch, denn was ist sinnloser als Soloalben, die genau wie die Hauptband klingen? Das quasi omnipräsente Klavier verleiht dem Ganzen aber doch noch einen etwas eigenständigeren Charakter und insgesamt ist „Monochrome“ noch ruhiger gehalten als die letzten Anathema-Werke. Was dummerweise wiederum dazu führt, dass es manchmal einfach öde wird – Songs wie „Oceans Of Time“ oder „Some Dreams Come True“ sind sicher irgendwo hübsch, aber doch viel zu lang und vor allem zu esoterisch. Da drohen einem dann schon die Füße einzuschlafen, da hilft nicht mal Anneke van Giersbergen, die mal wieder als Gastsängerin auftritt, und ihre göttliche Stimme.

„The Silent Flight Of The Raven Winged Hours“ hingegen ist nicht nur von der Bezeichnung her, sondern mit seinen neun Minuten auch zeitlich der längste Titel – trotzdem besitzt das Stück so unter die Haut gehende, geradezu beklemmende Momente und dazu noch ein beeindruckend filigranes Pianointro, dass es auf jeden Fall zur Gewinnerseite zu zählen ist. „Soho“ wiederum (die meisten werden es wissen: ein Stadtteil von London) weist exakt die Eigenschaften auf, wegen derer Anathema zuletzt auch Kritik einstecken mussten: Ein simples Thema, das sich stetig wiederholt und steigert, um dann wieder abzuebben.

Das ist einfach nicht kreativ, sondern vorhersehbar und irgendwann echt nervig. So bleibt auch hier ein zwiespältiger Eindruck zurück. Klar, die Scheibe ist klasse produziert, klingt exzellent, die instrumentalen wie gesanglichen Performances sind tadellos, die schmeichelnden Geigeneinschübe von Gastmusikerin Anna Phoebe voller Schönheit, und dass Cavanagh es mit sämtlichen Kompositionen ehrlich meint, braucht man kaum in Zweifel zu ziehen, aber die ebenso vorhandenen Schwächen kann all dies nicht kaschieren. Besser als das letzte Album der Kirchgebannten, aber nur bedingt geeignet, um mit voller Aufmerksamkeit zuzuhören. Als Hintergrundmusik für romantische Zweisamkeit jedoch sicher ideal.

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