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Damnation Defaced: The Infernal Tremor

Steigerung im Vergleich zum Debüt
Wertung: 7/10
Genre: Death Metal
Spielzeit: 42:39
Release: 27.02.2015
Label: Kernkraftritter Records

Weit über vier Jahre hat es gedauert, bis Damnation Defaced endlich mit dem Nachfolger zu ihrem 2010er Debüt „Beyond The Pale“ um die Ecke gekommen sind. Die damalige Scheibe hatte auf jeden Fall Potenzial erkennen lassen; vor allem in technischer Hinsicht haben die Jungs aus Celle echt was drauf und das Songwriting war ebenfalls auf gutklassigem Niveau. Allerdings litt die Platte unter einer unterdurchschnittlichen Produktion und einem schwachen Frontmann. Philipp Bischoff ist auch immer noch dabei, doch dazu später.

Zunächst einmal stellt sich die Frage, was die Band in einer so langen Zeit zustande bekommen und wie sie sich weiterentwickelt hat. Von „mehr Eingängigkeit“ und „Fokussierung auf das Wesentliche“, sprich „fetten Songs, die beim ersten Hören sofort ins Ohr gehen“, ist auf dem Promo-Waschzettel die Rede und tatsächlich kann man dies ziemlich schnell unterstreichen. Das Progressive wurde etwas zurückgenommen (so gibt es diesmal auch keine überlange Nummer à la „They Sow The Wind And Reap The Storm“), wobei man trotzdem noch auf dynamische Tempo- und Stimmungswechsel setzt, um Abwechslung zu bieten – dennoch hat sich das Quintett schon deutlicher darauf fixiert, catchy Melodien an den Mann bzw. die Frau zu bringen.

Letzteres gilt vor allem für „Panacea“, das ausschließlich im Midtempo-Bereich angesiedelt ist und sich als wahrer Ohrwurm entpuppt. Der Chorus kommt schon recht hymnisch daher und besitzt somit beste Voraussetzungen, live ordentlich Powerfaust-Alarm auszulösen. Die dezenten elektronischen Einsprengsel wirken hierbei bereichernd und sind keineswegs störend, geben dem Ganzen eher einen modernen Touch. Zwar kommt einem wie bereits bei früheren Outputs der Truppe auch gleich wieder Göteborg in den Sinn, aber insgesamt ist dies inzwischen längst nur einer von mehreren Einflüssen und nicht die bestimmende Komponente.

Alles in allem verstehen es die Niedersachsen nämlich wirklich gut, unaufgesetzt brutale Hochgeschwindigkeitspassagen mit Melodien zu kreuzen. So werden einem nach dem kurzen Intro „First Convulsion“, bei dem immer wieder bedrohliche Hörner erklingen, die einen glatt denken lassen, dass hier gleich eine „Herr der Ringe“-mäßige Schlacht losbrechen wird, beim folgenden Titelstück umgehend Blastbeats durch die Rübe gepustet – dennoch ist in der Mitte auch Platz für eine ruhigere Sequenz, die einen schönen Twingitarren-Part einleitet. Von denen finden sich auf „The Infernal Tremor“ noch so manche, genauso wie generell effektiv platzierte melodische Leadgitarren, was die kompositorischen Ambitionen der Jungs nur unterstreicht. Aber wenn man sich fast fünf Jahre Zeit lässt für ein neues Album, macht man sich natürlich auch Gedanken über jedes kleine Detail.

Im Allgemeinen jedoch will die Scheibe vor allem eines: dem Hörer eins überbraten. Songs wie das tierisch nach vorn peitschende „Magma“, das amtlich groovende „Demon Eater“, das ebenfalls mit dezenten Keyboards versehene, pfeilschnelle „Systems Rule Systems“ oder die trügerisch von melancholischen Cleangitarren eingeleitete Schlussnummer „The Blackening“ machen keine Gefangenen und zeigen durchaus, dass man im Hause Damnation Defaced definitiv einen Schritt nach vorne gemacht hat; die Verzahnung von Melodik und Härte, die Riffs und die Refrains flutschen einfach besser als bei den vorigen Veröffentlichungen, das handwerkliche Vermögen wird nicht protzig nach außen gekehrt, sondern zeigt sich eher unterschwellig und ist stets songdienlich eingesetzt. Auch in produktionstechnischer Hinsicht hat man sich verbessert.

Dass es dennoch nicht mehr als sieben Punkte geworden sind, liegt erneut an Sänger Philipp Bischoff. Zwar muss man konstatieren, dass auch er an sich gearbeitet hat und abwechslungsreicher als so mancher stumpf vor sich hin röhrender Death-Metal-Standardfronter agiert, auch ist er inzwischen etwas textverständlicher, aber sowohl die Growls als auch insbesondere die Shouts sind weiterhin stark ausbaufähig – irgendwie klingt das häufig immer noch relativ hölzern. Trotzdem ist „The Infernal Tremor“ eine absolut brauchbare Scheibe, mit der jeder Freund von Death Metal keinen Fehler begeht, wenn er mal reinhört.

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