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Dale Cooper Quartet And The Dictaphones: Metamanoir

Dark Jazz lebt!
Wertung: 8/10
Genre: Dark Ambient, Jazz, Experimental
Spielzeit: 60:15
Release: 25.11.2011
Label: Denovali Records

Manche Randphänomene der Musiklandschaft halten sich trotz eines geringen Interesses der breiteren Masse standhaft und bringen Künstler hervor, die konstant auf einem hohen Niveau ein solches Genre am Leben erhalten – die Rede ist in diesem Fall von Projekten wie The Kilimanjaro Darkjazz Ensemble, Bohren & der Club of Gore und Dale Cooper Quartet And The Dictaphones, die gerade dadurch, dass sie sich so schwer in gängige Kategorien einordnen lassen und doch gemeinsame Nenner aufweisen, eine gewisse Einheit bilden, die durch ihre Andersartigkeit ganz eigene Qualitäten mit sich bringt.

Egal ob man diese Musik nun als Darkjazz, Doomjazz oder wie auch immer bezeichnet, einige Konstanten ziehen sich durch die Werke nahezu aller mit diesem Genre assoziierten Bands: Düstere, experimentelle und zumeist elektronisch produzierte Klänge, ein gewisser Hang zu formlosen oder improvisierten Strukturen und eine Affinität zu den Filmen von David Lynch, mit denen auch das Dale Cooper Quartet und die als The Dictaphones bezeichnete Gruppe von Gastmusikern nicht nur durch ihren Namen verbunden ist. „Metamanoir“, das das zweite Album der Formation darstellt, mutet daher ebenfalls wie eine Art Soundtrack an, der auch ohne physische Bilder eine eigene Geschichte erzählt.

Eingewoben in unterschwellige Synthie-Flächen führen Bläser und einige Gastsänger einen Trip durch nächtliche Welten und zwielichtigen Nebel an, der den Hörer stets umhüllt und nur zwischenzeitlich von hellen Klängen gelichtet wird. Doch zunächst einmal bricht die Nacht sanft an, wenn in „Une Petit Cellier“ über dunklen Klangflächen die Klarinette eine ankündigende Melodie spielt, die den Hörer langsam in das Sounduniversum der Formation gleiten lässt. Was ihn dort erwartet, sind zumeist langsame, von seltsamer Dunkelheit durchzogene Kompositionen, die durch häufig repetitive Melodien verschiedensten Ursprungs bis zu einem gewissen Grade greifbar werden – in „Ma Insaisissable Abri “ geschieht dies beispielsweise in Form von polyphonem weiblichem Gesang, der gemeinsam mit sirenenhaften Bläsern und dem durchdringendem Bass eine hypnotische Wirkung entfaltet, während in „Le Implacable Gentilhommière“ eine rauchige Männerstimme und Trommeln den Weg zu einem Crescendo in der Mitte des Songs ebnen, bevor daraufhin weiche Synths und sublime Chöre samt einigen dezent angeschlagenen Gitarren die Stimmung verändern.

Die beiden überlangen Stücke „Eux Exquis Acrostole“ und „Mon Tragique Cartreuse“ hingegen fahren eine Vielzahl an unterschiedlichen Elementen auf, lassen die dichte Atmosphäre aber nichtsdestotrotz durchgängig bestehen. In ersterem Song wird das gemächliche, mysteriöse Ambiente in erster Linie von den zwei Sängern bestimmt, von denen anfangs der männliche Part lange das Steuer übernimmt, während die glockenklare Stimme der Gastsängerin zum Ende hin mit sanfter Klavierbegleitung für einen der einfühlsamsten Momente auf dem Album sorgt. „Mon Tragique Cartreuse“ hingegen lässt den Hörer in deutlich finsterere Sphären versinken, in denen verstörende Geräuschkulissen das Bild ebenso bestimmen wie orientalisch anmutende Melodien und Drone-artige Gitarren, zu denen sich später hoher Frauengesang gesellt.

Obgleich die Truppe ohnehin schon keinen allzu alltäglichen Stil pflegt, gibt es auch innerhalb von „Metamanoir“ einige Klangexperimente über die verschwommenen Genre-Grenzen hinaus. „Elle Agréable Rendez-Vous De Chasse“ erscheint so beinahe wie ein Shoegaze-Song und wartet mit wabernden Gitarren auf, die ein blasses Licht zwischen den restlichen Stücken aufleuchten lassen. „La Terrible Palais“ wiederum glänzt noch um einiges heller und schielt in Richtung Post Rock, erhält jedoch durch eine volle Bariton-Stimme erneut einen elegant-düsteren Unterton, der ihn geschickt dem Album anpasst. 

So bieten das Dale Cooper Quartet And The Dictaphones auf „Metamnoir“ ein stimmiges und atmosphärisch dichtes Hörerlebnis, das für Fans dieser Ausrichtung definitiv einen Kauf wert ist. Zwar reicht das Album der Band samt Gastmusikern noch nicht ganz an die Faszination der letzten Werke des Kilimanjaro Darkjazz Ensembles heran, beweist aber bereits jetzt einiges an Eigenständigkeit, was nicht zuletzt den fähigen Gastsängern zuzuschreiben ist, die das Geschehen immer wieder auflockern. Es scheint also, als sei diese kleine musikalische Nische dank Formationen wie dieser noch immer lebendig und vermag so weiterhin eine Anziehungskraft auf diejenigen auszuüben, die es genießen, sich in diese dämmrigen Klangwelten fallen zu lassen.

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