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Daemonia Nymphe: Krataia Asterope

Ein kleiner Tempel der Sinnesfreuden voll antiker Ästhetik
Wertung: 8/10
Genre: Mystic Folk
Spielzeit: 36:33
Release: 30.11.2007
Label: Prikosnovenie

Unter Kunstliebhabern und Literaten genoss die antike griechische Kultur beinah durchgängig eine riesige Fangemeinde. Legenden, Lehren, Lebensweisen bis hin zu Bauwerken nach griechischem Vorbild waren lange Zeit ganz stark im Trend und Altgriechisch war definitiv cooler als Amerikanisch. Doch hat gerade der Zweig der griechischen Kunst, welcher es durch seinen körperlosen, flüchtigen Zustand doch am nötigsten gehabt hätte, sich nicht bis in unsere Zeit kontinuierlicher Beliebtheit erfreuen dürfen.

Doch wenn auch die antike Musik als solche beinah verloren ist, bleibt immer noch dies starke Gerüst an Kultur, welches sie einst stützte. Mythische Themen und musiktheoretische Grundlagen sind durchgängig Bestandteil unserer Musik gewesen und einige der kolossalsten Meisterwerke entstanden im Geist der klassischen Antike. Dies jedoch ist nur eine Seite der Münze; jene kopflastige, rationelle Seite. Dem gegenüber steht die wilde, gefühlsbetonte Auslegung der Musik als bacchisches Ideal der ursprünglichen Lebenslust.

Die griechische Gruppe Daemonia Nymphe geht bei ihrer Interpretation antiker Musik wieder mehr diesen Weg, bringt nicht eine leblose Totenklage aus rekonstruierten Fetzen alter Melodien, sondern das zum Vorschein, was heute noch von dem riesigen Gerüst antiker Kultur greifbar und vor allem auch begreifbar ist: die sinnliche Atmosphäre voll ansprechender Ästhetik, die archaischen Instrumente, deren Klang allein schon eine fremde Welt verspricht und das Bewusstsein um die Gegenwart.

Denn so verlockende der sirenenhafte Ruf der Vergangenheit in unseren Ohren auch klingen mag, so vorsichtig muss man jedoch mit der Versuchung umgehen sich in ihr zu verlieren. Denn gerade durch die Verbindung der besten Teile einer jeden Zeit, die Fusion der herausragenden Teile einer jeden Kultur kann etwas entstehen, was durch seine facettenreiche Gestalt ein breites Publikum begeistern kann und dennoch immer individuell und innovativ bleibt.

Auf dem mittlerweile dritten Album der griechischen Gruppe wird wieder auf wunderbar schwelgerische Weise die Besinnlichkeit der Sinnlichkeit gegenübergestellt; getragene Stücke wechseln sich mit tänzerischen ab, wobei die mystisch-kultische Ästhetik immer die Grundlage für die kleinen Klangkunstwerke liefert. Entgegen dem starken Einfluss von Orient und Balkan schaffen es diese Griechen, einen sehr innovativen antik-griechischen Sound zu rekonstruieren, in dem auch antiken Tonarten zur Geltung kommen, der jedoch unter zu Hilfenahme heutiger Möglichkeiten den modernen Hörbedingungen angepasst wurde.

So hört man neben rekonstruierten antiken Instrumenten wie Lyra und Aulos auch sehr gefühlvoll ins Gesamtbild eingewobene E-Gitarren und natürlich so selten gehörte Instrumente wie das Cimbalom (zu deutsch Hackbrett) und eine leisere Variante des Dudelsacks, den man im Mittelmeerraum öfters antreffen kann. Überragend ist jedoch nicht nur die sorgfältig zusammengestellte Auswahl an passenden Instrumenten; speziell die sängerischen Leistungen lassen dies Album wie auch seine Vorgänger zu einem besonderen Erlebnis werden. Oftmals geben nicht weniger als zwei Stimmen ein monotones Grundgerüst, welches erweitert um ein Melodie- und ein Rhythmusinstrument die Basis für die Hauptstimmen gibt. Man wird also von einer ständig fließenden Stimmung mitgerissen, wie ein ahnungsloser Reisender, welcher dem Reiz der Nymphen verfallen, jenen in ihr Reich folgt.

Was aber muss man von einem Album wie diesem jetzt noch erwarten; welcher letzte Schritt wäre noch nötig gewesen, um ein Meisterwerk von überragender Vollkommenheit zu erschaffen, welches mit den gigantischen antiken Vorbildern mithalten kann?

Die Stimmung, die das Album erzeugt ist bezaubernd, doch verfliegt der Traum oft ebenso rasch wie er entstand, misst die gesamte Platte doch nur wenig mehr als eine halbe Stunde. Kaum dass ein Lied sich zu entfalten beginnt und eine musikalische Landschaft entsteht, ist es auch schon wieder vorbei und man wird mit dem Verlangen nach mehr zurückgelassen. Um dem raschen Alltag jedoch für eine Weile zu entfliehen, vielleicht bei einer Tasse Tee oder einem Glas Wein, liefert diese CD den perfekten Rahmen - ein kleiner Tempel der Sinnesfreuden voll antiker Ästhetik.

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