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Cypecore: Take The Consequence

Live und auf Platte eine Macht
Wertung: 9/10
Genre: Melodic Death Metal, Groove Metal
Spielzeit: 65:59
Release: 10.12.2010
Label: Twilight Zone Records

Cypecore aus der Nähe von Heidelberg sind mittlerweile sowas wie eine Institution in der lokalen Metalszene. Wenn die Jungs irgendwo aufspielen, gehört es zum guten Ton, sich direkt vor der Bühne zu postieren und wild mitzubangen – kein Wunder also, dass die Combo nach ihrem fulminanten Auftritt beim ersten Phoenix Festival letztes Jahr direkt den Summerbreeze-Newcomercontest für sich entscheiden und ihr Können auf der großen Bühne unter Beweis stellen konnte. Dass die Mischung aus Göteborger Schule à la In Flames, einem etwas sterilen Fear Factory-Touch und einem Hammergroove live zündet wie eine Bombe, dürfte klar sein, trotzdem war die Rezensentin etwas skeptisch was die Studioaufnahmen angeht. Oft genug freut man sich wie ein Schnitzel auf die Platte einer Band, die man live absolut großartig findet, nur um dann feststellen zu müssen, dass die Musik auf CD gebannt gar nicht mehr so toll daherkommt.

Ganz nebenbei bemerkt: Bei Cypecore ist diese Skepsis erfreulicherweise völlig fehl am Platz. Die Drums wummern genauso knallhart auf Platte wie im Livesektor, die beiden Gitarristen Nils und Christoph verbreiten ein unbeschreiblich düsteres Feeling, das den Zweitling „Take The Consequence“ zum perfekten Soundtrack für die Apokalypse macht, und Sänger Attila kreischt und growlt sich die Seele aus dem Leib, dass einem Metaller nur die Freundentränen in die Augen schießen können. Dabei wird auf derbe Mosheinsätze und Blastbeats genauso viel Wert gelegt wie auf hymnenhafte Refrains und melodische Einschübe. Langeweile kann hier kaum aufkommen, selbst wenn man sich die Platte (wie ich) zwei Tage lang in der Endlosschleife anhört.

Das Intro geht hier relativ schmucklos an einem vorbei, steigert aber live immer wieder die Nervosität ins Unermessliche, bevor dann „Values Of Life“ direkt losgroovt. Überhaupt ist „Groove“ ein Begriff, den der Fünfer sich aufs Fähnchen schreiben sollte – hier groovt es an allen Ecken und Enden und wer ruhig stehen bleibt, ist ein herzloser Klotz ohne irgendeine Form von musikalischem Gefühl. Abgesehen davon, dass die Haare sich hier schon von alleine verknoten, bietet der Song den ersten Ohrwurmrefrain der Platte mit einer simplen, aber wirkungsvollen Gitarrenspur im Hintergrund. „The Balance“ hat dann einen schweren Göteborger Schlag, vor allem die zeitweise fragilen Gitarrenparts erinnern an ruhigere In Flames-Stücke wie beispielsweise „Metaphor“, bevor dann wieder ordentlich Druck aufgebaut wird und der auditive Mosh in Bewegung gesetzt wird.

Absolut großartig gestaltet sich das mit teils geflüsterten, teils gegrowlten Vocals ausgestattete „Moment Of Impact“, das nicht nur eine Spur härter und tiefer in die Magengegend zu treten scheint als die bisherigen Songs, sondern auch noch mit einer sehr einprägsamen Gitarre daherkommt, die sich buchstäblich in den Hörgang gräbt. Live knallt der Track ja schon ordentlich, aber auf Platte kann man sich das Ganze natürlich noch eine Spur differenzierter zu Gemüte führen – genial!  

Es mag schon einigen Leuten aufgefallen sein: Mir fällt es wirklich schwer, hier einzelne Stücke hervorzuheben. Theoretisch könnte man beinah jeden Song auf „Take The Consequence“ als Anspieltipp anbieten, denn jeder einzelne Song – das Intro und Outro vielleicht einmal ausgenommen – hat entweder einen hammermäßigen Groove, der einen die Zimmereinrichtung zermoshen lässt, oder eine beinahe zu Tränen rührende Hookline, oder… Bei großartigen Tracks wie „Sick Sad Little World“ oder dem düster-einprägsamen „Torn Apart“ mit seinem Gänsehaut-Refrain kommt man einfach nicht drum herum, das Album im obersten Punktedrittel anzusiedeln. Das mag jetzt wie Arschkriecherei klingen, entspricht aber einfach nur der Wahrheit: Die Jungs sind großartig. Wer ein bisschen auf In Flames steht, wird sie lieben, und wer noch mehr Wert auf Groove und hörbare Spielfreude legt, der wird die Platte genauso auf Dauerrotation stellen wie ich.

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