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Cynicism: A Taste Of Hate

Der nächste Schritt
Wertung: 7.5/10
Genre: Metal
Spielzeit: 56:37
Release: 30.04.2008
Label: Eigenproduktion

Lang erwartet und mit Spannung herbeigesehnt, so oder so ähnlich kann man es wohl beschreiben, was ich in Bezug auf das aktuelle Cynicism Album „A Taste Of Hate“ gefühlt habe. Die Spannung war natürlich groß, nachdem S. (formely known as Lindwurm) in unserem Interview schon ankündigte, dass die nächste Veröffentlichung in eine andere musikalische Richtung gehen werde. Nach der doomlastigen Selbstzerstörungefühlsorgie auf „The Path Of Self-Sacrificing Destruction“ folgt also nun eine Abhandlung über das Thema Wut.

In gutem, recht agressiven Sound beginnt der Opener „A Taste Of Hate“ und schnell wird klar, dass S. nicht zuviel versprochen hat, dies klingt wirklich komplett anders als das Debut. Kräftiger Metal mit variabler Geschwindigkeit peitscht da aus den Lautsprechern. Nach einer gewissen Einhörphase beginnt der Schädel zu zucken und die Mundwinkel den Weg nach oben einzuschlagen. Ein wirklich drastischer Stilwechsel. Einzelne Parts haben richtigen Mitgröhlcharakter, auch wenn das Gesamtkonstrukt recht sperrig klingt.

„Clenched Fists“ dreht zu Beginn noch mehr auf und wirkt fast wie ein hektischer Wutausbruch, was sich ja auch gut mit dem Thema des Albums verbindet. Das Tempo legt sich mit der Zeit und spült eine gewisse unruhige, selbstzweiflerische Stimmung hoch. Weiterhin unglaublich, dass Cynicism ein Ein-Mann-Projekt ist. Musikalisch gibt es absolut nichts auszusetzen und das hohe Können mit vielen verschiedenen Melodien zu spielen, beherrscht S. wirklich sehr gut. Besonders der ruhig gehaltene Teil zum Ende des Mittelteils des Songs hat es mir gefühlmäßig richtig angetan. Nur wenige können so gut Gefühle transportieren. Lediglich der zu agressive, verzerrte Part will mir so gar nicht munden.

„Last Sin“ beginnt recht melodisch verspielt mit einer tollen Gitarre und richtig verträumtem Gesang, der mal wieder die Wandlungsfähigkeit des Meisters wiedergibt. Und irgendwie begibt man sich auf kurze Reise in die Ausweglosigkeit, die schon das erste Output wiederspiegelte. Sehr gelungen.

„Tempest“ hämmert dann nach kurzen Doomintro kräftig drauflos. Nicht ganz so gut wie beispielsweise der Opener, aber der mehr als gelungene Chorus, soweit man ihn so benennen will, schraubt den Qualitätslevel wieder richtig nach oben, trotz seiner Sperrigkeit. Das ist die große Kunst von S., er schafft es, selbst sperrige, schwer verdauliche Parts richtig wohltuend rüberzubringen.

„Unholy Solitude“ beginnt mit einem kurzen Sample aus dem Film „The Devil`s Reject“. Danach schleppt man sich im Midtempo daher. Insgesamt fällt der Song leider etwas ab, woran auch die gelungenen Vocals nichts ändern können. Die teilweise fast schon quietschenden Keyboardtöne stören leider etwas.

„Inside My Hell“ beginnt deutlich ruhiger und zeigt ein bisschen etwas von dem musikalischen Verständnis, welches S. uns darzulegen versucht. Eine fast schon ein wenig unwirklich wirkende Klangwelt zieht den geneigten Hörer tief in die Musik. Das Ganze nimmt dann aber einen fast schon radiotauglichen Verlauf. Dies allerdings, ohne irgendwie kommerziell oder schmalztriefend zu wirken, nein, das ist nun wirklich nicht Cynicisms Ding.

Mit einem einfachen, aber tollen Klavier beginnt „Dark Summit Of Pain“, bevor es dann im forcierten Herzschlagtakt etwas düsterer weiter geht. Es wird auf Flaschen getrommelt und der Song startet daraufhin so richtig. Leider gibt es hier aber mit den Geisterstimmen eine richtige Lustbremse. Schade, dass der gute Song dadurch derart ausgebremst wird.

„On The Hills (Interlude)” besteht aus einer sehr breiten Klangwelt, welche sich aber als ein gelungenes, ausgedehntes Intro für „When The Storm Is Near“ herausstellt. Der Song selbst hat eine gewisse Punk Attitude und zeigt uns wieder einmal ein Stückchen Hass. Auch wenn der Song hier richtig gut reinpasst, fließt er doch ein wenig an mir vorbei, da er mein Erinnerungszentrum nicht anspricht.

Das ändert sich dann leider bei „I Am Catastrophe“ auch nicht. Mit dem tiefen, fast gegrowlten Gesang bei der Nummer kann Cynicism nicht so recht punkten, die cleanen Passagen können allerdings auch nichts mehr retten.

Richtig poppig, discomäßig beginnt dann „Twist In My Sobriety“ Und ganz ehrlich, ich hab mir beim ersten Mal wirklich Gedanken um den Geisteszustand von S. gemacht. Aber das verfliegt sehr schnell beim Refrain. Hier wird direkt klar, dass es sich um ein Cover handelt. Der Song stammt von Tanita Tikaram und ist bereits 1988 erschienen. Unglaublich, was für einen Diamanten er aus dem Original geschliffen hat. Da muss man erstmal drauf kommen. Ein richtiger Höhepunkt. Während das Lied im Original seicht daher dümpelt, knallt es hier im Refrain gehörig.

„Conclusion“ ist dann eigentlich nur noch ein gelungenes Outro, welches Samples des Horrorfilms „The Exorcist III“ beinhaltet. Sehr stimmungsvoll, passt dieses Teil aber nur bedingt nach dem Song „Twist In My Sobriety“.

Fazit: Es ist schon beachtlich, wenn ein Musiker trotz eines Erfolges fast schon komplett neue Wege geht, aber genau das ist irgendwo das Problem. Mit „The Path Of Self-Sacrificing Destruction“ hat sich S. schon fast so etwas wie ein kleines Denkmal gesetzt. Zeitweise habe ich das Gefühl gehabt, dass es zu wichtig geworden ist, seine Freiheit zu demonstrieren und neue Wege zu gehen. Der Meister hat es diesmal nicht geschafft, mich richtig in die Musik reinzuziehen und mich gefühlsmäßig mitten drin statt nur dabei zu fühlen. Trotzdem, ein alles in allem gelungenes Werk, welches wie schon der Vorgänger zum kostenlosen (!) Download zur Verfügung steht. Wer sollte da noch widerstehen?

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