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Cynic: The Portal Tapes

Kein "echtes" neues Cynic-Album
Wertung: 7.5/10
Genre: Ambient Prog
Spielzeit: 46:58
Release: 30.03.2012
Label: Season Of Mist

Hätte der Rezensent sich nicht vorher informiert, wäre im Review möglicherweise von einem „neuen Album Cynics“ die Rede gewesen, was einen äußerst peinlichen Lapsus bedeutet hätte, da es sich bei „The Portal Tapes“ keineswegs um einen brandneuen Studio-Output der Zyniker handelt. Aber wie traditionell im Hause Season Of Mist hat man sich mit Informationen bezüglich anstehender Releases auch hier sehr bedeckt gehalten – keine PDF, kein Waschzettel, keine Infos auf der Label-Website; nun ja, dann muss man eben selbst anderweitig suchen.

Tatsächlich stammen die Aufnahmen bereits von 1995, als einige Mitglieder der Band mit der Sängerin und Keyboarderin Aruna Abrams unter dem Namen Portal zusammenarbeiteten, doch wurde das Material aus vertraglichen Gründen nicht schon früher veröffentlicht, sondern erst jetzt unter dem Cynic-Banner herausgebracht. So ganz unpassend ist der Zeitpunkt allerdings nicht, da sich die Amerikaner inzwischen deutlich in eine andere Richtung entwickelt haben und bereits auf ihren letzten beiden EPs „Re-Traced“ und „Carbon-Based Anatomy“ ihre Death-Metal-Wurzeln komplett hinter sich gelassen haben (weswegen die zunächst vorherrschende Annahme, es handle sich um eine „echte“ neue Cynic-Langrille, auch nicht vollkommen abwegig war).

Schon zu jener Zeit nämlich hatte man wohl nicht mehr so richtig Bock auf Todesstahl, denn das vorliegende Album hat mit Metal, geschweige denn Death Metal, nicht einmal ansatzweise etwas zu tun. Stattdessen gibt es zehn Ambient-artige, spacige Stücke auf die Horchlappen, bei denen Aruna fast sämtliche Lead Vocals übernommen hat und einen sehr guten Job abliefert. Ihr Gesang kommt emotional und völlig ungekünstelt herüber – ihre Stimme ist schlichtweg mindestens so schön wie ihr optisches Erscheinungsbild. Keine Ahnung, wie sie heutzutage klingt, da sie sich inzwischen dem Trance zugewendet hat – eine Musikrichtung, die zumindest mich eher peripher tangiert –, aber damals war die Leistung in jedem Fall klasse.

Wer also nicht ohne Death-Metal-Elemente auskommt und zudem schon mit „Carbon-Based Anatomy“ nichts anfangen konnte, braucht gar nicht erst weiterzulesen – für diese Leute wird „The Portal Tapes“ nichts weiter als pure Langeweile bedeuten; ähnlich wie vor einem Jahr bereits bei „Ghost“ vom Devin Townsend Project. Wer sich jedoch schnell an die Tatsache gewöhnen kann, dass das Teil eigentlich keine reguläre Cynic-Scheibe darstellt und auch mal gerne eine Dreiviertelstunde einfach nur zu Musik chillt, kann hier problemlos zugreifen. Zumal, wenn wir schon beim Vergleich mit dem Devin-Townsend-Album sind, bei „The Portal Tapes“ klar strukturiertes Songwriting wesentlich deutlicher im Vordergrund steht.

Insbesondere in der zweiten Hälfte der CD gibt es einige wirklich sehr hübsche Melodien zu verzeichnen; gerade „Mirror Child“, „Road To You“, „Belong“ und „Not The Same“ bieten tolle Gesangslinien, bei denen man sich binnen kurzer Zeit dabei erwischt, wie man sie mitsummt. Musik ist entweder kompetent gemacht oder nicht, und ersteres ist hier einfach Fakt – das werden auch die einsehen müssen, denen dieser Release zu weich oder zu lahmarschig erscheint und die sich fragen, inwiefern so etwas bei einem Metal-Magazin überhaupt noch Relevanz hat. Ein paar Längen mag es hier und da zwar geben, wo die Platte ein wenig vor sich hinplätschert, insgesamt aber machen Freunde relaxter, esoterisch angehauchter Ambient-Klänge mit einem Kauf nicht viel verkehrt. Im Übrigen eignet sich das Werk auch als nette Hintergrundberieselung bei anderen Aktivitäten, was keineswegs abwertend gemeint ist.   

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Absolut fantastischer Konzertabend, der kaum überboten werden kann