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Cynic: Kindly Bent To Free Us

Leicht zugänglich ist etwas anderes
Wertung: 7.5/10
Genre: Progressive Rock/ Ambient
Spielzeit: 41:57
Release: 14.02.2014
Label: Season Of Mist

Wenn man nur die nackten Zahlen betrachtet und sieht, dass Cynic bereits 1987, also vor stolzen 27 Jahren, gegründet wurden, mutet es schon seltsam an, dass „Kindly Bent To Free Us“ erst das dritte Full-length-Album der Band aus Florida markiert. Zwölf Jahre Pause zwischen 1994 und 2006 erklären dieses Phänomen natürlich, bemerkenswert ist allerdings allemal, dass man trotz der vergleichsweise wenigen Tonträgerveröffentlichungen musikalisch von Output zu Output relativ einschneidende Veränderungen vorgenommen hat. Die charakteristische Rhythmik, der charakteristische Sound und die Vocoder-verzerrten Vocals waren und sind noch immer mit die wichtigsten Markenzeichen der Amerikaner, die sie unter vielen Acts heraushörbar machen, dennoch: Spielte früher das Wechseln zwischen Death-Metal-Sequenzen und jazzig geprägten Ambient-Passagen eine Rolle, ist von ersteren auf „Kindly Bent To Free Us“ nichts mehr zu hören. Was jedoch niemanden, der die EPs „Re-Traced“ (2010) und „Carbon-Based Anatomy“ (2011) gehört hat, ernsthaft überraschen kann, da diese Entwicklung bereits dort zum Tragen kam.

Offiziell sind inzwischen nur noch Paul Masvidal (Gitarre, Gesang, Synthesizer) und Sean Reinert (Schlagzeug) feste Mitglieder, selbst Bassist Sean Malone ist inzwischen lediglich eine Art Dauergast, der aber nur im Studio die tiefen Saiten zupft, während diese Aufgabe live von einem gewissen Brandon Giffin erledigt wird. An der zweiten Gitarre ist auf der Bühne außerdem Max Phelps helfende Hand. Manch altem Fan wird diese Konstellation nicht sonderlich gefallen, da Masvidal und Reinert offenkundig nicht mehr wirklich Lust verspüren, Todesstahl zu zelebrieren, und natürlich darf man gerade als Death-Metal-Jünger das, was Cynic heute machen, langweilig finden, aber dafür, dass das Duo seinen eigenen Weg geht und sich nicht von außen hereinreden lässt, sollte man ihm Respekt zollen.

Ganz einfach machen es einem die Herren auf ihrem dritten Langdreher wiederum nicht gerade; selbst als aufgeschlossener Musikliebhaber muss man für diese Ambient- und Jazz-beeinflusste Mucke schon in der Stimmung sein und braucht außerdem ein paar Durchgänge, um sich mit dem Material tatsächlich anfreunden zu können. Viele Breaks prägen das Bild, dadurch aber auch viel Dynamik – wenigstens kann man den Zynikern nicht vorwerfen, sie würden Songwriting nach 08/15-Schema abliefern. „Moon Heart Sun Head“ in der Mitte des Albums ist ein wunderbares Beispiel dafür: Die insgesamt ruhige, esoterische Stimmung wird immer wieder durch vereinzelte Ausbrüche unterbrochen (die freilich weit davon entfernt sind, etwas mit Death Metal zu tun zu haben), zu Masvidals meist mehrstimmigem Gesang mischen sich orientalisch anmutende Vocals zu Beginn und Ende des Stückes hinzu, außerdem wurde ein Sprachsampel in der Mitte integriert.

Auch der Titelsong oder „Infinite Shapes“ beinhalten einige wirklich tolle Ideen und Wendungen, die nach geraumer Zeit erst ihre tatsächliche Wirkung entfalten und sich als schlüssig platziert erweisen. Jede Menge Holz also, doch sollte man dem Ganzen nicht gleich den „Langweilig!“-Stempel aufdrücken, sondern eine Chance geben. Dass hervorragende Musiker wie Paul Masvidal und Sean Reinert wissen, was sie tun und bestimmt nicht wahllos Parts und Breaks aneinander gereiht haben, bedarf wohl kaum einer Erwähnung. Allein wie geil beim Refrain des Openers „True Hallucination Speak“ moduliert wird, dazu das großartige Mainriff und die wunderschönen mehrstimmigen Gesänge des Frontmannes – da wurde definitiv sowohl mit Herz als auch mit Hirn komponiert.

Erwähnenswert ist auf jeden Fall auch das dem Titel gerecht werdend mit etwas düstererer Note versehene „Holy Fallout“, das wiederum tolle Harmonien im Chorus bietet und dessen langsamer Endpart durch die Versetzung von Drums und Gitarre besonders effektiv wirkt und eine fast apokalyptische Stimmung heraufbeschwört.

Wie angedeutet: Leicht zugänglich ist sicherlich etwas anderes, doch schon die ganzen kleinen Details (sind sie erst einmal entdeckt) lassen jeden Musikkenner mit der Zunge schnalzen und gleichen die wenigen tatsächlichen Längen auf der Platte aus. Wer nicht in Schubladen denkt und den Death-Metal-Zeiten hinterhertrauert, sollte in die Scheibe zumindest einmal reingehört haben; Masvidals Gitarrenspiel und Reinerts unverkennbares Drumming sind selbstredend ohnehin über jeden Zweifel erhaben.

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