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Cynic: Carbon-Based Anatomy

Spacig, jazzig, esoterisch - von Death Metal ist nichts mehr zu hören
Wertung: 8/10
Genre: Progressive Metal/Ambient
Spielzeit: 23:49
Release: 11.11.2011
Label: Season Of Mist

Schon irgendwie seltsam, wie einige Prog-Acts in der letzten Zeit ihren Sound und teilweise auch ihren Stil verändert haben – Pain Of Salvation haben mit ihren beiden „Road Salt“-Alben einen klangtechnisch roheren, basischeren Weg eingeschlagen, Opeth sind mit „Heritage“ viel ruhiger geworden, und auch Cynic, die 2008 mit dem Album „Traced In Air“ ein starkes Comeback feierten, haben ähnlich wie letztgenannte ihre Death-Metal-Wurzeln mittlerweile komplett gekappt. Waren auf „Traced In Air“ noch Growls zu hören gewesen (performt vom damaligen Zweitgitarristen Tymon Kruidenier), wurde auf der 2010 erschienenen EP „Re-Traced“, welche alternative (ruhigere) Versionen einiger Songs (plus einem neuen Track) des zuvor veröffentlichten Albums enthielt, bereits auf gutturalen Gesang verzichtet. Diese Vorgehensweise wird auf „Carbon-Based Anatomy“, einer weiteren EP, auf der diesmal wieder ausschließlich neues Material zu hören ist, fortgesetzt. Harten Death Metal gibt es hier nicht zu hören, stattdessen leben die Amerikaner ihre jazzig-spacige Seite wesentlich deutlicher aus.

„Amidst The Coals“ fungiert als etwa zweiminütiges Intro, das sehr Ambient-mäßig daherkommt und von Amy Correias (die bei „Traced In Air“ bereits einen Gastauftritt hatte) sanftem Gesang veredelt wird, der dem Ganzen zusätzlich ein leicht orientalisches, in jedem Fall exotisches Flair verleiht. „Bija!“ und das finale „Hieroglyph“ schlagen in eine ähnliche Kerbe und lassen schon aufgrund der Titel auf indische beziehungsweise ägyptische Klänge schließen, was sich anhand von Sitarklängen und Percussions in ersterem Track bestätigt, während letzteres Stück wirklich nur eine Art ruhiger Ausklang der EP darstellt; sehr atmosphärisch, fast esoterisch anmutend, mit ätherischem Hintergrundgesang ausgestattet.

Unterm Strich bleiben da ja nur drei „echte“ Tracks, werden einige nun vielleicht murren, doch sind die Zwischenstücke sehr passend ins Gesamtkonzept der EP eingebettet worden und außerdem geschmackssicher arrangiert. Natürlich unterstreichen sie des Weiteren Paul Masvidals und Sean Reinerts (mittlerweile die beiden einzigen noch festen Bandmitglieder bei Cynic) Ambitionen, musikalisch sehr offen zu sein und sich die Freiheit zu nehmen, mit verschiedenen Sounds und Stilrichtungen zu experimentieren.

Besonders die längeren Songs „Carbon-Based Anatomy“, „Box Up My Bones“ und „Elves Beam Out“ zeigen jedoch, auch wenn die Härte nahezu komplett herausgenommen wurde, dass hier immer noch Cynic in Reinkultur vorliegt. So sind Masvidals verzerrte Vocoder-Vocals natürlich wieder zu hören – ein Markenzeichen der Gruppe –, wenngleich die Zerre weitaus weniger krass ausgefallen ist als sonst, und die Songs glänzen durch den Wechsel zwischen wundervollen, cleanen Jazzakkorden (man höre sich nur einmal den Mittelteil des Titelstücks an) und E-Gitarren, sowie starke Refrains. Auch das Drumming ist unverkennbar: Sean Reinert mag nicht so vordergründig spektakulär spielen wie auf der letzten Full-Length-Platte, doch allein sein Drive beim Schlagzeugspielen ist ebenso einzigartig wie unwiderstehlich und trotz aller technischer Raffinesse locker-flockig tönend – der Mann ist und bleibt einer der besten Drummer unter der Sonne, das ist so klar wie Kloßbrühe. Kurzum: Der Fan muss definitiv zugreifen. Man darf gespannt sein, wie die Entwicklung der Zyniker weitergeht und was das Duo Masvidal/Reinert als nächstes raushaut. Sie selbst sehen es nicht als Nachteil an, dass die Band nur noch aus ihnen beiden besteht, sondern im Gegenteil als Herausforderung, stets mit verschiedenen Musikern zusammenzuarbeiten, da so mehr kreative Flexibilität und musikalisch mehr Möglichkeiten vorhanden seien.

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