Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

Cumulo Nimbus: Totensonntag

Die Genreerweiterung ist gerechtfertigt
Wertung: 8/10
Genre: Renaissance Metal
Spielzeit: 45:25
Release: 09.10.2009
Label: Black Bards

Die Verschmelzung von Rock- und Metalcharakteristika mit mittelalterlich anmutenden Melodien und Texten sowie traditioneller Instrumentierung stellt ja, vorsichtig ausgedrückt, nun wirklich keine allzu großartige Neuerung dar. Geigen, Flöten, Schalmeien und Sackpfeifen haben seit längerer Zeit ihren festen und bisweilen schon leicht nach dem akustischen Äquivalent abgestandenen Mets miefenden Platz im Gefüge eingenommen. Umso wichtiger ist es für im Genre heimische Bands, sich von der breiten Masse abzuheben. Cumulo Nimbus (neulateinisch: Gewitterwolke) aus dem bayerischen Landsberg am Lech haben sich zu diesem Thema ihre Gedanken gemacht und ein Konzept gefunden, das Wiedererkennungswert verspricht: Nicht Mittelalter-Metal, Renaissance-Metal soll es sein!

Konkret heißt das: Anstelle der üblicherweise vorherrschenden Einstimmigkeit in den gespielten Melodielinien aus traditionellen Klangkörpern steht die Rückkehr zu den Wurzeln der Mehrstimmigkeit in der europäischen Musik. Fernerhin werden diese Klänge weniger vom typischen mittelalterlichen Instrumentarium erzeugt, als vielmehr von Block- und diversen anderen Flöten, Mandoline und Krummhorn. Schnittmengen mit dem Mittelalterrock bestehen in Geige und Laute und natürlich in der hinreichend bekannten Melange aus elektrischer Gitarre, Bass und Schlagzeug. Auf "Totensonntag" zelebrieren Cumulo Nimbus diese Mixtur bereits zum dritten Mal, für mich ist diese Platte jedoch die erste Gelegenheit, mit der Band in Berührung zu kommen. Und so interessant das Soundkonzept klingt; einige Zweifel ob der Andersartigkeit gegenüber dem Üblichen hege ich doch.

Jedenfalls macht das Sextett seinem Namen im Intro "Dämmerung" zunächst einmal alle Ehre und leitet die Platte mit einem deftigen Wolkenbruch ein, über dessen Prasseln sich majestätisch eine Orgel erhebt, die eine Passage aus einem Werk von Bach intoniert, ehe jäh die ersten metallenen Akkorde von "Carpe Noctem" erklingen. Die von der Band angewandte, polyphon geprägte Kompositionstechnik der Renaissance wird recht schnell erkennbar und äußert sich nicht nur in den Violinen- und Blockflötenlinien sondern auch im Recht ungewöhnlich gestalteten Riffing der Gitarren, die sich, unabhängig von Rhythmus- und Leadfunktion, umspielen und ergänzen. Auch wird eine gewisse Zweideutigkeit in der Bezeichnung "Renaissance-Metal" deutlich, denn der Gitarrensound ist stark vom Sound des Metals der 80er inspiriert und somit auch in dieser Hinsicht eine Wiederentdeckung.

Lyrisch blasphemisch-unterhaltsam wird es anschließend mit dem "Knochenmann", in dessen Text sich Cumulo Nimbus über die Erhebung gewöhnlicher Knochen zu Reliquien mokieren. Anfangs noch musikalisch eher durchschnittlich, gewinnt der Track gegen Ende durch stimmungsvoll gesetzte Klapper- und Knarzgeräusche, die den nächtlichen Tanz des untoten "Heiligen" auf dem Altar begleiten, deutlich an Charme und Eigenständigkeit. Spätestens mit dem Titeltrack steht dann fest, dass sich Cumulo Nimbus aus dem Gros mittelmäßiger Folkrockbands schon allein durch ihre teils sehr poetischen Texte hervorheben. Auch wenn im Refrain die Frage, ob hier Eric Fish als Gastsänger beteiligt ist, mehr als berechtigt ist, da man hier doch stark an Subway To Sally erinnert, so sprechen die trickreich mit Komplexität angereicherte Komposition und die leidenschaftliche Darbietung, gepaart mit einem netten Schuss Bosheit in der Stimme von Sänger Mathis Mandjolin, eine deutliche Sprache. Die Sado-Maso-Thematik in "Alte Mühle" dürfte aber, trotz aller textlichen Finesse, die Geschmäcker teilen; ebenso wie möglicherweise an "Flüssig Gold", das ein reißender Instrumentalsturzbach hätte werden können, der durch die lediglich durchschnittliche, weil nicht so recht passende, Gesangsleistung leider etwas zurückgestutzt wird. Mehr Raubeinigkeit hätte hier wesentlich besser zur Atmosphäre beigetragen.

Als gelungen bezeichnet werden dürfen hingegen die fernwehgeschwängerte Ballade "Blutrote Segel" und der von tiefer Melancholie erfüllte Song "Stadt Unter Wasser", der in schaurig-schöner Poesie den Freitod des Protagonisten durch Ertrinken thematisiert. Die Band nutzt hier die Gelegenheit, ihre Vorteile in Sachen Klangvariantenreichtum auszuspielen, ohne aber ins Überladene abzudriften. Letztendlich ist es so tatsächlich die etwas andere Herangehensweise an Komposition und Kombination von Altem mit Neuem, das Gefühl für das richtige Maß und eine gewisse Experimentierfreude, die Cumulo Nimbus und auch ihren Drittling "Totentanz" aus der Masse hervorheben. Für Mittelalterrocker und -metaller auf der Suche nach klanglicher Abwechslung könnte diese Scheibe einen lohnenden Griff bedeuten.

comments powered by Disqus

Von Jahr zu Jahr kommt man einfach immer mehr auf den Boden der Tatsachen