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Ctulu:

Ein Album wie eine Rasierklinge
Wertung: 9/10
Genre: Extreme Metal, Black Metal
Spielzeit: 35:17
Release: 18.11.2016
Label: MDD Records

Den Nordlichtern Ctulu durften wir bei The-Pit.de quasi beim Aufwachsen zuschauen und –hören; hochgearbeitet hat sich die Truppe vom “Freie Geister”-Debüt, das anno 2008 gerade mal vier Punkte einheimsen konnte und dem ein teils „peinliche[r] Sound“ attestiert wurde, über den 8,5-Punkte Abräumer „Sarkomand“ und das folgende, ebenfalls sehr gute „Seelensplitter“ haben wir die Entwicklung der Band verfolgt und sie mittlerweile bei uns unter „darf gerne jedes Release zum Rezensieren schicken“ abgespeichert. Ihr neuestes Werk haben Ctulu einfach mal gar nicht betitelt – namenlos streift es durch die Nacht, räudig, biestig, fies. „Extreme Metal“, das ist in dem Fall eine Mischung aus Death, Black, Thrash und rohem Hass – feine Sache, genau das richtige, um das Wochenende einzuleiten.

Mit gerade mal acht Tracks und knapp 35 Minuten Spielzeit liefert das Trio hier den perfekten Soundtrack für einen ordentlich blutigen Horrorfilm – dabei deutet zunächst nichts darauf hin, wie pfeilschnell sich die Platte gestaltet: Der Opener „Serce krwawe“ wird nämlich eingeleitet mit wabernden Gitarren und gemächlichen Drums, aus dem Hintergrund schleichen sich die mit ordentlich Hall versehenen Vocals heran, man fühlt sich wie bei einer okkulten Messe; schließlich wendet sich das Blatt so flott, dass einem schwindlig werden kann und die rotzigen Rock’n’Roller treten ins Rampenlicht, Bassdrumgewitter inklusive.

Richtig spaßig wird es dann beim folgenden „Treibjagd“, dessen Titel nicht besser gewählt sein könnte – ein bitterböser Bastard aus Speed und Black Metal entfaltet sich hier, textlich absolut manisch und gruselig, ein bisschen muss man an Eisregen denken (von denen es übrigens tatsächlich ein gleichnamiges Lied gibt, gecovert wird hier aber nichts). Damit zeigt sich auch, was Ctulu am besten können: mit Vollgas nach vorne preschen, alles und jedes im Bannkreis niedermetzeln – und dann verzieht sich der Trupp nicht flott ins Dunkle, sondern lässt die Schlacht ausklingen, labt sich an dem Elend der Zurückgelassenen und legt mit einem Track wie „Heerführer der Herrenlosen“ dann noch mal einen Rundumschlag hinterher, um auch die letzten verstümmelten Kreaturen niederzuknüppeln.

„Von Mondeswächtern und Menschenverächtern“ ist nicht nur einer der geilsten Songtitel, die ich seit langem gelesen habe, es herrscht auch eine richtig schöne, kraftvolle Black-Metal-Atmosphäre, weil die Herrschaften sich ausnahmsweise eines sehr klassischen, schwarzmetallischen Leadriffs bedienen.

Messerscharf schneiden Ctulu mit ihrem neuen Album in Mark und Bein; eine Platte wie eine Rasierklinge, gleichzeitig präzise und trotzdem mit ausufernden, intelligenten Songarrangements versehen. Auch wenn das gute Stück keinen Namen bekommen hat, untermauern Ctulu doch hier ihren Ruf und haben zumindest auf der Liste der Schreiberin dieser Zeilen einen Platz ziemlich weit oben als eine der besten deutschen Extreme/Black-Metal-Bands.

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