Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

Ctulu: Sarkomand

Ein starkes, stimmungsvolles Album
Wertung: 8.5/10
Genre: Black Metal, Extreme Metal
Spielzeit: 47:33
Release: 29.04.2011
Label: Godeater Records

Es ist ja immer irgendwie lustig mit anzusehen, wie Bands sich neue Genrebezeichnungen für ihren Stil ausdenken. Ctulu aus Niedersachsen machen angesichts ihrer Herkunft das einzig Richtige und taufen ihre Musik „Seastorming Extreme Metal“. Und tatsächlich fühlt man sich beim ersten Durchhören der neuen Scheibe „Sarkomand“ ein bisschen wie auf hoher See – da wird man von höllischen Riffs durchgepeitscht, von hohen Wellen fast über Bord gefegt und kann sich nur selten an kürzeren, ruhigen Passagen erfreuen; all das aber, ohne dass man sich allzu sehr überfordert fühlt, wie es bei vielen anderen Schwarzwurzeltruppen der Fall ist.

Dass es nicht in Schwerstarbeit ausartet, sich die neue Platte zu Gemüt zu führen, liegt vielleicht mit an den stimmigen Instrumentals, die immer mal wieder auftauchen, größtenteils geführt von einer wahlweise sehr atmosphärischen oder auch mal sehr fiesen Gitarre (meist aber beides gleichzeitig), die einen gelungenen Gegenpart zu Rolfs martialischem Geschrei bilden. Man möchte kaum glauben, dass „Sarkomand“ erst das zweite Full-Length-Album nach dem „Freie Geister“-Debüt und zwei Demos darstellt – die Musiker wirken so gut aufeinander eingespielt, und das, obwohl ein Teil der Band erst kürzlich dazugestoßen ist.

Mit viel Geplänkel geben sich Ctulu gar nicht erst ab und starten mit „Arckanum der Tiefen“ gleich den munteren Reigen – schnelles Schlagzeug, flirrende Gitarren und ein dankenswerterweise gut hörbarer Bass verkrumpeln die unteren Magenregionen direkt zu einem bitterbösen Knäuel, allem voran natürlich Rolfs fieses Krächzen, bei dem man lustigerweise trotzdem einen Großteil des Textes ganz gut verstehen kann.

„Nachtwind“ fabriziert dann direkt im Intro mit seinem genialen Mainriff pure Gänsehaut – in der ersten halben Minute des Songs steckt mehr packende Atmosphäre als bei vielen anderen Black Metal-Bands in der kompletten Diskografie. Trotz des wunderschönen Einstandes entwickelt der Song aber noch genug Kraft, Dynamik und Brachialität, dass man ihn sich auch gut als Schlachthymne vorstellen könnte. Da das Beste bekanntlich immer bis zum Schluss aufgehoben wird, haben Ctulu ihre beiden Sieben-Minuten-Brecher ans Ende der Platte gestellt. „Blindes Chaos“ prescht in bester Black Metal-Manier durch die Boxen, befördert Drummer Jan mit Lichtgeschwindigkeit durch Raum und Zeit und trumpft nebenbei noch mit einer Gitarrenspur auf, die perfekt zur düsteren Grundstimmung passt. Neben dem schon bekannten Gekrächze werden hier auch tief verzerrte Dämonen-Vocals eingesetzt, die den Song noch unmenschlicher erscheinen lassen, bis ganz plötzlich sanfte Gitarrentöne zum Vorschein kommen, die natürlich nur von kurzer Dauer sind und quasi die Ruhe vor dem Sturm bilden. Und als müssten sie beweisen, dass sie was draufhaben, besticht auch der Rausschmeißer „Mondsucht“ durch eine vorzügliche Gitarrenspur und, ganz überraschend, durch eine chorale Einlage – inzwischen sollte aber wohl jedem klar sein, dass Ctulu sich nichts beweisen müssen.

Wer auf stimmungsvollen Black Metal steht, kommt an den Nordlichtern keinesfalls vorbei – sei es, dass rasiermesserscharfe Riffs die Luft zersägen, oder düster-depressive Gitarren sich ins Gehirn fräsen, Gitarrenfans kommen hier ganz besonders auf ihre Kosten. „Sarkomand“ kann sich als Album wirklich sehen lassen, es gibt kaum Lückenfüller, und das muss in der heutigen überfüllten Szene schon was heißen.

comments powered by Disqus

Die High- und Lowlights der Redaktion im vergangenen Jahr

Von ausgelassener Stimmung, Perfektion und einer fetten Panne

"Ich mache im Grunde all das, worauf meine Kollegen bei Ctulu keinen Bock haben und was immer schon mal aus mir raus musste."

Überraschungen zum 30-jährigen Geburtstagsrausch

Wer hat Angst vorm Saxophon?

Von Gänsehautmomenten bis hin zum Circle-Pit

Starkes Debüt, welches nach einer baldigen Wiederholung schreit

„Weil wir einfach wissen, dass wir als Band nur funktionieren, wenn wir uns nicht verbiegen“