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Crystallion: Hundred Days

Kleine Franzosen sollten lieber Headbangen als Kriege zu führen
Wertung: 9/10
Genre: Melodic Power Metal Rock
Spielzeit: 52:35
Release: 23.10.2009
Label: Dockyard 2

Crystallion beglückten die Metal-Welt im letzten Jahr mit ihrem Album „Hattin“ und sorgten für durchweg positive Resonanzen. Nun galt es, den hohen Qualitätsstand zu halten oder gar noch zu verbessern. Wie schon beim Vorgängeralbum, bei dem man sich textlich dem Templer-Orden gewidmet hat, geht es auch hier sehr geschichtlich zu. Dieses mal hat man sich der Wiederkehr eines kleinen Franzosen mit einer Hand unter der Jacke gewidmet: Napoleon.

„Cloak And Danger“ ist eigentlich nur ein Intro, welches das Coverbild perfekt wiedergibt und Napoleons Ankunft nach seiner Flucht von Elba umsetzt. Etwas befremdlich schaue ich zwar, als ganz kurz eine Keyboardmelodie erklingt, die ein wenig an Manowar erinnert, dies währt aber nur einige wenige Sekunden, bis dann das Ganze mehr Fahrt aufnimmt und die Spannung weiter deutlich gesteigert wird.

„The Sleeping Giant“ ist dann das erste wirkliche Stück auf dem Album. Gekonnt wie gewohnt ertönt Thomas Strüblers tolle Stimme. Das Haupthaar schwingt vor und zurück und man bangt zu dem Erwachen des schlafenden Giganten. Man ist sich treu geblieben und so werden auch hier geschickt die unterschiedlichen Charaktere in den Songs eingebracht und so wiederum kommt, ohne den Zeigefinger zu heben, eine sehr intensive Geschichte zustande. Man sollte aber dennoch nicht vergessen, dass es sich hierbei auch wieder um einen richtig starken Song handelt.

„A Cry In The Night“ geht dann deutlich zügiger voran. Insgesamt fällt auf, dass sich die Band stilistisch ein wenig verändert hat. Frönte man auf „Hattin“ noch eher dem Speed Power Metal, so ist hier dem Gesamtsound eine deutlich rockigere Note zuteil geworden. Dies könnte aber durchaus auch an der Tatsache liegen, dass man inzwischen nur noch einen Gitarristen hat. Auch wenn Flitzefinger Patrick Juhasz das alte Material sozusagen einstimmig live richtig gut hinbekommen hat, so wirkt sich das natürlich auf das Songwriting der neuen Stücke aus. Ohne jetzt Angst schüren zu wollen, muss man der Band konstatieren, dass sie das sehr gut hinbekommen hat und das auch noch, ohne ihren ureigenen unverkennbaren Stil zu verwässern.

„Sole Survivors In Ligny“ handelt von dem letzten größeren Sieg Napoleons. Er schlägt die Preußen zurück und lässt den französischen Glauben an einen Gesamtsieg deutlich anschwellen. Genauso wie dieses beflügelnde Gefühl des Triumphes donnert der Song daher, mit einer unglaublichen positiven Energie brennt er sich tief im Gedächtnis ein. Die tolle Gitarrenarbeit, gepaart mit dem unaufdringlich wirkenden, aber deutlich bestimmenden Keyboard von Manuel Schallinger entwickelt sich hier zu einer richtigen Abgehnummer.

Mit „Nations Falling“ folgt so etwas wie der am meisten herausstechende Song des Albums. Mit einem Killer-Refrain gesegnet, singt man den Refrain auch Tage später immer vor sich hin. Unglaublich, wie sich der Song nach dem langsamen akustischen Intro entwickelt. Eine kraftvoll rockende Metal-Hymne für die Ewigkeit. Das Keyboard setzt wieder einmal fast schon ein wenig versteckt richtig gute Klangtupfer und unterstützt das Präsentierte optimal.

Es wird schwierig, da noch einen draufzulegen, aber das Riff von „Hougoumont“ schafft es fast. Zum ersten Mal stören mich aber ein wenig die hellen Töne aus dem Tasteninstrument. Das kann dann aber der Refrain schon wieder sehr gut ausmerzen. Man merkt quasi schon, wie Napoleon sich selbst Mut zuspricht, um sich so für den von ihm erwarteten Sieg zu pushen. Wenn es dieses Album damals schon gegeben hätte, hätte er wohl eher headbangend dagestanden als in sein Unglück zu laufen. Starker Song mit gelungener Schlagzeugarbeit von  Martin Herzinger.

„Under Heavy Fire“ ist dann zumindest geschichtlich der Anfang vom Ende, denn die Franzosen haben sich überschätzt und werden überlistet. Insgesamt wieder eine sehr schöne Zusammenarbeit von Gitarre und Keyboards, welches hier schon fast versucht, die zweite Gitarre zu ersetzen. Mit ungebremster Power, die natürlich auch dem Schlagzeug und Bassisten Stefan Gimpl zu verdanken ist, preschen Crystallion weiter vor. Insgesamt kann mich der Track aber nicht so sehr mitreißen wie die bisherigen, obwohl sich der Titel wahrlich nicht verstecken muss.

„We Stand Aligned“ ist dann zwar der Todesstoß für Napoleons Hoffnungen, nicht aber für dieses Album. Mit einem Riff, das auch aus Whitesnakes „1987“-Tagen hätte stammen können, wird der Song eröffnet, bevor es Crystallion-typisch weiter geht. Das Keyboard emuliert ein Klavier und darf auch mal im Hintergrund nur mit Thomas´ exzellenter Stimme brillieren.

„Hundred Days“ besticht dann wieder mit allem, was gute Musik benötigt, nämlich mit einer starken Rhythmusarbeit, tollen Melodien sowie kräftigen Gitarrenelementen. Der rockigere Charakter der neueren Songs kommt hier verstärkt durch, auch wenn dieser Song eigentlich zu den älteren des neuen Albums gehört. Gerade wegen des eher ungewöhnlichen Refrains sicher live eine wahre Ohrenfreude.

„The Bravest Of The Brave“ passt dann eigentlich nicht wirklich in das Konzept des Albums. Es stellt eigentlich einen gezielten Blick auf Marshal Michel Ney dar, einem der erfolgreichsten Generäle unter Napoleon. Sein einziger Fehler bestand darin, dass er zuletzt die Briten unterschätze. Hier bekommt er ein letztes musikalisches Denkmal gesetzt. Absolut korrekt wird das Ganze fast schon ein wenig balladesk angegangen. Man kann schon erahnen, wie viele Feuerzeuge und Wunderkerzen da bei Konzerten brennenderweise in die Luft gehalten werden. Irgendwie schafft man es aber, das Ganze doch mit einer gewissen Härte vor einer zu starken Verweichlichung oder Schmalzigkeit zu bewahren. Ganz ehrlich, ich hätte der Band nicht wirklich zugetraut, Balladen schreiben zu können, denn dafür ist ihre sonstige Mucke einfach zu gut.

Fazit: Auch wenn ich erstmal drei bis vier Durchläufe benötigte, um mich an den rockigeren Stil zu gewöhnen, kann ich der Band nur ein weiteres Kompliment machen. Es gibt wenige Combos, die Crystallion das Wasser reichen können. Übersongs wie „Nations Falling“ ragen diesmal aus dem Album heraus. Bei „Hattin“ war es noch eher so, dass da mehr das Gesamtkunstwerk zählte und man bei dem sehr hohen Niveau nur schwer einzelne Songs hervorheben konnte. Hier hat man es trotzdem geschafft. Andererseits gibt es auch zwei Songs, welche den bandeigenen hohen Standard knapp verfehlen und so bleibt mir nur eine minimal schwächere Wertung als beim Vorgänger.

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