Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

Crystallion: Hattin

Geschichtsunterricht mal anders
Wertung: 9.5/10
Genre: Power Speed Metal
Spielzeit: 54:52
Release: 16.05.2008
Label: Dockyard1

Nachdem sich das Debut der süddeutschen Crystallion im Jahr 2006 schon eingehend mit dem Templer-Orden beschäftigt hat, legt die Band nun ein waschechtes Konzeptalbum vor, welches sich mit der Schlacht bei Hattin befasst. Worum es dabei geht, wird sich jetzt der ein oder andere Fragen. Kurz umrissen gab es damals schon den Konflikt zwischen Christen und Muslimen. Da sich Graf Rainald von Chatillon nicht an den geschlossenen Frieden hielt, ließ er immer wieder muslimische Kaufleute überfallen, woraufhin deren Sultan Saladin 20.000 Leute nahe dem See Genezareth zusammenzog.

Nachdem die Muslime einige Städte zurückerobert hatten, wollte man auf Christenseite nicht zurückstecken und sammlte sich zum Aufmarsch gegen Sultan Saladin. Auch Warnungen wurden aus falscher Eitelkeit nicht beachtet und man rannte ins Verderben. Da man natürlich auch Krieger aus den eigenen Festungen für den Kampf abgezogen hatte, fielen nach der Schlacht immer mehr Städte in muslimische Hand. Am 2.10.1187 fiel dann auch Jerusalem. Dies führte dann auch zu den dritten Kreuzzügen, welche aber auch nicht verhindern konnten, dass das heilige Land in muslimischer Hand blieb. 1291 endete dann die christliche Kreuzfahrergemeinschaft im vorderen Orient.

Aber nun zum zweiten Werk der Power Metaller. Recht bombastisch mit gehörig Keyboards ertönt das Intro „The Ambush“. Sehr stimmungsvoll, zumal die erzählte Einleitung das Thema schön umreißt. Ohne Pause geht es dann über in den ersten richtigen Song: „Wings Of Thunder“. Schön, wie die Gitarren von Florian Ramsauer und Patrick Juhasz in den Song leiten. Bester Power Metal mit einer gelungenen Prise Speed Metal peitscht den Hörer förmlich an. Sänger Thomas Strübler zeigt, dass er zu den besseren des Fachs gehört.

Immer wieder mal werden Melodiewechsel eingestreut, die einfach zu begeistern wissen. Ich tue mich zwar schwer, hier Namen wie Helloween oder Gamma Ray zu nennen, da die Musik definitiv eigenständig ist, aber rein stilistisch würde dieses Album auch in die stärkeren Jahre dieser Bands passen. Die sehr gelungenen Arrangements im Verbund mit der Präsenz, welche die Truppe hier an den Tag legt, ist schon bewundernswert.

Nachdem sich der erste Song mit der Sichtweise von Raynald of Chatillon befasst hat, widmet sch „Vanishing Glory“ den Gedanken von Sultan Saladin. Bewundernswert, wie Martin Herzinger seinen Bassdrums im Doppel in das Hinterteil tritt. Absoult gelungen ist auch die Umsetzung des Konzeptes, man versucht hier nicht auf Biegen und Brechen, mit unterschiedlichen Stimmen die einzelnen Charaktere darzustellen. Somit gibt es auch keine Probleme für Leute, die sich mit der Thematik dieses Albums beschäftigen wollen. Es klingt bei nicht genauerer Betrachtung wie ein tolles Speed /Power Metal Album und die Songs funktionieren auch als Einzelstücke.

In „Under Siege“ kommen direkt 4 Charaktere zum Einsatz, inklusive Gerard of Ridefort von den Templern. Der Song kommt etwas gemächlicher daher. Aber gerade der etwas stampfende Rhythmus lässt die Nackenmuskulatur schnell aufheizen. Die Gitarren sorgen für mächtig Stimmung. Stefan Gimpl, der Hauptsonwriter und Bassist, sorgt mit seinem ausgefeilten Bassspiel im Hintergrund für den nötigen zusätzlichen Druck in Verbindung mit den Drums. Die Musik ist derart gut, dass auch hier die 6 Minuten Spielzeit einfach so zu verfliegen scheinen.

„The Battle ... Onward” geht wieder eine Geschwindigkeitsstufe nach oben. Zu diesem Zeitpunkt dachten die Christen noch an ihren Sieg und man meint fast, die positive Siegessicherheit im Gesang rauszuhören. Ganz großes Lob an Thomas Strübler für seine Leistung. Auch wenn es mal eine langsamere Passage gibt, so weiß die Band doch punktgenau, wann es wieder Zeit wird, das Tempo zu wechseln. Ein Song, der auch nach dem zehnten Durchlauf nicht langweilig wird, sondern nach der Repeattaste verlangt.

Weiter geht`s mit „The Battle ... Higher Than The Sky”, welches nur von einem kurzen Keyboardeinsatz von Manuel Schallinger getrennt wird, den Qualitätslevel der eh sehr hoch ist, weiter fortführt. Das Haupthaar rotiert, wenn die muslimische Seite zu Wort kommt. Absolut schön und auch ehrlich, dass die Band darauf verzichtet, hier Partei für eine Seite zu ergreifen. Es wird praktisch einfach nur erzählt, was damals geschehen sein soll, ohne erhobenen Zeigefinger. Und das dann auch noch so stark musikalisch untermalt.

Leider folgt dann auch schon der vorletzte Song: „The Battle ... Saracen Ascension” und die damit verbundene Niederlage der Kreuzfahrer. Nach und nach kommt die Einsicht über den verlorenen Kampf. Das Ganze mit zahlreichen Melodiewechseln garniert, ist schon ein Sahnestück. Die Band ist perfekt aufeinander eingespielt und wird von ihrem Sänger zu immer weiteren Höchstleistungen gepeitscht. Selbst in den sehr ruhigen Passagen, welche nur vom Keyboard, als Piano getarnt, unterstützt werden, kommt keinerlei Langeweile auf, sondern man nützt die paar Sekunden, um seiner Nackenmuskulatur etwas Regeneration zu ermöglichen.

Der letzte Song „Preach With An Iron Tongue” ist dann auch in diesem starken Album ein Highlight. Da ist alle drin, was diese Musikrichtung oder eben auch Crystallion ausmacht. Dieses geniale Riff, die variable Stimmgewalt des Sängers, nein, hier passt wirklich alles zusammen. Wie so oft in der Geschichte der Menschheit denkt man auch nach diesem vernichtenden Schlag schon wieder an bessere Zeiten, in welchen man den siegreichen Widersacher schlagen wird und bereitet quasi schon den dritten Kreuzzug vor. Ein Monumentalwerk, welches wirklich in allen Facetten besticht.

Fazit: Crystallion haben sich mit diesem Zweitlingswerk definitiv in der Spitzengruppe der Power Metal Bands eingereit. Was ist nun das besondere an „Hattin“? Man hat hier ein in sich geschlossenes Werk kreiert, welches mehr Konzeptalbum-Charakter hat als zum Beispiel die „Keeper Of The Seven Keys“ Trilogy von Helloween. Trotzdem kann man sich einzelne Stücke herauspicken und bangt mit einem breiten Grinsen. Schön ist auch, dass man sich nicht wie doch oft üblich, nicht auf eine Seite stellt und meint, den Missionar geben zu müssen. Und trotzdem wird einem hier keine leichte Kost verabreicht. Hier wird Geschichte musikalisch dargestellt. Vielleicht sollte man mal Lehrern empfehlen, eine kombinierte Geschichts- , Religions- und Englischstunde abzuhalten. Dabei wird dann kräftig abgebangt und die Schüler lernen trotzdem viel. Crystallion, ich freue mich schon auf die nächste Unterrichtsstunde. Man kann nur hoffen, dass die Band sich auch zu einer augedehnten Deutschlandtour aufrafft. Dann sollte dem Siegeszug nichts mehr im Wege stehen.

comments powered by Disqus

Werkschau einer der größten und einflussreichsten Rockbands aller Zeiten

Wie mit einer Ex-Freundin

Willkommen in der Husumer Sauna