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Crystal Stilts: Alight Of Night

Melancholisch-beschwingtes Erstwerk
Wertung: 8/10
Genre: Psychedelic/Lo-Fi/Indie
Spielzeit: 37:32
Release: 13.03.2009
Label: Angular Recordings

Musikredakteure habens auch nicht immer leicht: Draußen zeigt sich das Wetter zum ersten Mal seit einer gefühlten Ewigkeit ein wenig vom Frühling angehaucht; drinnen schiebt ein ahnungsloser Vertreter der o.g. Berufsgruppe „Alight Of Night“ in seinen Player. Nachdem ihn die ersten dumpfen Töne des Openers „The Dazzled“ eingehüllt haben tendiert die sonnige Stimmung schon eher wieder in Richtung Herbstdepression., was jedoch – das sei vorab gesagt – nichts mit der Qualität des Dargebotenen zu tun hat. Eher mit dem Dargebotenen selbst.

Zwar gehen die fünf Amerikaner von Crystal Stilts auf ihrem Debütalbum äußerst beschwingt zu Werke; fröhlich im üblichen Sinne ist das Ganze deshalb trotzdem nicht: Der typische Song auf „Alight Of Night“ besteht aus einem Grundgerüst aus tiefer, durchlaufender Basslinie, angezerrtem Gitarrengeschrammel, Orgel und einem eher im Hintergrund agierenden Schlagzeug, über dem Brad Hargetts monotone Stimme geradezu schwebt und psychedelisch Stimmung verbreitet. Unterstützt wird die kontrastreiche Melange aus groovender Instrumental- und schaurig-schleppender Gesangsfraktion durch jede Menge allgegenwärtigen Hall, der die interessante Gratwanderung zwischen bedrückender Melancholie und hypnotisch-tänzerischer Rhythmik noch verstärkt. Wahrlich alles Andere, als ein Album um den Winter zu verabschieden.

Aber apropos Gratwanderung: Die Band selbst bezeichnet The Velvet Underground als ihr größtes Vorbild, was unüberhörbar ist. Im Sound sind außerdem auch deutliche Parallelen zu Bands wie Joy Division und The Jesus And Maria Chain zu erkennen. Trotzdem schaffen es Crystal Stilts, nicht zur bloßen Kopie zu verkommen, sondern mit ihrer Indie-Gothic-Garage-Punk-Psychedelic-Mixtur einigermaßen eigenständig zu bleiben.

Den Reiz von „Alight Of Night“ macht der schon genannte Kontrast zwischen Trauer und Tanz aus, den Crystal Stilts von Song zu Song durch immer andere, kleine Soundvariationen neu interpretieren: Der Titeltrack wartet beispielsweise mit einer an MGMT erinnernden Orgelmelodie auf, der Song „Graveyard Orbit“ ruft durch Delay-Gitarren und Kirchenorgel Totentanz-Stimmung hervor. Wären die Beatles Untote, sie hätten einen Song wie „The SinKing“ schreiben können: Eine kurze, geradlinige Songperle mit tollem Groove und Ohrwurmgarantie und mein eindeutiger Favorit des Albums.

Crystal Stilts schaffen es, ihrem Stil auf Albumlänge treu zu bleiben und eine homogene Tracklist aus einem Guss abzuliefern, die ihren eigenen, grusligen Charme zunächst als Gesamtwerk versprüht, aus dem sich erst später einzelne Songs mit ihren ganz eigenen Besonderheiten herauskristallisieren.. Darunter finden sich einige wirkliche Perlen und einige eher mittelmäßige und teilweise etwas zähe Machwerke; wirklich schlecht ist aber kein Track des Albums. Wer es gerne melancholisch mag oder den Frühling um ein bisschen Herbststimmung bereichern möchte ist mit „Alight Of Night“ auf jeden Fall gut beraten.

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