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Cryptic Wintermoon: Fear

Alles in Eigenregie
Wertung: 8/10
Genre: Dark Metal
Spielzeit: 53:35
Release: 30.09.2009
Label: Eigenproduktion

Um mal ganz ehrlich zu sein: Ich wusste gar nicht, dass Cryptic Wintermoon überhaupt noch existieren. Wirklich bekannt war mir nur ihr empfehlenswertes Album „The Age Of Cataclysm“, welches mittlerweile schon stolze zehn Jahre auf dem Buckel hat. Ihre nachfolgenden Veröffentlichungen „A Coming Storm“ und „Of Shadows... And The Dark Things You Fear“ sind völlig an mir vorbeigegangen. Wie dem auch sei, seit dem Jahr 2005 (als das letzte Album erschien) hat sich einiges bei der deutschen Dark Metal Band getan.

Man trennte sich aus eigenen Stücken von Massacre Records, um völlig eigenständig und unabhängig agieren zu können. Dies hatte zur Folge, dass die Band sämtliche Kosten von „Fear“ selber tragen musste, brachte aber im Gegenzug auch völlige künstlerische Freiheit mit sich. Wie hoch die Kosten für dieses Album genau waren, entzieht sich meiner Kenntnis, aber man muss Cryptic Wintermoon Respekt für ihren Idealismus zollen. Schließlich holt man sich einen Andy Classen nicht für ein Trinkgeld, um ihn das Mastering machen zu lassen. Die Band erledigt alles mit sehr guten Ergebnissen in Eigenregie und kann ihren Supportern damit moderate Preise bieten. In der Hinsicht dürfte sie sich gut mit Bolt Thrower verstehen, die ja eine ähnliche Politik betreiben.

„Fear“ ist eindeutig als Cryptic Wintermoon-Album zu erkennen, auch wenn die Musik dunkler geworden ist und nicht mehr nur als Symphonic Black Metal der Marke Graveworm durchgeht. Die Gitarren sind in den Death Metal-Bereich heruntergestimmt und auf cleane Gesänge wartet man (mit einer Ausnahme – dazu später mehr) vergeblich. Das passt zum „1. Weltkrieg“-Konzept und der damit verbundenen genaueren Betrachtung der damaligen Kriegsführung. Man fühlt sich mehrmals an ältere Alben von Dark Tranquillity und an Riger erinnert.

Aus dieser Mischung ist mit „Fear“ ein abwechslungsreiches Album entstanden, das zwar kein Überwerk geworden ist, aber zeigt, dass sich der Schritt in die Unabhängigkeit gelohnt hat. Die massiv vom schwedischen Death Metal beeinflussten „Pride Of Australia“ und „Hellstorm Infantry“ zeigen eine neue Facette, die den Deutschen wunderbar zu Gesicht steht. Speziell „Hellstorm Infantry“ sollte auch Unleashed-Fans reinlaufen wie kühles Bier. Die musikalischen Wurzeln werden beispielsweise mit „Down Below“ offenbart, welches ein wenig an „Gods Of Fire And Ice“ erinnert. Und da wir gerade dabei sind: „One Of Your Sons Is Coming Home“ ist am ehesten als Black Metal-Ballade zu beschreiben und erinnert an die vergangene Großtat „As Daylight Dies“. Damit will ich der Band keinesfalls einen Hang zur Selbstkopie vorwerfen. Es ist einfach schön zu hören, dass sie immer noch genau wissen, wie man Keyboars am besten einsetzt und vor allem, wann man sie nicht überstrapazieren sollte. Sehr stark ist in dieser Hinsicht auch das an alte Dimmu Borgir erinnernde „The End“ mit seinen teilweise deutschen Texten.

Hier und da haben sich einige Durchhänger eingeschlichen, die aber glücklicherweise nie wirkklich langweilig werden, sondern eher zum Fluss des Albums beitragen. Ausnahme: Auf „Fear“ befindet sich eine Coverversion, die sich stark vom Rest des Songmaterials unterscheidet und das nicht nur, weil hier komplett clean und auf deutsch gesungen wird. Cryptic Wintermoon haben mit „Hundert Mann und ein Befehl“ nämlich ein Cover von Freddy Quinns eingespielt. Mächtige Chöre, Kriegssirenen und ein Marschrhythmus verleihen dem Antikriegslied eine ganz eigene Atmosphäre. Sehr ironisch, wenn man bedenkt, dass Quinn mit diesem Lied ein pro-militärisches Lied namens „The Ballad of the Green Berets“ umschrieb und eine völlig andere Aussage gab. Das dürfte der Urheber dieses Liedes mit Sicherheit nicht im Sinn gehabt haben.

Fazit: Die Musik stimmt, die Verpackung auch und die Einstellung der Band sowieso. Es gibt also keinen Grund, warum man der Homepage keinen Besuch abstatten und sich „Fear“ für faire 14 Euro nicht mitnehmen sollte. Ich bin gespannt, wie sich die Band in Zukunft entwickelt und verspreche hiermit, meine oben erwähnte Bildungslücke bald zu schließen.

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