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Cryptic Tales: Anathema

Lohnen sich Neuauflagen?
Wertung: 5/10
Genre: Death Metal
Spielzeit: 39:55
Release: 19.06.2009
Label: Redrum666

Cryptic Tales ist eine Band mit tiefen Wurzeln. Seit der Gründung durch Sänger Piotr Kopko 1989 haben Cryptic Tales dafür aber nur genau drei Alben herausgebracht. Das scheint auf den ersten Blick beeindruckend wenig, auch dann noch,  wenn man ihre siebenjährige Pause mit einbezieht.

Ihr letztes Album „VII Dogma Of Mercy“ erschien 2009 und gibt daher einen aktuellen Einblick in das Schaffen der Band. Ganz anderer Natur ist da ihr Debütalbums „Anathema“, das man 1993 zum ersten Mal hören konnte. Jetzt haben sie es unter anderem Label neu aufgelegt und fordern so erneut die Hörerschaft heraus. Dies ist übrigens aber nicht das einzige Album, das neu aufgemotzt wurde: In Wirklichkeit existieren von jeder CD der Band (außer der Demo) zwei Versionen und es ist fraglich, ob das als mangelnder Ideenreichtum gewertet werden muss.

Betrachtet  man heute Bilder und Musik von Cryptic Tales, so sticht der stachelige Black Metal im Dimmu Borgir ähnlichen Stil sofort hervor. Zu Zeiten von „Anathema“ war das aber noch ganz anders. Damals steckten Cryptic Tales musikalisch noch in ihren Kinderschuhen und widmeten sich zu dieser Zeit noch ganz dem Death Metal.

„Anathema“ ist ein Album mit dunklen Grundton und den ein oder anderen guten Ideen. Neben den üblichen Instrumenten lassen sich so auch Konzertgitarre und Kontrabass blicken. Besonders letzterer stimmt eine bedrohliche Atmosphäre an, wird aber viel zu selten eingesetzt, um seine Wirkung ganz zu entfalten. Auch hat man den Eindruck, dass der Kontrabass mehr als Geräusch als ein Musikinstrument angesehen wird.

Die akustische Gitarre ist besonders bei den Songs „Anathema“, „Steeple Of The Nightmare“ und „In Grave Rotting Is Slowly“ vertreten, indem sie die Lieder mit einem verschachtelten und anmutigen Solospiel ausklingen lässt. Die Gitarrenmelodien klingen wunderbar verträumt und sollten an dieser Stelle daher besonders hervorgehoben werden. Leider passen sie aber ganz und gar nicht zu der vorher gegangenen Stilrichtung der Songs und wirken daher nicht nur durch ihren plötzlichen Einsatz aus dem Zusammenhang gerissen. Es ist ersichtlich, dass Cryptic Tales Mut zu Experimenten haben und durchaus interessante Grundideen in ihnen stecken, nur die geschickte Verknüpfung scheint ein Problem darzustellen.

Mal davon abgesehen ist auch verwunderlich, dass diese angesprochenen drei Lieder durch den gleichen Songaufbau (erst bösartiger Death Metal, dann plötzlicher Wechsel zu einem sanften Konzertgitarrenende) so ähnlich wirken, dass man zweimal aufs Display sehen muss, um sich davon zu überzeugen, dass nicht die Repeat-Funktion aktiv ist.

Es gibt auch schon durchaus Keyboard-Einschübe, die den späteren Richtungswechsel der Band zum Black Metal erahnen lassen. Wie schon die Akustikgitarre, zeichnen sich diese Einschübe durch verträumte Melodien aus.

Auf dem Rest des Albums gibt es nicht all zu viel musikalische Abwechselung: Das Spiel ist einfach gehalten, egal, ob man sich nun auf das Schlagzeug oder die Gitarren konzentriert. Der einzige Unterschied ist, dass den Gitarren auch noch der ein oder andere Raum für Soli gegeben wird. Dieser wird aber leider nicht befriedigend genutzt. Einfache Riffs und Melodien begeistern nicht wirklich. Auch der Gesang von Piotr Kopko ist sehr guttural und böse, geht aber in den Songs so unter, dass man davon kaum etwas mitbekommt.  

Man kann hören, dass der Sound Durchschlagskraft hätte, nur haut er einfach nicht zu, sondern vertrödelt seine Spielzeit in ewigen Anläufen, sprich Wiederholungen.

Im Ganzen ist die Platte langatmig und eher gemächlich. Obwohl sie zeitweise mit stimmungsvollen, harten Anfängen überrascht, wie in „Steeple Of The Nightmare“, „Live In Vineless“ oder „Voices Inside The Beast“, verfallen die polnischen Herren doch immer wieder in ihr gleich klingendes Spiel, aus denen sie auch die häufigen aber halbherzig ausgefeilten Gitarrensoli nicht retten können. Das Schlagzeug hämmert, Gitarren schrammeln, der Gesang grunzt – leider könnte man das Review für dieses Album auf diese Aspekte reduzieren.

Allein die gedankenverlorenen Melodien der zusätzlichen Instrumente bringen einen dazu, bei der CD wenigstens stellenweise genauer hinzuhören. Klingt nicht danach, als ob die Band außergewöhnliche Qualitäten hätte, aber vielleicht sind Kinderschuhe auch einfach nur Kinderschuhe.

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