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Crushing Caspars: Back To The Roots… Nevertheless Up To Date

Ein Abriss über anderthalb Jahrzehnte Baltic Sea Hardcore
keine Wertung
Genre: Baltic Sea Hardcore
Spielzeit: 67:40
Release: 14.01.2011
Label: Dritte Wahl Records

Crushing Caspars sind eine Band, die man Szene-Eingeweihten eigentlich nicht mehr vorstellen muss, die aber im Rest der Welt wahrscheinlich kein Schwein kennt. Das Quartett ist so stolz auf seine nordischen Wurzeln, dass es seinen Mischmasch aus Old School Hardcore, Thrash Metal und Punkrock kurzerhand „Baltic Sea Hardcore“ taufte und diese Mixtur nun immerhin schon seit Mitte der Neunziger auf Platte presst. Mit „Back To The Roots… Nevertheless Up To Date“ wurde jetzt zwar nicht unbedingt ein „neues“ Album im eigentlichen Sinne kredenzt, die Scheibe hat es aber dennoch in sich: Als Appetizer kann man sich direkt von den beiden ersten EPs „The Crushing Caspars“ (1997) und „Provocation“ (1998) die Ohren durchputzen lassen, obendrauf gibt es eine bisher unveröffentlichte Aufnahmesession, bestehend aus acht Tracks, die unter dem schönen Namen „Bone Boogie“ laufen und wem das noch nicht genug ist, der darf sich über eine Coverversion des Dritte Wahl-Tracks „Halt Mich Fest“ freuen.

Gegen unsere Affinität zur Chronologie widmen wir uns zuerst den beiden Livevideos, die sich am Ende der Platte tummeln. Auffällig hierbei ist vor allem die Besetzung – einzige Konstante ist Sänger und Gitarrist Snoopy, der Rest der Band schaut in jedem der beiden Videos anders aus. Besonders sympathisch: Zu Beginn der Aufnahme zu „Dedication To The Scene“ vom With Full Force Festival 2009 mockiert sich Snoopy sichtlich über einen „Klient aus dem braunen Umfeld“, der den Begriff „Hardcore“ habe schützen wollen. „Wehrt euch!“, röhrt der Rostocker: „Dedication to you motherfuckers, dedication to the scene!“ Jedem, der annährend etwas mit Hardcore zu tun hat, geht bei einem solchen Aufschrei das Herz auf. Da stört es auch kaum, dass weder dieses Video noch der „Company“-Clip der 2008er Force Attack qualitativ besonders hochwertig daherkommen.

Nun aber zum rein auditiven Teil der Scheibe: Dankenswerterweise holzen die Hardcore Punks auf „Back To The Roots…“ einigermaßen chronologisch durch die Botanik, sodass man eine Entwicklung praktisch anhand der Tracks nachvollziehen kann. Zum Einstieg gibt es die ersten Fünf-Track-EPs der Combo auf die Ohren und was hier abgezogen wird, hat nicht nur Old School- sondern auch einen gewissen Garagen-Charme. Schön bollern Tracks wie „Failed“ durch die Lautsprecher, ordentlicher Hardcore mit Punk-Gerotze ist hier vorprogrammiert und über alledem thront das heisere Organ von Familienoberhaupt Snoopy (der übrigens nicht halb so knuffig aussieht wie man bei dem Spitznamen vermuten könnte).

Obwohl „Swallow Reality“ noch zur gleichen EP gehört, hat der Track einen völlig anderen Grundton als der Rest. Düster-bedrohlich wirkt der Song und bietet sogar etwas, das entfernt an klaren Gesang erinnert, eine willkommene Abwechslung zum aggressiven Gebell auf den sonstigen Tracks. „What We Know“ wirkt da schon deutlich klassischer, beherbergt sogar ein wunderbar nach alter Schule klingendes Gitarrensolo mit ordentlichen Thrash-Anleihen und auch sonst zeigt der Song die Crushing Caspars von ihrer besten Seite. Richtig cool kommt das bluesige „Trust Me (Part 1)“ daher, bei dem die Vocals leicht verzerrt wie aus einem alten Radio klingen – sehr fein und so völlig überraschend, wenn man sich die vorangegangegen Songs anhört.

„Playing With Fire“ kommt dann mit seinen sechseinhalb Minuten schon auf den ersten Blick untypisch daher, aber auch der Sound ist nicht unbedingt das, was man von einer Band wie Crushing Caspars erwartet hätte: erdige, fast Stoner Rock-mäßige Gitarren und ein dementsprechend reichlich drückender Bass werden zunächst mit gesprochenem Text verknüpft, bevor Snoopys heiseres Organ rufenderweise durchbricht. Ein Track, der einmal mehr beweist, dass die Jungs mehr drauf haben, als nur „einfachen“ Hardcore Punk zu produzieren. Den Song „Halt Mich Fest“ ihrer Kumpels Dritte Wahl haben die Rostocker kurzerhand zum 20-jährigen Jubiläum der Deutschpunks in ein Hardcore Punk-lastiges Gewand gekleidet, das um Längen aggressiver ist als das Original und sogar vor dem Einsatz von Doublebass nicht Halt macht.

Crushing Caspars mag man oder man mag sie nicht, aber für jeden Neueinsteiger ebenso wie für alteingesessene Fans dürfte „Back To The Roots… Nevertheless Up To Date“ ein gefundenes Fressen sein. Wer einen Überblick über das frühe Schaffen der Band bekommen möchte, dem sei diese CD wärmstens empfohlen.

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