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Crowbar: Sever The Wicked Hand

Wirklich gutes, wenn auch nicht überragendes Comeback-Album
Wertung: 7.5/10
Genre: Sludge Metal
Spielzeit: 51:50
Release: 11.02.2011
Label: Century Media

Seit über zwanzig Jahren treiben Crowbar nun bereits ihr Unwesen und brachten es dabei insgesamt auf stolze acht Studioalben – das letzte, „Lifesblood For The Downtrodden“, liegt nun allerdings schon sechs Jahre zurück. So lange mussten die Fans der Band noch nie auf eine neue Langrille warten, selbst nicht zwischen „Sonic Excess In Its Purest Form“ und eben „Lifesblood For The Downtrodden“, obgleich die Gruppe zwischen diesen beiden Platten für einige Zeit auf Eis lag.

Allerdings war Crowbar-Boss Kirk Windstein während dieser sechs Jahre nicht untätig – immerhin ist er auch noch bei Down beteiligt und gründete 2005 mit Hatebreeds Jamey Jasta Kingdom Of Sorrow, wo er ebenfalls Gitarre spielt und teilweise auch singt. Des Weiteren hielt er sich bis vor einigen Monaten in einer Entzugsklinik auf, um seiner Alkoholsucht Herr zu werden, was ihm auch gelang. Dass viele Musiker dieses Problem haben und anschließend in ihren Kompositionen verarbeiten, dürfte bekannt sein – ein sehr gutes Beispiel ist Ex-Dream Theater-Drummer Mike Portnoy, der sich in gleich mehreren Epen schrittweise mit dem Kampf gegen seine Dämonen auseinandersetzte – und so verwundert es nicht, dass sich das Thema wie ein roter Faden durch die Texte des neuen Crowbar-Albums „Sever The Wicked Hand“ zieht.

Schon den Titel beschreibt Windstein als eine Metapher, da diese „böse Hand“ die Hand sein kann, die die Flasche zum Mund führt oder einen Schein zusammenrollt, mit dem man sich eine Line Koks durch die Nase zieht. Doch viele Textpassagen, die der charismatische Bartträger mit seiner unnachahmlichen Reibeisenstimme vorträgt, machen die Thematik ohnehin deutlich. Klar, die fröhlichsten Lyrics haben die Jungs aus New Orleans noch nie verfasst, doch aufgrund von Kirks Erfahrung der letzten Monate sind sie diesmal verständlicherweise besonders persönlich geworden: „These things will make you stronger, depressing you no longer, you never feel this way again, just let it go and it will end“ heißt es beispielsweise im Titeltrack, „thank you for this new rebirth, things are not what they should be, broken soul has been set free“ in „Liquid Sky And Cold Black Earth“ – und ein Songtitel wie „Cleanse Me, Heal Me“ spricht ohnehin für sich.

Musikalisch hat sich nicht allzu viel verändert: Das Hauptaugenmerk liegt immer noch auf zähflüssigem, doomigem Sludge Metal, durchbrochen von einigen Uptempo-Passagen mit leichtem Hardcore-Einschlag. Zum Teil walzt man sogar so heavy durch die Botanik wie nie zuvor, wenngleich dieser Eindruck sicherlich auch von der amtlichen Produktion herrührt, die ordentlich knallt, der aber trotzdem stets die nötige Portion Dreck innewohnt, so wie es diesem Genre angemessen ist – die Gitarren jedenfalls brechen mit der Wucht einer Flutwelle über den Hörer ein. Und obgleich auf cleane Klampfen fast vollständig verzichtet wird (sieht man einmal vom beinahe transzendental anmutenden, ungewöhnlichen „A Farewell To Misery“ ab, bei dem Windstein nahezu sakrale Gesänge anstimmt, das sich aber dennoch gut ins Gesamtbild einfügt), werden immer wieder hübsche, häufig doppelläufige Gitarrenstimmen clever eingebaut, die im Mittelteil von „As I Became One“ und dem schon erwähnten „Liquid Sky And Cold Black Earth“ sogar ein wenig an My Dying Bride erinnern.

Letztgenanntes Stück ist dabei schwerer als ein Blauwal – in eine ähnliche Kategorie dürfte „Let Me Mourn“ fallen (klingt wegen der teils gedoppelten Gesangslinien fast wie Alice In Chains auf Doom), während der Titelsong und der erste Teil von „The Cemetery Angels“ (das in der zweiten Hälfte dann ebenfalls zu einem tonnenschweren Monster mutiert) im Uptempo gehalten sind. Mit dem Midtempo-lastigeren, effektiven „Protectors Of The Shrine“ hat man dann auch noch so etwas wie einen kleinen Hit am Start. So weit es im Rahmen ihrer selbst gesteckten musikalischen Grenzen liegt, haben Crowbar also für die nötige Abwechslung gesorgt, auch wenn wir diesmal leider auf eine schöne Akustikballade à la „Lifesblood“ verzichten müssen.

Alles in allem ist es eine zwar nicht überragende, aber absolut solide Scheibe, die Windstein selbst als „das vermutlich wichtigste Album“ in der Karriere der Band bezeichnet – nicht verwunderlich, wenn man bedenkt, was er in den letzten Monaten so hinter sich gebracht hat. Apropos: Was Kirks Gesang betrifft, so hat dieser, obwohl er nach eigenen Worten zum ersten Mal seit Ewigkeiten seine Vocals im Studio nüchtern aufnahm, nichts von seiner Ausdrucksstärke verloren, im Gegenteil: Wegen der besonders stark persönlich gefärbten Note der Texte schreit und brüllt der Frontmann nur umso emotionaler – man höre sich nur das verzweifelte, gänsehäutige „Echo An Eternity“ an.

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Absolut fantastischer Konzertabend, der kaum überboten werden kann