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Crossfaith: The Dream, The Space

Ein starkes zweites Album
Wertung: 8.5/10
Genre: Metalcore, Deathcore
Spielzeit: 30:25
Release: 27.07.2011
Label: Gan-Shin Records

Obwohl die japanische Musikszene in den letzten Jahren hierzulande einen wahren Sturm ausgelöst hat, dürften Crossfaith noch zu den unbekannteren Bands gehören, was vermutlich daran liegt, dass die Combo sich nicht dem Visual Kei hingibt, sondern mit einer gekonnten Mischung aus Metalcore und Elektro-Elementen überzeugen will. Und anscheinend machen die Jungs um Sänger Kenta Koie alles richtig: Bereits ihr Debütalbum „The Artificial Theory For The Dramatic Beauty“ heimste bei uns quasi aus dem Stand acht von zehn Punkten und der betreffende Kollege erging sich in Begeisterungsstürmen über die Kombination aus Metalcore-Riffing, derben Shouts und teils überraschen berührenden Keyboardstrukturen.

Völlig zu Recht, wie das neue Album „The Dream, The Space“ beweist. Zwar beschwören vereinzelte Synthiepassagen Parellelen zu Sonic Syndicate herauf, aber ganz ehrlich: so rich and famous die Schweden inzwischen auch sein mögen, für mich haben Crossfaith einfach den besseren Riecher, was Songarrangements angeht. Hier steckt die Leidenschaft noch im Detail, es geht nicht um das große Geld oder darum, die Erwartungen der Fans zu erfüllen – die Japaner scheinen genau das zu machen, worauf sie Bock haben und fahren damit genau richtig.

Eher unorthodox könnte man Crossfaith nennen, wie sie da auf ihrer neuesten Scheibe wüten, als wären sie nicht dem höflichen Japan, sondern den Straßen von New York entsprungen. Pluspunkte können die Fünf auf jeden Fall mit den englischen Texten auf ihr Habenkonto verbuchen – es macht doch irgendwie mehr Spaß, wenn man zumindest halbwegs versteht, was Sänger Kenta da so ins Mikro brüllt. Und der Junge legt los wie die Feuerwehr: von klarem Gesang über tiefe Growls bis hin zu typischem Hardcoregebell und Metalcore-Shouts beherrscht der Japaner die gesamte Palette und das ohne bei einem Stil auch nur ansatzweise eine schlechte Figur zu machen.

Erster Indikator dafür, wie lässig Crossfaith ihre Einflüsse mischen, ist „Chaos Attractor“, das auf den ersten Blick tatsächlich ein wenig chaotisch wirkt, dann aber mit seinem Keyboardgeplänkel und den darübergelegten schneidenden Riffs eine verdammt gute Figur abgibt. Kenta pendelt zwischen gerufenen Vocals und großartigen Shouts, die spontan ein wenig an Cypecores Attila erinnern und beinah ebenso brutal durch die Boxen knallen. Der Titeltrack ist dann ein weiterer solcher Knaller: Los geht’s mit recht brachialen Riffs und knallendem Drumming (überhaupt ist der Drumsound nahezu perfekt) und flirrenden Hintergrundsamples, die dem Ganzen eine flotte Dynamik geben, wenn es überhaupt einer solchen Unterstützung bedurft hätte.

Nach dem fragilen Keyboardstück „Panorama (Interlude)“, das einem direkt eine dicke Gänsehaut und eine unbestimmte Sehnsucht zaubert, schlägt „Crystal Echos Back To Your Tragedy“ nochmal ordentlich zu: der Song stellt nach mehrmaligem Hören und fieberhaftem Nachdenken tatsächlich das absolute Highlight der Platte da; von Anfang an prescht der Song ohne unnötiges Brutalo-Geballer nach vorne, der Sound fängt die Stimmung perfekt ein, die Vocals variieren genau an den richtigen Stellen – man könnte meinen, Crossfaith hätten Bücher darüber gelesen, wie der perfekte Metalcore-Song zu schreiben ist. Die zarten Keyboardtöne werden in den Hintergrund gestellt, kreiern aber genau durch diese dezenten Einsprengsel eine sehnsuchtsvolle Atmoshpäre, die super zum vorangestellten „Panorama“-Instrumental passt.

Bei solchen Songs fällt es einem nicht schwer zu glauben, dass die nächsten großen Helden des Metalcore aus Japan kommen könnten. Dabei klingen die Songs von Crossfaith schon beim zweiten Album ausgeklügelter und gleichzeitig spontaner und impulsiver als bei vielen anderen Bands mit mehr Erfahrung – einer Senkrechtstarterkarriere auch hierzulande steht mit „The Dream, The Space“ jedenfalls nichts mehr im Wege. Bleibt nur zu hoffen, dass die Qualität der Songs nicht proportional zum Bekanntheitsgrad abnimmt.

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