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Crossfade: We All Bleed

Wertvoller denn je
Wertung: 8.5/10
Genre: Alternative Rock
Spielzeit: 49:07
Release: 22.07.2011
Label: Eleven Seven Music

Die US-Boys Crossfade aus South Carolina sind ein sehr gutes Beispiel dafür, wie und wann die Mechanismen im Musikbusiness greifen. Einst mit dem selbstbetitelten Debüt „Crossfade“ und gerade durch den Song „Cold“ zu einem Stern am amerikanischen Musikhimmel und so zu einem Millionenseller geworden, kackten Crossfade mit dem Nachfolger „Falling Away“ im Jahre 2006 verkaufstechnisch dermaßen ab, dass dem Label (Achtung: Ironie) natürlich nichts anderes übrig blieb, als der Band den Vertrag aufzukündigen – nur was sich rechnet, ist anscheinend für einen Manager gut genug, ein Zahlenspiel, welches heute genauso funktioniert wie damals und beileibe kein Hinweis auf Qualität ist.

Natürlich geht das an einem kreativen Kopf wie Gitarrist und Sänger Ed Sloan nicht spurlos vorüber – gerade noch mit goldenen Löffeln gegessen, danach noch froh, wenigstens ein paar Essstäbchen aus Plastilin zu haben – die Sinn- und Komponierkrise war vorprogrammiert. Als Less Hall dann entschied, sich als Vollzeitmitglied bei Crossfade einzubinden, war das wie ein fetter „Tritt in den Allerwertesten“ und verhalf der Band weg vom verdrogten Schlingerkurs zurück in den Hafen namens Studio. Die Truppe riss sich zusammen und bündelte endlich einmal wieder ihre Energien – oder auch Synergien – und ganze fünf Jahre nach dem zumindest kommerziell gesehenen Rückfall steht mit „We All Bleed“ das nächste und dritte Scheibchen ins Haus.

Wer jetzt wegen der verkauften Million belanglosen Weichspülkram erwartet, ist schief gewickelt. Natürlich braten nicht die Gitarren in einem durch, denn Crossfade wollen nicht komplett ihre Wurzeln verleugnen. Süffisant kann man doch über „Dear Cocaine“ schmunzeln, eine balladeske Verarbeitung mit Klavierbegleitung und mehrstimmigen Gesumme, und trotz der vermeintlich leichten Kost kein übler Radiorotz der Lyrics wegen. Selbst Leute, die denken, dass alle gute Balladen schon geschrieben sind, werden sicherlich an der persönlichen Verarbeitung Gefallen finden – und bei „I’m Coming Down“ muss man doch nicht auf die Gitarren verzichten, die in bester Grunge-Manier geil groovend das Ende des Song einleiten.

Gerade im Mittelteil der Scheibe werden Crossfade etwas ruhiger und wenn Ed ein wenig „schiefer“ singen würde, dann könnte „Suffocate“ durchaus auch auf einem alten Alice In Chains-Album stehen. Dass Balladen auch richtig interessant sein können, beweisen sie mit „Lay Me Down“ – die Gitarren und die Keys flirren fast surreal um die Wette und bauen trotz des schleppenden Sounds eine beunruhigende Wirkung auf – ganz großes Kino, wie so die Gegensätze harmonieren.

Doch Crossfade können auch anders, wie z.B. bei dem Opener „Dead Memories“, welches mit einem Soundgarden-ähnlichen Riff unterlegt und teilweise verfremdeter Stimme für einen hart rockenden Start sorgt und sich mit gerade einmal fast drei Minuten zu einem kurzweiligen Genuss hämmert. Auch der Titeltrack „We All Bleed“ lebt von der wechselnden Dynamik zwischen den elektronischen Spielereien und den brummenden Gitarrenparts.

Wer so alle Trademarks der Scheibe gebündelt haben will, der skipt gleich einmal zum Rausschmeißer „Make Me A Believer“ durch – Laut-Leise-Spielereien treffen auf emotionalsten Gesang, die Gitarren und auch das Keyboard sorgen hier für eine flirrende Dynamik – einfach mächtig, wie zehn Minuten Musik dafür sorgen, sich wieder gut zu fühlen.

Vielleicht muss man erst durch den kreativen Sumpf kriechen, um sich auf die eigenen Stärken zu besinnen, vielleicht ist es einfach nur hilfreich, die vermeintlich helfenden Pillen der Klospülung zuzuführen und das Tütchen Kokain in den nächsten Ausguss zu kippen - Crossfade haben sich sicherlich die Finger übelst am Business und dem Haifischbecken Rock’n’Roll verbrutzelt, doch wer nach Jahren der persönlichen Hölle noch soviel Eigenblut in „We All Bleed“ packen kann, der darf dann feist grinsend ein „Willkommen“ entgegen nehmen. Crossfade haben ganz sicher kein Album „auf Nummer sicher“ herausgehauen, sondern gehen ganz bewusst recht kompromisslos zu Werke und sind dadurch wertvoller denn je.

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