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Criminal: White Hell

Authentisch vertonte Aggression
Wertung: 8/10
Genre: Thrash Metal
Spielzeit: 50:08
Release: 27.02.2009
Label: Massacre Records

Südamerika ist kein weißer Fleck, was gute Bands angeht; man denke beispielsweise an Sepultura oder auch Krisiun. Doch es existieren auch weitere Formationen, die – aus welchen Gründen auch immer – noch nicht die Aufmerksamkeit erfahren haben, die ihnen zusteht.So geschehen ist dies im Falle der chilenischen Thrash Metaller Criminal. Nachdem ihr im Jahre 2000 erschienenes Album „Cancer“ in Europa abgefeiert wurde, in der Heimat der Band jedoch kaum Beachtung fand, entschied sich ein Jahr später zuerst Bandkopf Anton Reisenegger und später auch Gitarrist Rodrigo Contreras dazu, nach Europa zu ziehen. 
„White Hell“ markiert das nunmehr sechste Album in der Geschichte des Quartetts, das in der Zwischenzeit schon die Bretter mit Megadeth, Slayer und auch Sepultura geteilt hat, um nur einen Bruchteil der Szenegrößen zu nennen. 

Als ob die Herren all die negativen Dinge, die sie in der Vergangenheit erlebt haben, verarbeiten wollten, besticht die Scheibe durch eine gehörige Portion Aggressivität und Bissigkeit. Dies merkt man schon daran, wie der erste Song „21st Century Paranoia“ durch Antons und Rodrigos Riffing straight nach vorne geht und wie rotzig Anton seine Vocals heraus schleudert - als ob er jemandem damit einen Schlag ins Gesicht versetzen wollte. Hinzu gesellt sich das toughe Drumming von Zac O´Neil, der bestens von Dan Biggins Bass unterstützt wird.  

Gleich zu Beginn von “Crime And Punishment” erfährt man trotz der zwingenden Härte die virtuosen Fähigkeiten der Gitarrenfraktion. Hier wird die Nackenmuskulatur sowohl durch die Midtempo-Parts in der Strophe als auch in den schnelleren Passagen bestens auf Betriebstemperatur gebracht. Und in Ehrfurcht verneige man sich vor diesem Gitarrensolo. Bei der dem Solo folgenden Bridge erschaffen die Jungs eine solch bedrückende Stimmung, dass einem Angst und Bange wird. Oder man erlebt seinen ersten Begeisterungshöhepunkt. 

Die Jungs pfeifen auf alles und jeden, der sich ihnen in den Weg stellt. Diesen Eindruck gewinnt man zumindest beim folgenden Stück “Incubus”, in dem die Vocals wieder fast herausgespuckt zu werden scheinen und das Riffing sich wie ein Nagel durch ein Pfund Butter in des Hörers Herz hämmert. Eine sehr gekonnte Brigde, die durch einen enormen Input an Melodie geprägt ist, schafft Abwechslung.  

Als Thrash-Hymne startet “Black Light”, wobei man hier auch einmal die Produktion der Scheibe positiv erwähnen sollte, denn das Material klingt wunderbar zwingend und verbindlich. Ich sehe schon vor meinem geistigen Auge, wie die Massen bei einem Gig das „Black Light“ mit allem, was ihre Stimmbänder hergeben, mitgrölen werden.  
Bei all der Begeisterung, welche die vorherigen Songs auszulösen imstande sind, bleibt bei „The Deluge“ lediglich das genial gespielte Gitarrensolo im Kopf. Ansonsten hängt das Material dieses Songs irgendwie etwas durch.  

Gar rockige Klänge folgen eingangs des Songs „Strange Ways“, der mit einem mörderischen Groove danach wieder knackiges Riffing auffährt und mit dem rotzig-wütenden Growling symbolisch wieder mitten auf die Beißerleiste zu zielen scheint. Unerreicht klasse klingt wieder einmal das Gitarrensolo im Speziellen und die melodische Arbeit an den Gitarren im Allgemeinen.

Das, was zuvor bei “The Deluge” schon Fakt war, wiederholt sich nun bei “Mobrule” leider schon wieder: Hier bleibt leider nur das instrumental Dargebotene hängen. 
Die Sorgenfalten glätten sich im Laufe des waschechten Thrash-Stückes „The Infidel“ aber wieder, denn es zeigt sich herrlich abwechslungsreich und liefert sowohl den Riff-Fans als auch den Solo-Liebhabern wieder eine Vollbedienung, die sich gewaschen hat. Eine herrliche Gitarrenarbeit eröffnet „Invasion“, das im weiteren Verlauf auch einmal mit core-ähnlichen Gitarren experimentiert, dies glücklicherweise nur kurz, bevor ein weiteres geniales Solo die Herrschaft über die Töne übernimmt. 

Ein weiteres Mal geht es treibend in den nächsten Song „Eyes Of Temptation“, das mit fast schon irrwitzig schneller Gitarrenkunst aufwarten kann – echt Wahnsinn! In dem Song „Bastardom“ wird dagegen wieder die mächtige Portion Wut im Bauch deutlich. Und unglaubliches Können offenbart sich wieder im brillanten Solo an der Gitarre.  
Unglaublich düster ist das Eingangsriff zu dem schon letzten flotten Killersong „Sons Of Cain“. Im Gegensatz zu den pfeilschnellen Soli, denen man sonst auf diesem Album lauschen durfte, ist das Gitarrensolo hier zwar von langsamerer Machart, büßt aber dennoch nichts von seinem Charme ein. 

Produziert wurde die Scheibe von Neak und Bassist Dan in den britischen HVR Studios. Ganze Arbeit haben die Jungs also geleistet, denn was das Aggressionspotenzial und die Durchschlagskraft angeht, ist die Produktion der Scheibe wirklich gut gelungen.  

Fazit: Criminal sollten ab der „White Hell“ nicht nur Fans von At The Gates auf dem Merkzettel haben, sondern alle Fans des gepflegten Thrashs sollten ein Ohr riskieren. Solch authentisches Material verdient es, beachtet zu werden.

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