Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

Cradle Of Filth: The Manticore And Other Horrors

Leichte Veränderungen, gleichbleibende Qualität
Wertung: 8/10
Genre: Black/ Gothic Metal
Spielzeit: 51:40
Release: 02.11.2012
Label: Peaceville

Dass Cradle Of Filth in diesem Leben keine musikalische Revolution mehr starten würden, war wohl jedem klar, dazu haben die Engländer schon vor viel zu langer Zeit ihren völlig eigenständigen Stil irgendwo zwischen symphonischem Black und Gothic Metal etabliert, der eben derart unverkennbar ist, dass es kaum wirklich möglich erscheint, allzu einschneidende Veränderungen vorzunehmen – der im Mai erschienene Doppeldecker „Midnight In The Labyrinth“, auf dem einige ausgewählte Bandklassiker Soundtrack-artig im Orchestergewand dargeboten wurden, bildete (ähnlich wie bei den Kollegen von My Dying Bride mit „Evinta“) natürlich nur eine Ausnahme. Immerhin überraschte Frontmann Dani Filth im Vorfeld mit der Aussage, beim neuen, „The Manticore And Other Horrors“ betitelten Album gäbe es im Vergleich zu früher ein paar Änderungen zu verzeichnen; es sei „etwas punkiger, strukturierter und kürzer“, habe „ein bisschen mehr sing-along“ und man habe sich „mehr auf Melodie und Technik“ konzentriert.

Dies ist nicht von der Hand zu weisen, ein bisschen mehr Punk-Schlagseite als sonst ist wohl wirklich vorhanden, wobei dieses Element ja schon immer auch im Sound der Briten zu finden war, wenn auch nicht immer vordergründig. „For Your Vulgar Delectation“ (was für ein grandioser Titel übrigens) beispielsweise besitzt jedoch tatsächlich ein betont punkiges Mainriff, insgesamt ist das Songwriting definitiv kompakter (auf der Scheibe gibt es keinen Song von über sechs Minuten Länge), sodass der Zugang insgesamt leichter fällt, und doch sind Keyboards und orchestrale Elemente mindestens so präsent wie eh und je.

Es liegt mit „The Unveiling Of O“ (angelehnt an den SM-Roman „Die Geschichte der O“) im Gegensatz zum Vorgänger „Darkly, Darkly, Venus Aversa“ auch wieder ein instrumentales Intro vor, welches einen gleich in die typische Cradle-Stimmung versetzt, bevor es bei „The Abhorrent“ ordentlich auf die Zwölf gibt, wie fast traditionell bei den Openern der Briten. Der sehr melodische Chorus mit der markanten Gitarrenmelodie hakt sich flugs fest und trotz des Gemetzels bleibt viel Raum für exzessive Keyboardspielereien, die in der Art wie sie eingesetzt werden, wahrhaftig an den großartigen 2000er Output „Midian“ erinnern, den die Band ebenso als Vergleich heranzog. Mit anderen Worten: In puncto Arrangements haben unsere Lieblings-Grusel-Metaller erneut großen Aufwand betrieben und sehr clever und gekonnt straighteres Material mit anspruchsvoller, facettenreicher Tastenmagie kombiniert – hier ein eleganter Klavierlauf, da eine schaurig-schöne Orgel, hier ein paar Strings, da erhabene Chöre; Cradle at their best und doch ohne nur ein Abklatsch ihrer selbst zu sein. Auffällig sind auch die sauber ausgearbeiteten, stärker als sonst hervorstechenden Gitarrenmelodien. Das ewige Genöle einiger, jedes Album der Gruppe würde ja eh gleich klingen, wird jedenfalls wieder einmal als absoluter Blödsinn entlarvt.

Nimmt man sich die Zeit, entdeckt man selbstredend auch wieder die kleinen Details, die einem zunächst verborgen bleiben, so zum Beispiel Sitarklänge und eine kurze, orientalisch anmutende Sequenz im Titelstück. In der hier kredenzten Form wohl ein Novum bei der Truppe, doch nicht unbedingt so verwunderlich, denn ein Mantikor ist ein der persischen Mythologie entsprungenes Fabelwesen mit einem Löwenkörper und einem menschenähnlichen Kopf, das im indischen Dschungel hausen soll. Da das Album jedoch „The Manticore And Other Horrors“ genannt wurde, ist klar, dass es sich beim insgesamt zehnten CoF-Studioalbum nicht erneut um ein Konzeptalbum handelt, sondern stattdessen mehrere kleine Horrorgeschichten in gewohnt extremer Manier von Märchenonkel Dani gebrüllkreischt/ erzählt werden. So drehen sich die beiden fantastischen, treibenden Midtempo-Hymnen „Illicitus“ und „Pallid Reflection“ um Lykanthropie und Vampirismus, während „Frost On Her Pillow“, zu dem als wohl eingängigstem Stück der Platte auch ein Video gedreht wurde, von Grimms Märchen inspiriert sein soll; „The Abhorrent“ und „Siding With The Titans“ hingegen von Lovecraft.

Auch wenn Cradle Of Filth sowohl in lyrisch-konzeptueller als auch in musikalischer Hinsicht also leicht variieren, wäre es dennoch übertrieben, von großen Überraschungen zu sprechen. Fakt ist aber, dass die Band wieder mal mit einer Handvoll bärenstarker Songs aufwartet und sich kaum ein Fan wirklich wird beschweren können. Selbst das zunächst etwas irritierende kurze Techno-Intro bei „Huge Onyx Wings Behind Despair“ kann verschmerzt werden, da sich die Nummer anschließend als schnellste und brutalste des Albums entpuppt. Angst vor überflüssigen Disco-kompatiblen Remixen wie in der Vergangenheit muss auf jeden Fall niemand haben. In der Deluxe-Edition sind mit den ebenfalls geschmackvoll betitelten „Nightmares Of An Ether Drinker“ sowie „Death, The Great Adventure“ noch zwei zusätzliche Tracks enthalten, die in der Promoversion allerdings nicht dabei waren.

comments powered by Disqus

Absolut fantastischer Konzertabend, der kaum überboten werden kann