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Cradle Of Filth: Hammer Of The Witches

Beste Scheibe der Engländer seit langem!
Wertung: 9.5/10
Genre: Black/Gothic Metal
Spielzeit: 56:05
Release: 10.07.2015
Label: Nuclear Blast

Angesichts der Menge an Material, das Cradle Of Filth über die Jahre hinweg veröffentlichten, ist es beachtlich, dass die Band nie einen wirklich schlechten Output herausgebracht hat, auch wenn gerade die beiden letzten Scheiben „nur“ solide waren. Mit dem vorliegenden „Hammer Of The Witches“ jedoch ist es ihnen ohne Witz geglückt, mal wieder einen, ähem, absoluten Hammer vorzulegen. Ja, ganz richtig gelesen, Freunde der Sonne – glaubt es oder auch nicht, aber dieses Album ist ein Volltreffer geworden. Dani hatte im Vorfeld versprochen, dass es wieder eine richtig klassische Cradle-Platte geben solle, mit vielen Twingitarren, jeder Menge musikalisch ansprechender Details und eben allem, was man von dieser Band hören will.

Natürlich sind Anspruch und Realität nicht immer dasselbe, doch hat der gute Mr. Filth seine ansonsten gerne mal große Klappe diesmal nicht zu weit aufgerissen: „Hammer Of The Witches“ steckt von vorne bis hinten mit tollen Songs vollgestopft mit exzellenten Riffs, großartigen Melodien, fantastischen Breaks und technisch hochwertigen, fein ausgearbeiteten Details, die jeden Fan mit der Zunge schnalzen lassen werden. Vor allem aber ist endlich wieder diese besondere Stimmung da, die Klassiker wie „Dusk And Her Embrace“ oder „Midian“ auszeichnete – als Beispiel sei der vorab veröffentlichte Track „Deflowering The Maidenhead, Displeasuring The Goddess“ (jetzt schon zweifellos der Songtitel des Jahres) genannt, der mit seinem Facettenreichtum und einem brillanten Arrangement beeindruckte.

Der Opener „Yours Immortally“ nach dem gewohnten orchestralen, mystisch angehauchten Intro lässt zwar noch eher an die jüngere Vergangenheit à la „Darkly, Darkly, Venus Aversa“ denken, doch versteht es dieser erste Song bereits, mehr mitzureißen als seine Pendants auf den Vorgängerplatten. Irgendwie scheint wieder mehr Leidenschaft und Hingabe da zu sein und mit „Enshrined In Crematoria“ schlägt man anschließend auch deutlich düsterere Töne an – hier kommen Erinnerungen an „Damnation And A Day“ auf: Pechschwarze Atmosphäre, ein Killerriff reiht sich ans nächste, geschmackvoll kredenzter symphonischer Bombast – geil!

Auffälligstes Merkmal sind schon hier die göttlichen Gitarren – die zahlreichen Soli und Licks können einfach niemanden kalt lassen und in der alles überragenden Nummer „Blackest Magick In Practice“ zaubern die Engländer eine dermaßen unverschämt eingängige Melodie aus dem Hut, die den Schädel 24/7 nicht verlassen will. Trotz der aggressiven Zwischenparts geradezu ein Hit – und ein weiteres Beispiel für das schwindelerregend hohe Songwriting-Niveau auf dieser Platte. Wie kreativ und spielfreudig mit dieser kleinen, aber feinen Melodie gearbeitet und wie sie variiert wird, ist ein einziger Genuss und das überirdische Schnörkelriff im Refrain bringt einen jedes Mal dazu, die Luftgitarre auszukramen.  

Genauso im ironisch betitelten „Onward Christian Soldiers“, bei dem sich brutalste Raserei mit schneidenden, untypisch rockigen Riffs abwechseln, bevor es in ein melodisches Finale geht, bei dem erneut erhabene Leadgitarren von allererster Güte und mit viel Esprit begeistern. Was für eine Ironie, sind doch mit Paul Allender und James McIlroy vor nicht allzu langer Zeit gleich beide Axtschwinger gegangen; Allender war in den letzten Jahren der Hauptsongwriter, doch die beiden Neulinge Richard Shaw und Marek „Ashok“ Šmerda bringen ganz offensichtlich wieder Schwung in den Laden (während das Debüt von Allenders Projekt White Empress, an dem er angeblich so lange gearbeitet hat, total in die Hose gegangen ist). Und beim mit einem bemerkenswert melancholischen Chorus versehenen „The Vampyre At My Side“ ist zu Beginn sogar Platz für eine Akustikgitarre. 

Auch in Sachen Keyboardbombast agiert man gleichzeitig durchdacht und vielfältig wie lange nicht mehr: Hier eine Gänsehaut-Orgel, da ein eleganter Pianolauf, dort ein Synthesizer und über allem eine stets wohl dosierte Orchestrierung. Apropos Keyboards: Hier gibt es ebenso schon wieder einen Wechsel zu verzeichnen. Caroline Campbell ist nach nur zwei Jahren wieder Geschichte und wurde durch Lindsay Schoolcraft ersetzt, die wie ihre Vorgängerin auch für die weiblichen Vocals zuständig ist. Besonders im ebenfalls vorab präsentierten „Right Wing Of The Garden Triptych“ kann sie sich in letzterer Disziplin hervortun; die von ihr übernommene Hauptgesangslinie weiß durch die mäandernde Melodie gut zu gefallen. Ansonsten überlässt sie weitestgehend Dani die Show und kontrastiert seine Growls, sein Gekreische, Gekeife, Geknurre und Geflüster nur sporadisch, im dramatischen Titelstück eher durch quasi Sprechgesang.

Dass es sich bei den Songs teilweise um stilistische Achterbahnfahrten handelt, dürfte allein bei den Längen der Kompositionen (alles zwischen gut sechs und sieben Minuten) wohl klar sein. Aber es passt und das so gut und ausgewogen wie lange nicht mehr und gerade nach dem vergleichsweise simpler gestrickten „The Manticore And Other Horrors“, das nicht bei allen auf Gegenliebe stieß, dürfte dieses Feuerwerk vor allem auch wieder ältere Fans ansprechen, die sich längst von der Band abgewendet hatten. „Hammer Of The Witches“ ist ein spannendes, musikalisch hochklassiges und frisch tönendes Album geworden, das druckvoll produziert wurde und dabei die majestätische Düsternis von „Dusk And Her Embrace“, die versierte Melodik von „Midian“ und die Durchschlagskraft von „Damnation And A Day“ vereint und somit selbst das Zeug zum Klassiker hat. Ich ziehe meinen Hut.

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