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Cradle Of Filth: Godspeed On The Devils Thunder

Cradle sind zurück!
Wertung: 8.5/10
Genre: Black, Gothic Metal
Spielzeit: 71:15
Release: 24.10.2008
Label: Roadrunner Records

Cradle Of Filth haben von jeher die Metal-Gemeinde gespalten, das ist nichts Neues und wird sich auch mit der neuen Scheibe nicht ändern, auch wenn man im Gegensatz zum rockigeren „Thornography“ wieder deutlich mehr aufs Gaspedal tritt und an Werke wie „Midian“ und „Damnation And A Day“ anknüpft.

„Thornography“ war insgesamt sicher nicht so schlecht, wie von vielen Seiten behauptet – es zeigte Cradle einfach mal von einer ganz anderen Seite; die Engländer sind im Gegensatz zu vielen, ach so bösen, truen Black-Metal-Combos eben darauf bedacht, auch mal was anderes auszuprobieren und sich nicht mit jedem Album zu wiederholen.
Das ist aller Ehren wert und dieses Experiment sei ihnen zugestanden, trotzdem handelte es sich bei dem Vorgänger zum hier besprechenden Album meiner Ansicht nach um die schwächste Platte des Sextetts, da das sonst so überzeugende Songwriting teilweise doch erhebliche Schwächen offenbarte (z. B. das lahme „Byronic Man“).

Der 2004-er-Output „Nymphetamine“ wiederum war zwar insgesamt ziemlich gut, konnte mit den Vorgängern „Damnation And A Day“ und „Midian“ allerdings nicht ganz mithalten – selbstverständlich jedoch ist es nicht gerade die leichteste Aufgabe der Welt, diesen überragenden Meisterwerken ein vollständig ebenbürtiges Album folgen zu lassen.

Nun jedenfalls hat man sich wieder vollends auf alte Stärken besonnen und präsentiert ein typisches Cradle-Of-Filth-Album, das wieder viel düsterer als der Vorgänger ist, voll auf die Zwölf geht, spielfreudig herüberkommt, dank bombastischer Chöre und Frauenstimmen sämtliche Trademarks innehat, die die Band auszeichnen und vor allem durch die Bank starkes Songwriting vorweisen kann. Wieder einmal legt man ein Konzeptalbum vor – bekanntlich nicht das erste Mal.

Nachdem man sich auf „Damnation And A Day“ mit John Miltons „Paradise Lost“ befasste, auf „Midian“ Clive Barkers Roman „Cabal“ konzeptionell verarbeitete, die Werke Sheridan Le Fanus als Inspiration für „Dusk And Her Embrace“ nahm und auf „Cruelty And The Beast“ das Leben der ungarischen Gräfin und Serienmörderin Elisabeth Báthory vertonte, hat man sich für „Godspeed On The Devil’s Thunder“ mit Gilles de Rais einen weiteren historischen Mehrfachmörder vorgeknöpft. Der im 15. Jahrhundert zur Zeit Jeanne d’Arcs lebende französische Heerführer soll mehr als 140 Kinder umgebracht haben – solch makaberer Stoff ist natürlich bestens für eine Band wie Cradle geeignet...

Aufgebaut ist „Godspeed On The Devil’s Thunder“ zunächst wie immer: Mit „In Grandeur And Frankincense Devilment Stirs“ liegt ein typisches, atmosphärisches Intro vor, dem in Form von „Shat Out Of Hell“ ein Arsch tretender Geschwindigkeitsbolzen ganz in der Tradition von „Cthulhu Dawn“, „Dirge Inferno“ oder „Gilded Cunt“ folgt.
Etwas ruhiger wird es danach mit dem Gothic-lastigen Midtempo-Stück „The Death Of Love“, das einen hübschen, eingängigen Refrain mit Frauenstimme bietet und definitiv am leichtesten zugänglich ist.

Das anschließende „The 13th Caesar“ beinhaltet dann einen schönen Fäuste-in-die-Luft-schüttel-Mitgröl-Chorus und das von dem spannungsgeladenen Zwischenstück „Tiffauges“ eingeleitete „Tragic Kingdom“ ist ganz großes Kino für die Ohren in bester Cradle-Manier: aggressive, fiese Keif-Passagen der Marke Dani Filth, die von Blastbeats und Chören untermalt sind und welche immer wieder von melodischen Parts unterbrochen werden. Ganz stark auch „Sweetest Maleficia“ mit fettem Main-Riff, treibender, sich steigernder Strophe und nachvollziehbar gesetzten Breaks. 

Das ebenfalls gelungene, dank der Chöre teils leicht hymnenartige, bombastische „Honey And Sulphur“ ist dann der Auftakt zu den beiden mit jeweils neun Minuten längsten Tracks des Albums, die gleichzeitig zweifelsohne auch die Highlights der Platte darstellen.

„Midnight Shadows Crawl To Darken Counsel With Life“, der erste der beiden Longtracks wurde von Dani bereits als sein Favorit der neuen Scheibe bezeichnet und bietet tatsächlich sämtliche Trademarks, die Cradle Of Filth auszeichnen: rasend schnelle Passagen, plötzliche Breaks, in denen flüsternde Frauenstimmen erklingen, formidables Riffing und Bombast-Keyboards. Sehr geil, wie man zum Ende hin wieder zum Anfangs-Riffing zurückkehrt und ziemlich cool, wie das Klavier über dem Blastbeat-Gemetzel schwebt. Ein ähnliches gilt für „Darkness Incarnate“, bei dem sogar Danis kleine Tochter einige Worte wispern darf.

Ein wenig verschnaufen darf man dann bei dem ruhigeren, langsameren, mit hübscher Gitarrenmelodie versehenen „Ten Leagues Beneath Contempt“, bevor beim Titelstück noch einmal die Nackenmuskulatur strapaziert wird.

Das Fazit ist also ganz klar: Cradle Of Filth sind mit einer starken Scheibe zurück. Produktion, Songwriting und Arrangements können sich hören lassen und das Konzept um Gilles de Rais beweist, dass Dani einmal mehr kräftig Bücher gewälzt hat. Als Erzähler, der zwischen den Songs immer mal einige gesprochene Passagen aus Sicht von de Rais zum besten gibt, um die Story abzurunden, stand übrigens einmal mehr Doug Bradley zur Verfügung. An „Dusk And Her Embrace“, „Midian“ und „Damnation And A Day“ kann „Godspeed On The Devil’s Thunder“ zwar nicht heranreichen und das ein oder andere Riff oder die ein oder andere Melodie mag man vielleicht schon mal in ähnlicher Form gehört haben, aber trotzdem liegt uns hier eine sehr gute Scheibe vor, die es sich zu kaufen lohnt. Empfehlenswert ist die limitierte Auflage, die etliche Bonustracks beinhaltet.

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