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Cradle Of Filth: Existence Is Futile

Wieder deutlich eingängiger als der Vorgänger
Wertung: 8,5/10
Genre: Extreme/Black/Gothic Metal
Spielzeit: 70:18
Release: 22.10.2021
Label: Nuclear Blast

Wie die Zeit rennt – das zweite Album „Cryptoriana – The Seductiveness Of Decay“ des runderneuerten Cradle Of Filth-Line-ups, das 2015 mit „Hammer Of The Witches“ furios durchstartete, liegt nun auch schon wieder vier Jahre zurück. Ausgiebiges Touren und gesundheitliche Probleme von Keyboarderin und Sängerin Lindsay Schoolcraft, die letztlich leider zu ihrem Ausstieg führten, ließen die Band erst 2020 wieder zusammenkommen, um am insgesamt 13. Full-Length-Werk zu feilen. Der Titel „Existence Is Futile“ ist selbst für Cradle-Verhältnisse ziemlich nihilistisch, habe jedoch nichts mit der Pandemie zu tun, wie Fronter Dani Filth erklärt, denn Musik und Texte seien bereits vor deren Ausbruch fertiggestellt worden. Vielmehr ginge es um Existentialismus und die Furcht vor dem Unbekannten – bekannte, aber ebenso unerschöpfliche Themen –, wobei auch mal wieder Aleister Crowley bemüht wird, eine Figur, deren Faszination insbesondere in der extremen Metalwelt offenbar ungebrochen ist.

„Cryptoriana“ war eine recht harte Nuss mit fast ausschließlich sehr langen, wenn man so will progressiven Stücken, ein Album, das man sich erarbeiten musste, das dann aber umso mehr glänzte. „Kunstvoll und knifflig“ nennt Dani den Vorgänger der neuen Scheibe – eine gute Umschreibung –, mit „Existence Is Futile“ habe man jedoch etwas experimenteller vorgehen und gleichzeitig  eingängiger agieren wollen. In der Tat unterscheidet sich die Platte relativ deutlich von der vorangegangenen und ist wesentlich schneller zugänglich. Entgegen dem, was man anhand des Titels möglicherweise erwarten würde, geht die Band einigermaßen gemäßigt vor – es gibt weniger Blastattacken, Refrains und Melodien stehen mehr im Vordergrund als verschachteltes Songwriting.

Vor allem zeigt sich dies beim prachtvollen, im Chorus mit den Chören regelrecht feierlichen „Necromantic Fantasies“ – einer umgehend zündenden, eleganten Gothic-Hymne, die erhaben im Midtempo stolziert und bei der man sich an „The Death Of Love“ erinnert fühlt, sowie der elegischen Ballade „Discourse Between A Man And His Soul“. Mit bittersüßen Melodien und hübschen Moll-Dur-Wechseln versehen, ist dieser Song eine Steilvorlage für die „Kommerz“ schreiende Fraktion, aber who gives a fuck: Die Nummer ist einfach schön und gekonnt komponiert.

Auch das peitschende „Black Smoke Curling From The Lips Of War“ ist ein erstklassiger Ohrwurm, bei dem Lindsay Schoolcrafts Nachfolgerin Annabelle Iratni sich vor allem im Refrain erstmals deutlich profilieren kann, genau wie das mit angeschrägtem, skandinavisch anmutenden Riffing startende „How Many Tears To Nurture A Rose?“, dessen Chorus zwar zunächst ungewöhnlich erscheint, sich dennoch sofort als eine der größten Hooklines der gesamten Platte etabliert.   

Als sperriger kristallisiert sich witzigerweise ausgerechnet das nach kurzem Intro eröffnende „Existential Terror“ heraus – die schnelleren Passagen werden immer wieder vom schleppend beginnenden Refrain ausgebremst, andererseits wirkt das Stück dadurch fast noch bedrohlicher. Und mit „The Dying Of The Embers“ steht ein progressiv angehauchter Song auf dem Programm, der noch am ehesten an die Kompositionsweise des Vorgängers erinnert und aufgrund seiner Wendungen ein bisschen länger zum Festsetzen braucht. Eingeleitet mit einer gesprochenen Passage von Annabelle, lässt allein der fette britische Akzent der Dame an selige frühere Zeiten denken und ein wenig nostalgisch werden.

Weitere Highlights bilden das zackige „Crawling King Chaos“ (grandios, wie über dem Gemetzel bombastische, supereinprägsame Chants schweben und auch Platz für eine sakrale Orgelsequenz ist) und das die reguläre Platte abschließende „Us, Dark, Invincible“, welches mit seinen tänzerischen Einlagen im Refrain einen wunderbar morbiden Charme besitzt und wie ein mitternächtlicher Reigen auf dem Friedhof wirkt. In „Suffer Our Dominion“ tritt mit Schauspieler Doug Bradley ein alter Bekannter auf den Plan, der außerdem den ersten Bonustrack „Sisters Of The Mist“ veredelt (der Abschluss der auf „Midian“ begonnenen „Her Ghost In The Fog“-Trilogie). Wie schon bei den zwei Vorgängeralben sind auch hier beide Bonustracks sehr stark ausgefallen, diese sollte sich demnach keiner durch die Lappen gehen lassen.

Unbeirrt setzen Cradle Of Filth also ihren Weg fort und geben dabei weiterhin einen feuchten Scheiß um irgendwelche Dauernörgler, Hater und Spötter, die stets aufs Neue mit der ebenso ausgelutschten wie unwahren „Die machen doch eh immer dasselbe“-Leier aus ihren Löchern gekrochen kommen. Trotz mehr Eingängigkeit wird Atmosphäre weiterhin großgeschrieben (zusätzlich mit Hilfe sorgsam platzierter Interludes) und sind die Arrangements aufwendig ausgefallen: Mit üppigen Orchestrierungen wird nicht gegeizt und die Gitarren- und Schlagzeugarbeit ist auch diesmal zum Zunge schnalzen. Ob die Gruseltruppe mit ihrem 13. Langdreher wie teilweise kolportiert, die „traurigste“ oder „düsterste“ Scheibe ihrer Karriere abgeliefert hat, sei dahingestellt, gelungen ist das Dargebotene zweifellos erneut und gehört in die bereits umfangreiche Cradle-Sammlung einsortiert.

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