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Cradle Of Filth: Darkly, Darkly, Venus Aversa

Nicht überragend wie früher, aber solide wie zuletzt immer
Wertung: 8/10
Genre: Black, Gothic Metal
Spielzeit: 62:31
Release: 29.10.2010
Label: Peaceville

Dass Dani Filth eine Schwäche für starke Frauen hat, dürfte bekannt sein. Ebenso wie sein Faible für wahnsinnige Serienmörder, die auf vielen vorigen Alben behandelt wurden: Die Gräfin Elisabeth Báthory, die unzählige Mädchen zu Tode gefoltert haben soll („Cruelty And The Beast“, 1998) und Gilles de Rais („Godspeed On The Devil’s Thunder“, 2008) waren reale Figuren, Philip Decker, der auf „Midian“ (2000) zwar nicht direkt erwähnt wird, aber einen irren Psychopathen in Clive Barkers Roman „Cabal“ darstellt, auf welchem das Album basiert, ist hingegen fiktiv.

Auf dem neuesten Output „Darkly, Darkly, Venus Aversa“ haben sich Dani und seine Bande nun wieder der holden Weiblichkeit gewidmet, genauer gesagt dem Lilith-Mythos, der zweifellos eine ganze Menge interessanten Stoff bietet; steht die Figur doch schließlich als Synonym für die starke und emanzipierte Frau, die gleichzeitig sexy und verführerisch ist, weswegen sie in unserer immer noch patriarchalischen Gesellschaft über Jahrhunderte eher negativ behaftet und dämonisiert wurde. Mal abgesehen davon taucht Lilith in verschiedensten Mythologien unterschiedlichster Kulturen auf, sodass Dani mit Sicherheit mal wieder kräftig Bücher gewälzt hat.

Wer glaubt, dass Cradle Of Filth nun aber musikalisch vielleicht etwas zurückrudern, weil es diesmal nicht um irgendeinen durchgeknallten Schlächter, sondern um eine schöne Frau geht, der sieht sich getäuscht. Im Gegenteil, die Engländer setzen in Sachen Geschwindigkeit sogar eher noch einen drauf; das ansonsten meist ziemlich ermüdende Gelaber von wegen „Das neue Album wird härter und schneller als alles, was wir bisher gemacht haben“ trifft diesmal also tatsächlich weitgehend zu.

Erstaunlicherweise ohne pompöses Intro geht es gleich amtlich zur Sache; lediglich ein paar Worte des neuen weiblichen Pendants zu Danis Gekreische, Gekeife und Gebrülle – Lucy Atkins, die die jahrelange Stammchanteuse Sarah Jezebel Deva ablöste – leiten die Scheibe ein, bevor die Band mit „The Cult Of Venus Aversa“ dem Hörer sofort Highspeed-Geballer vor den Latz knallt. Die typischen Cradle-Elemente – die extremen Vocals des Frontmannes und die obskure Symbiose aus symphonisch angehauchten Keyboardsounds, düsteren Gothic-Chören und von Blastbeats begleitetem, pfeilschnellem Riffing, hin und wieder abgelöst durch einen melodischen Einschub – kommen sofort zum Vorschein. Mal ehrlich: Es war nicht wirklich zu erwarten, dass die Briten mit ihrem neunten Full-length-Studioalbum eine musikalische Revolution starten würden, die Band ist unverkennbar und aus hundert verschiedenen Combos herauszuhören. Man weiß meistens, was man bekommt, denn viel wird nicht verändert, außer dass man auf dem einen Album etwas härter, düsterer oder bombastischer agiert als auf dem anderen.

Aber eins steht ebenso fest: Cradle Of Filth verstehen es, auch wenn man das ein oder andere Riff vielleicht schon mal in ähnlicher Form gehört hat, stets gute und spannende Songs zu schreiben, in denen es einiges zu entdecken gibt. Sie sind eine verlässliche Gruppe, die noch nie völlig enttäuscht hat – nicht einmal mit „Thornography“, das für den Verfasser dennoch das bisher schwächste Werk war. Es gibt nicht viele Bands, die so verhältnismäßig wenig verändern und doch immer Qualität und interessantes Material herausbringen.

Dennoch wird der Fan auf „Darkly...“ schon gefordert: Die ersten vier Songs gehen allesamt voll auf die Zwölf – ein paar Durchläufe seien also empfohlen, um die Strukturen zu erfassen (aber es dürfte wohl eh jedem Cradle-Anhänger bekannt sein, dass es bei den meist überlangen Songs der Engländer besser ist, sie ein paarmal zu hören, bevor man sich ein Urteil erlaubt) –, erst bei dem im Midtempo gehaltenen „The Persecution Song“ wird der Fuß vom Gaspedal genommen, während „Deceiving Eyes“ eine sehr gute Mischung aus treibenden Uptempo-Thrash-Parts, starker melodischer Komponente und Midtempo bildet.

„Lilith Immaculate“ und „Forgive Me Father (I Have Sinned)“ sind hingegen wohl die Stücke, die am schnellsten ins Ohr gehen. Ersteres besticht durch die eingängige, in der Tonfolge regelrecht elegant anmutende Keyboardstimme und letzteres durch eine tolle Steigerung, die von einem hörenswerten Gitarrensolo gekrönt wird – kein Wunder, dass der Track als erste Single ausgekoppelt wurde. Bei beiden Songs soll auch der gelungene Wechselgesang von Dani und Lucy nicht verschwiegen werden. Sehr stark sind aber ebenfalls „The Spawn Of Love And War“, das rasende „Harlot On A Pedestal“ und der epische Schlusspunkt „Beyond Eleventh Hour“.

Auch wenn Cradle Of Filth es insgesamt wie erwähnt heftig krachen lassen, haben sie es somit trotzdem nicht versäumt, auch wieder die ein oder andere etwas gemäßigtere Passage einzubauen und so für Abwechslung zu sorgen. „Godspeed On The Devil’s Thunder“ sehe ich persönlich zwar noch als einen Tick stärker an und Meisterwerke wie „Dusk And Her Embrace“, „Midian“ oder „Damnation And A Day“ werden natürlich erst recht nicht erreicht, aber mit „Darkly, Darkly, Venus Aversa“ haben die Engländer wieder eine mehr als solide Scheibe am Start, die jeden Fan zufrieden stellen sollte. In der limitierten Ausgabe gibt es zudem noch eine Bonus-CD (nicht in der Promo-Version enthalten) mit vier weiteren Tracks und einem Videoclip zu „Forgive Me Father (I Have Sinned)“, auf der Bonus-CD der „Fan-Edition“ sind es sogar acht weitere Tracks, darunter allerdings drei Demoversionen von „The Cult Of Venus Aversa“, „The Nun With The Astral Habit“ und „Deceiving Eyes“.

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