Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

Corvus Corax: Cantus Buranus Live in Berlin

Ein individuelles Werk auch live wunderbar vermittelt
Wertung: 8.5/10
Genre: Mittelalter
Spielzeit: 84:0
Release: 03.03.2006
Label: Roadrunner Records

Wenn man das Schlagwort "Carmina Burana" loslässt, gibt es zwei häufig gebrachte Identifikationen. Zum einen die Vertonung der Texte durch Carl Orff, zum anderen die rekonstuierten Originalmelodien der Handschrift aus dem 13ten Jahrhundert.

Die Carmina Burana ist wohl eine einzigartige Sammlung mittellateinischer Lyrik und Komposition. Wie keine andere zog sie seit ihrer Entdeckung Musiker in ihren Bann. Da diese Sammlung etwa 1230 niedergeschrieben wurde, und eine Zusammenstellung der erfolgreichsten Stücke der Zeit des 11./12. Jahrhunderts ist, darf man sie sozusagen als "Best of" betrachten. Viele der Melodien finden sich in anderen Liedern wieder, und auch die Texte sind schon damals recht populär gewesen. Daher ist es kaum verwunderlich, dass Corvus Corax schon sehr früh anfingen sich mit den Liedern des Codex Buranus zu beschäftigen. Nun mag man fragen, was jedoch eine Orchesterbearbeitung und Neukomposition von Titeln der mittelalterlichen Handschrift mit der bisherigen Tätigkeit der Band zu tun hat. Ein genauer Blick auf den Inhalt der Handschrift liefert Erklärungen für dies Projekt. Wurde früher noch angenommen, die Lieder seien von Vaganten und Spielleuten gedichtet worden, hat man später herausgefunden, dass sie das Werk von Gelehren und Professoren sind, da die lateinischen Texte auf hohem sprachlichem Niveau gedichtet wurden, und einen facettenreichen Humor beinhalten.

Wenn man also eine ebenso anspruchsvolle, zeitgemäße Wiedergabe erzielen möchte, kann man sich natürlich auch der anspruchsvollsten Mittel der heutigen Zeit verschreiben. Corvus Corax versuchte schon seit einiger Zeit, die Strukturen ihrer Musik stetig zu wandeln, und so haben sie einen eigenen Stil entwickelt, den man nicht von einer wissenschaftlichen, sondern von einer unterhaltenden Seite betrachten sollte.

Dass die Live-Aufführung des "Cantus Buranus" durchaus unterhaltsam ist, können die über 5000 Besucher der Berliner Aufführungen bestätigen, und die DVD bietet davon einen überragenden Eindruck. Die Stücke sind durch die extravagante Darbietung mit 72 Chorsänger/innen und einem kompletten Orchester sehr eindrucksvoll umgesetzt, und eine gelungene Vermischung von Klassik mit dem Stil von Corvus Corax.

Schade ist nur, dass oftmals Sackpfeife und Schlagwerk zu sehr im Vordergrund standen. Dies fällt vor allem bei der Sopranistin auf, welche beinah zwischen den Dudelsäcken untergeht. Bis auf diese kleinen Makel wird die akustische, wie auch die visuelle Konserve sehr frisch dem Konsumenten aufgetischt, und Corvus Corax dürfen mit Recht von sich behaupten, ein individuelles Werk auch live wunderbar vermittelt zu haben.

comments powered by Disqus

Fantastisches Open-Air, bei dem alle um die Wette strahlen

Familiäre und friedliche Metalparty am Kanal, Take 17

Fantastischer Abend, der viel zu schnell zu Ende ging