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Corrupted Melody: Inner I

Wehe, wenn das nächste Album ebenso lange auf sich warten lässt
Wertung: 7.5/10
Genre: Dark Metal
Spielzeit: 62:03
Release: 30.04.2009
Label: STF Records

Recht ungewöhnlich kommen Corrupted Melody daher. Ein cooler Name, der einige vertrackte Sounds erwarten lässt. Die sieben-köpfige Band stammt aus der Slowakei, die ja auch nicht gerade als Hochburg des Metals anzusehen ist. Die Band veröffentlichte vor zwölf Jahren ihr erstes Demo, und das als vollständiges Album. 1998 schob man eine lediglich vier Tracks umfassende zweite Demoveröffentlichung hinterher. Seitdem herrscht Flaute und nun liegt recht unverhofft der zweite Longplayer im CD-Laufwerk. Man hat sich inzwischen noch eine Dame am Mikrofon besorgt und ist somit auf die stattliche Anzahl von sieben Bandmitgliedern gewachsen.

„Rebellion“ beginnt mit Keyboards und leichten Schlagzeugtönen, bevor Mima Kostrova ihre Stimme ertönen lässt. Nicht zu hoch oder gar opernhaft erklingt der wohltuende Gesang. Dann bricht aber das ungestüme Tier in der Band los, das Tempo wird forciert und man dreht den Powerregler kräftig nach oben. Eine keifende Stimme sorgt für unangenehmen Kontrast. Juro Zember kreischt diabolisch daher, was nicht immer zu gefallen weiß, besser sind da schon seine Growls. Aber genau das dürfte das Konzept von Corrupted Melody sein: Drei gänzlich verschiedene Stimmen. 

„Balance“ startet richtig stark mit fast symphonischer Ausrichtung, welche irgendwie ein wenig Haggard-Stimmung aufkommen lassen könnte, wenn es mit einem Orchester aufgenommen wäre. Eine sehr schöne Melodie, die fast schon ein wenig zaghaft unter Mimas tollen Stimme daher zu schwimmen scheint. Dann der hier recht behutsame, kraftvolle Gitarreneinstieg und die gelungenen Growls sind einfach toll. Langsam wird der Takt vorangetrieben und man zuckt mit dem Nacken, bevor wieder eine verträumte melodische Stelle erklingt und man einfach verzaubert wird. Erst im eher technisch ausgeprägtem Teil kommt dann die hier passende Keifstimme zum Einsatz. Lediglich die grässlichen Computertöne zum Ende hin hätte man sich sparen sollen

„Heart Of Sphinx“ mutet fast schon ein wenig orientalisch angehaucht an, auch wenn die Instrumentierung dies fast schon ein wenig verschleiert. Die Gitarrenarbeit von Juro und Rado Glovina sorgen für viel Freude, auch wenn alle Stücke irgendwie sehr stark auf das Dreigestirn des Gesangs abgestimmt sind, und somit eigentlich viel zu wenig Schub durch die absolut gelungene Instrumentierung erhalten. 

„Messenger“ beginnt ohne große Unterberechung, ohne kurzes Einleitungsgeplänkel. Leider verrennt sich die Band hier dann aber etwas, denn die weiblichen Gesangsparts gehen stellenweise in eine eher quäkige Richtung und zerstören die positiven Emotionen des Songs. Klingt irgendwie nicht ganz ausgereift, auch wenn Drummer Miro Raucina hier ein weiteres Mal zeigt, wie gut und abwechslungsreich er zu Werke geht. 

„Inbetween“ startet dann auch deutlich ruhiger, ohne jegliche Pause mit Martin Janeceks Keyboards. Eine schöne Melodie tut sich auf und der etwas zu weit im Vordergrund stehende Gesang sorgt für Stimmung. Wie eigentlich in jedem Song wechselt auch hier der Soundverlauf recht deutlich. Fast schon melancholisch geht man hier in den ruhigeren Passagen vor. Die fetten Gitarren wurden zwar ein wenig zu weit in den Hintergrund gemischt, sorgen aber auch so für die passende Grundstimmung.

„Embrace Of Waters“ beginnt wieder recht zaghaft, bevor der Kreischgesang das Kommando übernimmt. Irgendwo als Dark Metal würde ich die Band einstufen, da sind klare Death Metal-Anleihen, die schon erwähnten Gothic-Elemente werden gepaart mit symphonischem Flair. So ein wenig Black Metal ist auch noch versteckt und fertig ist ein sehr abwechslungsreiches Potpourri der Melodien. Interessant, aber nicht unbedingt leicht verdaulich. Nichts für Strümpfe-im-Bett-Träger.

„Charon“ findet seinen Anfang mit zwar einfachen, aber sehr effektvollen Gitarren. Edo Farman sorgt mit seinem Bassspiel für eine unaufdringliche, aber sehr gelungene Ergänzung zum guten Schlagzeug. Quasi im Duett frönen Mima und Juro den Gesangsmelodien. Cooler Kontrast, welcher seine Wirkung nicht verfehlt. Man denkt unwillkürlich an die Sage von der Schönen und dem Biest.

„Never“ besticht da noch mehr. Toll, wie aus dem Nichts das Tempo aufgedreht wird und man vom verträumten Part in Black Metal-Gefilde driftet, um dann wiederum im kräftigen Metal zu enden. Das Ganze mehrfach variiert und man denkt zwar schon an richtig progressive Musik, was aber eigentlich so nicht rüber kommt. Einfach abwechslungsreich und erfrischend.

„Imaginata“ beginnt etwas hektisch, bevor sich der Song dann aber allmählich etwas beruhigt. Die Slowaken wissen, wie man Atmosphäre schafft, ohne technisch im Niemandsland zu versumpfen. Gerade auf die Instrumentierung wird wirklich ein großes Augenmerk gelegt, auch wenn es nicht allzu sehr in den Vordergrund gemischt wurde. 

„Birth Of A Goddess“ stellt dann fast schon das viel berüchtigte fröhliche Happy End dar. Aber dann erklingt die eher in sich gekehrte, traurig verträumte Stimme und sorgt für den Dark Metal-Flair. Die Growls setzen partiell ein und sorgen für den gewohnten Kontrast. Ein gelungener, wenn auch nicht powervoller Abschluss unter einem bemerkenswerten Debüt. Aber allemal gelungen, um seine Freundin kuschelnderweise in den Arm zu nehmen und nur in den kräftigeren Passagen einen stürmischen Liebesangriff vorzunehmen, der dann in einer energetischen Entladung endet.

Fazit: Auch wenn eigentlich der Sound stimmt, so sind oftmals nur die Stimmen das herausragende Element, obwohl irgendwo zu weit hinten die Gitarren brillieren. Da hätte man mehr rausholen können. Technisch auf anspruchsvollem Niveau, schaffen es die Slowaken, eine wirklich gelungene Scheibe abzuliefern. Falls es die Band allerdings wieder für nötig hält, elf Jahre Veröffentlichungspause einzulegen, werde ich sie zu einem Heino-Konzert verschleppen und dort in der ersten Reihe festbinden. Nein, da muss deutlich früher ein weiteres Werk kommen. Auch wenn es noch nicht zum großen Wurf gelangt hat mit dem Plattenfirmendebüt, die Band hat einiges an Potential, auf das man gespannt sein darf, dieses zu entdecken. Hoffentlich verirren sie sich auch mal in deutsche Konzertsäle.

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