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Corey Taylor: CMFT

Hier tobt sich ein Fronter aus
Wertung: 8,5/10
Genre: Hard Rock, Blues, Heavy Metal, Country
Spielzeit: 47:47
Release: 02.10.2020
Label: Roadrunner Records

Im Januar 2009 (!) berichteten wir über anstehende Soloaktivitäten des Slipknot- und Stone Sour-Fronters Corey Taylor, ein Debütalbum schien in Planung. Mehr als elf Jahre hat es jetzt gedauert, das gute Stück tatsächlich aufzunehmen und zu veröffentlichen – das muss man erst mal verpacken. Klar wird diese Zeitspanne, wenn man weiß, was der Mann aus Des Moines, Iowa, in der Zwischenzeit noch alles fabriziert hat – Alben mit seinen beiden Bands, Gastauftritte bei Musikerkollegen, Bücherveröffentlichungen; ein Hansdampf-in-allen-Gassen also, den man schon auf dem Sitz festtackern muss, um ihn mal für eine Weile ruhig zu stellen.

Kaum verwunderlich, dass der Titel des Solodebüts „CMFT“ lautet – Kurzform von „Corey Mother Fucking Taylor“, was schon irgendwie deutlich macht, dass Taylor sich mittlerweile als Marke sieht. Darf er aber auch, bei all den Leistungen ist ein bisschen gesunder Narzissmus schon angebracht.

Statt irrem Metal oder knackigem Alternative Rock wie bei seinen beiden Hauptbands bekommt der geneigte Hörer hier eine durchaus bodenständige Mischung aus Blues, Country, Hard Rock und Heavy Metal auf die Ohren, die zuerst erschreckend brav klingt, im Verlauf der Platte aber durchaus an Fahrt gewinnt. Unterstützt wird Taylor unter anderem von den beiden ehemaligen beziehungsweise derzeitigen Stone-Sour-Kollegen Christian Martucci (Gitarre) und Jason Christopher (Bass), hat sich also kein ganz neues Team zusammengestellt, sondern setzt klugerweise auf vertraute Musiker.

Die Bandbreite an Genres, die auf „CMFT“ geboten wird, überrascht eigentlich nicht wirklich, haben wir hier doch den Mann vor uns, der live schon mal den Titelsong von „Spongebob Squarepants“ schmettert: Neben dem vorab bereits veröffentlichten „CMFT Must Be Stopped“, bei dem sich Taylor ganz passabel und mit ordentlich Schaum vor dem Mund durch die erste Strophe rappt und dann Unterstützung von den Kollegen Tech N9ne und Kid Bookie erhält, steht wie selbstverständlich neben der leider etwas schwachen Ballade „Home“ und dem zweiminütigen Hardcore-Punk-Song „European Tour Bus Bathroom Song“, der wunderbar den Humor des Fronters einfängt.

Nebenbei lebt Taylor ganz offensichtlich seine Liebe für Hard Rock der 1980er Jahre aus: Scheint das eher fade „Black Eyes Blue“ als erste Single noch eher ungünstig gewählt worden zu sein, kann „HWY 666“ mit seiner Dark-Country-Schlagseite durchweg überzeugen. Während „Samantha‘s Gone“ dann noch astrein in den Achtzigern verortet werden kann, überrascht das flotte „Meine Lux“ mit „Ohohoho“-Mitsing-Parts und einem astreinen Drumming, das hier ohnehin mal gelobt werden muss. Der Song präsentiert sich nicht nur für Albumverhältnisse ultraschnell und tanzbar, mit einem flirrenden Gitarrensolo hat man auch genügend Headbang-Potential mit eingebaut.

Während „Halfway Down“ noch ZZ Top huldigt, steht mit dem von pumpenden Drums angetriebenen „Culture Head“ tatsächlich ein Song auf der Liste, der so auch gut bei Stone Sour hätte auftauchen können. Corey Taylor zeigt sich in bester Angriffslaune, der drängende Beat tut sein Übriges, um den Song zum Dauerläufer zu machen. Übrigens auch typisch für den Ami: Titel wie „Everybody Dies On My Birthday“, das eher im düsteren Alternative-Bereich schwelgt.

Hier tobt sich ein Fronter mal so richtig aus, der mit zwei Bands noch nicht ausgelastet scheint. Tracks wie „Home“ gestalten sich etwas enttäuschend durch fehlende Durchschlagskraft, insgesamt hat „CMFT“ allerdings einige positive Überraschungen parat, die die Platte zu einem ziemlich coolen Solodebüt machen. Reminiszenzen an Taylors musikalische Hard-Rock- und Heavy-Metal-Helden gibt es zuhauf, was den 13 Tracks noch einen zusätzlichen persönlichen Touch gibt. Für Fans des Sängers und Songwriters ist „CMFT“ somit eigentlich ein absolutes Muss.

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