Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

Artwork der Scheibe

COR: Seit ich die Menschen kenne, liebe ich die Tiere

Wo ist der HardCORe geblieben?
Wertung: 5/10
Genre: Punk, Thrash, Rock
Spielzeit: 49:08
Release: 06.03.2009
Label: Rügencore

„Seit ich die Menschen kenne, liebe ich die Tiere“. Schon wieder so eine vegane Greenpeace-Aktivisten-Band? Auf dem Cover löffeln zwei Affen aus einem Menschenkopf das Hirn heraus. Schon wieder so eine pseudo-anarchistische Deutschpunkband, die lieber Phrasen drischt, als gute Musik mit Köpfchen zu machen? Könnte man meinen.

Wenn man allerdings ein bisschen näher hinguckt, kann man so einiges lernen: Zum einen ist der Albumtitel ein Zitat von keinem anderen als Arthur Schopenhauer. Und zum anderen ist COR keineswegs eine Band bestehend aus saufenden Bahnhofspunks, deren Motto lautet: „Gegen alles und jeden, nur nicht gegen Bier.“ Spätestens seit den letzten zwei Scheiben müsste man erkannt haben, dass COR wissen, wie man seine Message gut rüberbringt – mal unterschwellig, mal direkt in die Fresse: „Kamikaze, Barbarei, nennt uns wie ihr wollt, wir nennen uns frei.“ Das ist mal eine Ansage.

Ob COR diese Message auch auf „Seit ich die Menschen kenne, liebe ich die Tiere“ wieder so übermitteln können? Schon der Titel der Scheibe dürfte verraten, dass es sich hier nicht um eine Teenie-Pop-Punk-Band handelt, deren Lyrics sich um Pubertätsprobleme und Herzschmerz drehen. Auf ihrem neuesten Werk geben COR wieder mal all dem Hass Luft, der sich seit der letzten Platte in ihnen aufgestaut hat. Dabei wird über die sozialen Misstände in Gesellschaft und natürlich im altbekannten Schweinestaat gewettert.

Der Stil, den die fünf Nordmänner selbst „Thrashrock“ betiteln, pendelt irgendwo zwischen dreckigem Straßenpunk, Rock, Thrash, Hardcore und Metal. Genauer gesagt: Hauptsache laut und auf die Fresse.  Um dabei nicht in der breiten Deutschpunkmasse unterzugehen, versuchen die Jungs mit der Ska-Nummer „Geld“ auch die nötige Abwechslung nicht zu kurz kommen zu lassen. Der Refrain ist für meinen Geschmack allerdings ein bisschen zu platt geraten. Anscheinend muss Sänger Friedemann da wieder die alten Streetpunk-Klischees bedienen, denn es wirkt nicht so, als wolle er alles aus seinen Gesangskünsten herausholen, da geht schon einmal die ein oder andere Note daneben. Womit wir gleich beim ersten Kritikpunkt wären: Die Vocals, die irgendwo zwischen rauem Punkgesang beziehungsweise Gegröhle liegen und mehr nach einem nörgelndem Seemann als nach einem Hardcore-Punk-Frontmann klingen. Wo bleibt die Aggressivität, die den älteren Scheiben erst den wirklichen Arschtritt-Faktor verliehen hat?

Schon der Opener „Anti-Pop“, der Elemente aus Hardcore und Streetpunk vermischt, hätte gesangstechnisch mit ein bisschen mehr Würze deutlich aufgewertet werden können. Dabei geht der Rest voll auf die zwölf: Die Drums prügeln mit einem coolen Straßenpunk-Sound dahin, den die shreddenden Gitarren nur noch auf eine höhere Stufe heben. Nur zum Schluss, nach einem hervorragenden Metal-Solo gibt auch der Sänger mal Vollgas.

„DIY“, meiner Meinung nach die coolste Nummer auf der ganzen Scheibe, ist eine deutliche Anlehnung an amerikanischen Old-School-Hardcore à la Minor Threat oder Suicidal Tendencies. Und nebenbei zeigt der 50 Sekunden lange Kracher noch eine Lösungsmöglichkeit für alle auf, die sich nicht weiter mit „Müll beschallen“ lassen wollen (Anti-Pop): „Gründe eine Band!“

Die folgenden Songs lassen eben genau diese für COR normalerweise typische Aggressivität vermissen. „Das Tier“ ist eher eine coole, groovige Rock-Nummer, abgesehen von ein paar kurzen Punk-Ausbrüchen. „Thrashrock Terror“, schlägt, wie der Titel schon sagt, eher eine thrashige Richtung ein, ist dadurch allerdings auch nicht eine absolute Überraschung, sondern eher Mittelmaß. Track Nummer sechs namens „Ein ganz normaler Tag“ kann wenigstens durch ein paar griffige Songzeilen begeistern. „Engel“ bricht durch seinen schon fast epischen Refrain ein bisschen aus dem Standard-Schema aus, der Rest kann allerdings auch nicht wirklich begeistern.

Erst bei „Sünde“ folgt ein weiterer Höhepunkt, der Rotz-Fakor wird wieder deutlich nach oben geschraubt und das wirkt auch. Dass „Gott“ offensichtlich eine Verneigung vor Motörhead ist und Lemmys Vocals, sowie die typischen Riffs recht gut nachgeahmt werden, machen das Stück für mich trotzdem nicht zu einer Top-Nummer. Die offiziell letzte Nummer „Geräusch“ hätte musikalisch echt Hit-Potenzial und erinnert ein bisschen an Terrorgruppe, leider trifft Sänger Friedemann genau da, wo er mal die Töne treffen sollte eben nicht. Schade.

Einen soliden Schallplatten-Lobpreis („Die Welt ist eine Scheibe“) bringen die Jungs auf dem Hidden Track „Viva Vinyl“, dann ist die Platte auch schon zu Ende. Und wirklich traurig bin ich darüber ehrlich gesagt nicht.

Eingefleischte COR-Fans werden auch an dieser Scheibe gefallen finden, mir persönlich haben die HardCORe-Zeiten noch besser gefallen. Die neue Scheibe ist zu punkig für Rock, zu rockig für Punk und zu soft für Hardcore. Seit ich „Seit ich die Menschen kenne, liebe ich die Tiere kenne“ kenne, liebe ich „Freistil Kampfstil Lebensstil“.

comments powered by Disqus

Werkschau einer der größten und einflussreichsten Rockbands aller Zeiten

Wie mit einer Ex-Freundin

Willkommen in der Husumer Sauna