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Coppelius: Tumult

Rockig, aber doch anders
Wertung: 9.5/10
Genre: Folk Rock
Spielzeit: 49:08
Release: 30.01.2009
Label: F.A.M.E. Recordings

Bands, die ungewöhnlichen Konzepten folgen und diese auch bis ins Detail durchziehen, wirken oft polarisierend auf die Hörer: Die einen finden die Maschen der Künstler zu überzogen – die anderen gehen darin vollkommen auf.
Zu diesen polarisierenden Bands gehören auch die Berliner Coppelius, die sich dem 19.Jahrhundert widmen – in ihren Auftritten im Frack wie auch in ihrer Instrumentierung mit zwei Klarinetten, einem Cello, einem Kontrabass, einem Schlagzeug und einem Butler in singender Funktion.

Auf ihrer zweiten albumlangen Scheibe zeigt sich, dass Coppelius seit dem Vorgänger „Time – Zeit“ zugelegt haben, sowohl beim Songwriting, als auch in punkto Soundqualität. Davon zeugt auch die Neuaufnahme des älteren „Operation“ unter dem Titel „Komposition“ mit neuem Text. So unterschiedlich die einzelnen Songs auf dem Album auch sind, eines lässt sich generell sagen: Klarinetten und Streicher erzeugen einen satten Sound, über den sich – in zugegebenermaßen etwas gewöhnungsbedürftiger Art und Weise – die Gesänge von Butler und Sänger Bastille legen. Hierbei werden lyrisch auch aktuelle Themen in den Sprachgebrauch des 19. Jahrhunderts versetzt.

Da die Songs allesamt recht unterschiedlich sind, aber doch zueinander passen, werde ich an dieser Stelle nur auf ausgewählte Anspieltipps eingehen – hören sollte man dennoch das komplette Album:

„Rightful King“, einer der drei Songs mit in englischer Sprache verfassten Texten, stellt eine Zusammenarbeit mit zwei prominenten Künstlern dar: Subway to Sally-Sänger Eric Fish stellte für Coppelius hier seine Stimmbänder zur Verfügung, während Ex-The Inchtabokatables-Cellist B.Deutung einen zusätzlichen Satz Saiten streicht. Eric Fishs raue Stimme passt sich hierbei perfekt in den ohnehin etwas groben und rauen Klang der Instrumentierung ein, die durch den Charakter der verwendeten Instrumente gegeben ist. Hierbei spielen die Klarinetten eine zusätzliche Melodie über das rockige, verzerrte Riffing der Streicher, was den Song teilweise wie einen normalen Rocksong klingen lässt – aber eben doch irgendwie anders.

Bei „Schöne Augen“ wird das Rocksong-Gefühl noch verstärkt, doch auch dieser Track fällt durch die Instrumentierung sowie den teilweise überdramatisierten mehrstimmigen Gesang aus dem Rahmen: Das instrumentale Fundament bildet das Cello, begleitet durch einen leicht kontrapunktischen Kontrabass – und die im flotten Takt mithetzenden Klarinetten geben dazu eine begleitende Melodie.

Anders hingegen wirken Coppelius bei „Das Amulett“: Ein trauriger, spartanisch instrumentierter Song ohne jede Rockfacette. Hier spielen Streicher und Klarinette sich ergänzende Melodielinien – begleitet von der mehr gesprochenen als gesungenen Vokallinie, die textlich eine Trauergeschichte über die Fähigkeit, die Gedanken anderer zu erraten und dadurch enttäuschte Freundschaften und Lieben behandelt. Ein berührender Song, dessen Wirkung durch den Einsatz von Cello und Klarinette noch verstärkt wird.

„Tumult“ ist ein starkes Album, das beweist, dass man aus einem ungewöhnlichen Konzept einiges machen kann. Für Freunde des Folk, die altertümlichem Gehabe nicht ablehnend gegenüberstehen, eindeutig zu empfehlen.

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