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Contrast: Charybdis

Nicht gerade ein unbezwingbarer Sturm, aber zu einem hübschen Gewitter reicht es allemal
Wertung: 7/10
Genre: Melodic Death Metal
Spielzeit: 35:28
Release: 09.04.2012
Label: Eigenproduktion

Contrast aus Gelnhausen sind bisher trotz eines bereits erschienenen Debütalbums noch recht unbekannt in der deutschen Metalszene. Mittlerweile vier Jahre ist das „Stille“-Release her, da taucht dann endlich der Nachfolger „Charybdis“ aus der Versenkung auf. Wer mit dem Zungenbrechertitel nichts anfangen kann, wird hier gerne belehrt: Charybdis stammt aus der griechischen Mythologie und ist der Name eines Meeresungeheuers, das das Wasser mit allen eventuell vorbeiziehenden Schiffen aus Jux und Dollerei einsaugt und dann wieder ausspuckt. Wer sein Album nach einer solchen Zicke benennt, der muss musikalisch mindestens genauso aggressiv agieren.

Nun spielen die Hessen ja zum Glück nicht gerade Poprock, sondern haben sich dem Melodic Death Metal verschrieben, ein weites Feld, in dem uns unzählige Kapellen bereits bewiesen haben, dass man einiges falsch machen kann. Lustigerweise merkt man auch erst, wenn man auf die Texte schaut, dass selbige in deutscher Sprache verfasst sind – macht aber beim ersten Eindruck jetzt keinen wirklichen Unterschied. Der Fünfer erfindet zwar nicht gerade das Rad neu, bringt aber mit den deutschen Texten und interessanten Instrumentalpassagen eine recht eigenständige Note mit – eine gute Basis, um sich die Platte auch mehrmals anhören zu können und zu wollen.

Mittlerweile spielen Drummer Nico, Basser Eric, die beiden Gitarristen Simon und Patrick und Sänger Jojo gute sieben Jahre zusammen in der gleichen Formation, was man der Platte natürlich positiv anhört. Man ist aufeinander eingespielt und die Songs bezeugen das, indem sie alle mehr oder minder wie aus einem Guss klingen – allerdings gibt es hier auch einen leichten Hang zur Monotonie, der einem im Melodic Death Metal zurzeit öfter mal über den Weg läuft.

Man muss „Charybdis“ schon richtig laut hören, um ein gutes Gesamtbild zu bekommen, aber Metal sollte man ja generell nicht leiser als Baustellenlautstärke laufen lassen. Und selbst bei solcher Lautstärke bläst einen zumindest das Intro mit dem kryptischen Namen „F 23.8“ noch nicht so recht weg, denn das entpuppt sich als ruhiger Klavierpart, der ohne Pause in „Scherbenpalast“ und wildes Drumming übergeht. Am auffälligsten ist hier die Leadgitarre, die dem recht rasanten Song einen gewissen Wiedererkennungswert gibt. Noch eine Schippe Spannung legen die Jungs beim folgenden "Gaias Hand" obendrauf, Jojos Gebrüll wird deutlich fieser, wobei der Sänger aber erstaunlich variabel zwischen dem typischem Melo-Death-Geschrei und tiefen Growls pendelt.

Mit „Chimärenzorn“ gibt es dann so einen Song auf die Ohren, der eigentlich technisch gut gemacht ist, aber einen nicht unbedingt vom Hocker hauen kann. Dass Contrast eine moderne Elemente eingewoben haben, tut dem Sound zwar gut und frischt ihn etwas auf, macht es für die junge Band aber nicht unbedingt einfacher, aus der Masse herauszustechen. Einen recht dramatisch und unorthodoxen Einstieg bietet das bereits aus dem Jahr 2009 stammende „Institutionis Pestilentia“, das passend zum Titel mit ein paar eingestreuten Symphonic-Elementen spielt. Kombiniert wird das Ganze mit einer interessanten Mischung aus schwarzmetallisch angehauchten Elementen und dem richtigen fiesen Organ von Jojo. Das nenn‘ ich mal Wiedererkennungswert, so präsentieren sich Contrast in einem richtigen geilen Gewand, bei dem alles zusammenpasst.

Das finale „Serenade der Endzeit“ hat fast schon Heaven Shall Burn-Charakter, obwohl hier noch der nötige Wumms fehlt. Im Gesamtbild zieht „Charybdis“ aber auf jeden Fall Aufmerksamkeit auf sich, sei es durch die durchweg gute technische Leistung der kompletten Truppe, durch die auffallenden Gitarrenlicks oder die stellenweise beeindruckende Vocalleistung, völlig abgesehen von dem coolen nautischen Artwork. Dafür kann man dann auch sieben Punkte springen lassen.

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