Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

Conmoto: Cut Cut Cut

Richtig geile Scheibe
Wertung: 8.5/10
Genre: Punk, Hardcore
Spielzeit: 32:15
Release: 21.10.2011
Label: Noisolution

Wer meine Reviews kennt, der weiß, dass ich bei zwei Dingen skeptisch bin: bei italienischen Bands und weiblichen Sängern. Nun kommen Conmoto zwar nicht aus dem Stiefelland, sondern aus Limburg, haben dafür aber mit Sarah De Castro gleich eine italienische Sängerin an Bord und lösen direkte schlimmste Befürchtungen aus. Eine Mischung aus Hardcore und Punk soll es sein, die die Combo auf ihrem neuesten Werk "Cut Cut Cut" präsentiert, auf dem Sarah erstmals das Frontmikro in Händen halten darf, statt nur neben dem Gitarrespielen im Hintergrund zu trällern. Man darf also sowohl als Nichtkenner als auch als bisheriger Fan der Band gespannt sein, was die elf Songs auf knapp einer halben Stunde Spielzeit für Überraschungen bereit halten.

Die erste Überraschung mag banal klingen, ist sie aber ganz und gar nicht: Das Quartett ist echt gut. Man muss sich ein bisschen an die Stimme gewöhnen, hat aber spätestens beim zweiten Song "Othero" volle Sympathie für die Lady, wenn sie entrückt ins Mikro brüllt. Beim Opener "Golden Dawn" erleidet man erst einmal einen leichten Schock, weil man so gar nicht auf die deftigen Schlagzeugparts und treibenden Gitarren vorbereitet war und wenn Sarah dann plötzlich unvermittelt los schreit, weiß man gar nicht mehr so recht, wo oben und unten ist. Andererseits hat die Dame im klaren Gesang eine wirklich schöne Stimmfarbe und so ist es auch kein Wunder, dass der Refrain sich direkt festsetzt und den Song zum Anspieltipp macht.

So recht kann man sich gar nicht in Sarahs unterschiedliche Stimmungen hineinfühlen, aber irgendwie schafft die Combo es trotzdem meistens, die Stimmungsschwankungen in ein bewegendes Stück zu packen. "Van Streefkerk" klingt fast ein bisschen nach Indierock und entwickelt sich zu einem regelrechten Ohrwurm, während "Borders And Flights" ein aggressives Brett ist, eine Abrissbirne, die einem Trommelfell und Stimmbänder zugleich zerfräst. Ganz anders, aber ungleich geiler, gestaltet sich dann "Bill The Butcher": Mit Klängen, die vor allem im Refrain stark an Post-Hardcore erinnern, schlängelt sich der Track durch die Spielzeit, getragen von leicht sphärischen Gitarren, klarem, ruhigem Strophengesang und gerufenen Vocals im Refrain. Gänsehaut ist hier beinahe vorprogrammiert und spätestens hier wird klar, dass die Band einiges auf dem Kasten hat.

"Cutting Off" ist dann für meinen Geschmack etwas zu simpel gestrickt, dafür klettert "14 Punkte Flensburg" aber direkt in der Beliebtheitsskala nach oben. Der einzige deutschsprachige Song kommt in schönster beziehungsweise dreckigster Altpunk-Manier daher, Sarah pöbelt sich durch ganze zwei Minuten und 18 Sekunden und begeistert von Anfang bis Ende. "Devil To Feed" rastet dann auch noch einmal aus, hat aber im Gegensatz zu "Borders And Flights" so etwas wie eine erkennbare Melodiestruktur und könnte fast als Noisecore durchgehen. Cool ist außerdem, wie Conmoto die unterschiedlichen Stile mischen, ohne so klar definierte Grenzen zu ziehen. Bei der Truppe scheint alles zu einem einzigen großen Trip zu verschmelzen, dabei wirkt die Musik aber keineswegs zu entrückt, sondern immer nachvollziehbar.

Insgesamt hinterlassen Conmoto einen großartigen ersten Eindruck bei der Verfasserin dieser Zeilen. Anders als gedacht heben sich die Jungs und das Mädel von der Masse ab, ohne allzu Experimentelles aufzufahren und punkten trotzdem mit Abwechslungsreichtum. Dafür dürften 8,5 Punkte drin sein.

comments powered by Disqus

Top-Stimmung in der Markthalle auch an einem Mittwochabend

Auch die unsägliche Informationspolitik kann einem den Spaß nicht verderben

Stimmungsvoller Abend mit zwei motivierten Bands