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Coma: Excess

Mit englischen Texten ab aufs internationale Parkett
Wertung: 9/10
Genre: Crossover/Artrock/Metal
Spielzeit: 72:39
Release: 11.10.2010
Label: Mystic Production/Soulfood

Coma sind in ihrem Heimatland Polen eine ziemlich große Nummer, beim polnischen Ableger von Sony BMG gesignt und spielen im Vorprogramm von Größen wie Tool, Pearl Jam und Linkin Park. Dem internationalen Durchbruch stand bisher allerdings stets die Sprachbarriere im Wege, denn Coma singen auf Polnisch und das kann der überwiegende Anteil der Weltbevölkerung nur mit Mühe überhaupt lesen, geschweige denn verstehen.

Dieses Hindernis plant man nun endlich aus dem Weg zu räumen: Unter dem Schirm von Mystic Production, wo man ja schon länger den richtigen Riecher für polnische Rockmusik-Exporte hat, nahm man sich das 2008er-Doppelalbum „Hipertrofia“ vor, übersetzte neun Songs ins Englische, schrieb drei neue Songs (die in der Tracklist an den abgekürzten Titeln erkennbar sind) und stellte daraus „Excess“ zusammen. So wirklich neu ist das „neue Album“ also gar nicht. Gleichwohl ist es für zahlreiche Hörer (den Schreiber dieser Zeilen eingeschlossen) außerhalb Polens wohl der erste Kontakt mit dem Quintett um Sänger Piotr Rogucki.

Musikalisch bewegen sich Coma irgendwo im Bereich „melodischer Rock“, wobei sie sich munter an allen Ecken aller möglichen Genres bedienen: Der Titeltrack zu Beginn der Tracklist funktioniert als typisch straighter Grunge-Rocker mit ausgeprägten Laut-Leise-Dynamikwechseln zwischen Strophen und Refrains und atmosphärischen Gitarrenleads. „Transfusion“ hingegen wendet sich messerscharfen Crossover-Riffs und brummelnden Bässen zu und erinnert besonders im aggressiven Chorus eher an Rage Against The Machine.

Wandlungsfähig wie das instrumentale Fundament gebärdet sich auch Piotr Rocgucki in seiner gesanglichen Leistung: rockige Töne hat der Mann ebenso drauf wie sanft-sphärische Klänge, introvertierte Monologie á la Maynard James Keenan oder derbe, aggressive Shouts. Eine Kurzzusammenfassung dieser Vielseitigkeit gibt er in „Struggle“: Während die Strophen aus Raps bestehen, die auch von den frühen Linkin Park stammen könnten, schwingt sich der Fronter im Refrain in hymnische Melodien und Phrasierungen, die ein James Hetfield so ähnlich auch vorgetragen hätte. Dass er seine Lyrics auf „Excess“ auf Englisch statt in seiner Muttersprache übermitteln muss, tut seinem Können keinen Abbruch und hat auch keine schmerzhaften Akzentmomente zur Folge.

Ohnehin lohnt sich genaues Hinhören, denn die Übersetzung der Texte für die Neuveröffentlichung dürfte nicht allein kommerziellen Interessen zuzuschreiben sein, sondern wohl vor allem der Tatsache, dass Coma etwas zu sagen haben und dabei verstanden werden möchten. „If you don't use your lazy brain every day/it lives the struggle and it's dying away“ - Piotrs offene Einladung zum Selberdenken passt zur intelligenten Poesie der Texte aus seiner Feder. Eingebettet in die komplex und abwechslungsreich arrangierten Songs machen die Lyrics so den künstlerischen Anspruch der Band deutlich, der nicht zuletzt auch an überlangen Artrock-Tracks wie „T.B.T.R.“ und dem großartigen „Eckhart“ erkennbar wird.

Anscheinend ist das für Coma aber schon wieder zuviel Schubladendenken, denn mit „F.T.P.“ schlägt die Band mit Nachdruck in die Rüpelkerbe: Die Abkürzung steht für „Fuck The Police“ und macht dem Song alle Ehre. Ein aggressiver Crossover-Metal-Track voller Flucherei und chorischem Brüllen des Titels; unterbrochen von einem fast schon absurd sanften Intermezzo. Der Song wirkt schizophren, ist aber dabei großartig komponiert und keinesfalls so flach wie er auf den ersten Blick erscheint.

Mit „F.T.M.O.“ (Feel The Music's Over) beschließen Coma dann ihren Ausflug über die Sprachgrenzen ihres Landes hinaus. Man kann der Band nur wünschen, dass sie mit „Excess“ im Ausland den Anklang und die Beachtung findet, die sie verdient.

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