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Cold: Superfiction

Endlich sind sie wieder da!
Wertung: 8/10
Genre: Alternative Rock, Post-Grunge
Spielzeit: 45:57
Release: 22.07.2011
Label: Eleven Seven Music/EMI

Cold schienen eine Weile untergetaucht. Das ist bei US-Rockbands nichts besonders ungewöhnliches, wenn man sich solche Combos wie Staind als Beispiel hernimmt, die öfter mal für ein paar Jährchen in der Versenkung verschwinden. Bei Cold war das allerdings gravierender. Von Split war die Rede (tatsächlich gönnte man sich 2005 eine Pause), und überhaupt schien Fronter Scooter Ward ja nie ein besonders stabiles Kerlchen gewesen zu sein. Als jetzt die frohe Botschaft durch die Redaktion schallte, dass die Post-Grunger eine neue Scheibe herausbringen, war die Angst natürlich groß: Cold im Jahr 2011 – wie würde das sein? Schließlich ist das letzte Album „A Different Kind Of Pain“ schon lange sechs Jahre alt – genug Zeit, um seine Fans zu vergraulen oder seinen Sound dahingehend zu modifizieren, dass die Hörer abgestoßen werden.

Kein Mensch kann sich die Anspannung bei den ersten Takten von „Wicked World“ vorstellen, gefolgt von einer wahnsinnigen Erleichterung, als Scooters deprimierend resignierte Stimme ertönt. Er ist dabei. Wahnsinn. Und das nach sechs Jahren. Dabei scheint die Band sich nach 15 Jahren, dem eher wütenden „13 Ways To Bleed On Stage“ und dem traurig-depressiven Vorgänger „Year Of The Spider“ eher einem hoffnungsvolleren Unterton hinzugeben. Zwar überrennt einen bei Tracks wie „Emily“ noch immer eine dicke Gänsehaut, aber das Album kommt insgesamt sehr viel positiver aus den Boxen, als man es von den Amis gewöhnt ist.

Wie auch bei den vier vorherigen Alben muss man sich in „Superfiction“ erstmal reinhören. Zwar begegnen einem beim ersten Durchlauf bereits einige Knaller, aber so richtig warm wird man mit dem Ganzen noch nicht. Kennt man die Diskografie der Jungs, macht einem das aber keine Sorgen, stattdessen lehnt man sich entspannt zurück und genießt den Abstecher. Und wie merkwürdig ist das, nach sechs Jahren wieder eine Band zu hören, die einen durch die Pubertät gebracht hat?

Wie bereits erwähnt, sollte dem gemeinen Cold-Fan schon beim Opener „Wicked World“ ordentlich der Sabber laufen. Im Stile von vielen früheren Songs wie beispielsweise „Whatever You Became“ rocken sich die fünf Herren durch dreieinhalb Minuten Post-Grunge. Wie auf jeder Cold-Platte gibt es auch auf „Superfiction“ den ein oder anderen Lückenfüller, der immer wieder verhindert, dass man die Platte mit der vollen Punktzahl bewerten könnte. „The Break“ macht da zum Glück einen Schnitt und zeigt vor allem Sänger (und Keyboarder… und Gitarrist) Scooter in Topform. Obwohl viele US-Bands sich die Alternative Rock-/Post-Grunge-Schiene zu Eigen gemacht haben, verfügen Cold dank der unnachahmlichen Stimme des Sängers über einen hohen Wiedererkennungswert. Der Track gerät ein bisschen schleppender als seine Vorgänger, wirkt aber dadurch nur noch deprimierender, was natürlich die Paraderolle der Band ist.

Ein tatsächliches Highlight bietet dann wieder „Emily“: Hier schwanken die Vocals perfekt zwischen resignierten Strophen und wütendem Refrain, ohne dass der Mann auch nur im Ansatz schreien muss. Unterlegt ist das Ganze mit den passenden Gitarren, die im Refrain richtig schön losbrettern. Das sind auf jeden Fall Cold, wie man sie in Erinnerung hatte – großartig!

„So Long June“ mutet dann gesangstechnisch fast ein wenig britisch an – sollte es wirklich Scooter sein, der hier singt, und nicht etwa Bassist und Backgroundsänger Jeremy Marshall - hat der Mann seinem üblichen Repertoire wohl eine Stimme hinzugefügt, die ein bisschen an The Editors oder White Lies erinnert. Gewöhnungsbedürftig, aber nicht übel, auch wenn mir persönlich sein leicht monotoner Gesang besser gefällt. „The Ballad Of Nameless“ entpuppt sich dann als ebensolche, wobei man ja sagen muss, dass Cold ohnehin eher selten richtig auf den Putz hauen. Ein schöner Track, der einen etwas getrageneren Refrain hätte vertragen können.

Alles in allem ist es schwierig, das Album zu bewerten; zwar kann man mit Erleichterung sagen, dass Cold sich nicht großartig verändert haben, aber ein wenig fehlen einem die richtig düsteren Momente. Trotzdem reicht’s für acht Punkte – endlich ist die Combo wieder da und hoffentlich lässt sie die Fans nicht wieder sechs Jahre aufs nächste Album warten.

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